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Kopfplatzen
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© Salzgeber & Co. Medien GmbH

Kritik: Kopfplatzen (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm packt Savaş Ceviz ein Tabuthema an, das zum Zeitpunkt des Kinostarts einmal mehr Schlagzeilen macht. In die Abgründe von Missbrauchsfällen lässt der Regisseur und Drehbuchautor sein Publikum nicht blicken. An diesem Punkt ist seine Hauptfigur noch nicht angelangt. Gemeinsam mit ihm blickt aber auch das Publikum alsbald in einen persönlichen Abgrund.

Der Selbsthass des Protagonisten und dessen funktionierender moralischer Kompass sind eine notwendige Voraussetzung für das Gelingen dieses Films. Mit einer Hauptfigur, die nicht gegen ihre pädosexuelle Neigung ankämpfen, sondern diese ausleben würde, wäre "Kopfplatzen" nur schwer vorstellbar. Max Riemelts Figur, vor allem aber dessen ausgezeichnete schauspielerische Leistung machen das schier Unvorstellbare möglich: Mitgefühl mit einem Pädosexuellen zu empfinden, ohne dessen Neigung zu verharmlosen oder gutzuheißen.

Wenn Riemelts Architekt Markus der Kopf schwirrt, dann dreht sich die Welt wie im Schwindel um ihn herum. Riemelts intensives Spiel macht Markus' innere Zerrissenheit spürbar. Ruhig und differenziert erzählt und in klaren Einstellungen und kühlen Farben inszeniert, ist Savaş Ceviz ein mitfühlendes und aufwühlendes Drama geglückt. Auch wenn er es zwischendurch mit der Symbolik und am Ende mit der Opferrolle, in die sich Markus selbst drängt, übertreibt, ist sein Film sehenswert. Letzten Endes zeigt "Kopfplatzen", dass es nichts bringt, die Augen vor Tabuthemen zu verschließen.

Fazit: Regisseur und Drehbuchautor Savaş Ceviz packt ein Tabuthema an. Er erzählt davon ruhig und differenziert. In der Hauptrolle ist Max Riemelt ein Ereignis. Der Schauspieler trägt dieses mitfühlende und aufwühlende Drama auch über manche Schwäche hinweg, etwa wenn es Ceviz mit der Symbolik übertreibt.




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