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Der Junge und die Wildgänse
Der Junge und die Wildgänse
© Capelight Pictures

Kritik: Der Junge und die Wildgänse (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der französische Regisseur Nicolas Vanier hat sich auf Filme spezialisiert, deren Schauplatz die Natur ist. In Dokumentarfilmen erzählte er über Menschen im hohen Norden, seine Spielfilme handeln von Jungen und ihren Abenteuern, zu denen manchmal auch tierische Gefährten gehören, wie in "Belle und Sebastian". Sein neuer Film ist inspiriert von den aufsehenerregenden Aktionen des Vogelschützers Christian Moullec. Der Held der Geschichte, der 14-jährige Thomas, aber beginnt sich wegen eines alten Buchs, das er im Haus seines entfremdeten Vaters findet, für Wildgänse zu interessieren: "Nils Holgerssons wunderbare Reise" von Selma Lagerlöf. Von einem Jugendlichen, der nur Computerspiele mochte, verwandelt er sich in einen leidenschaftlichen Tierschützer.

Dieser auch, aber nicht nur für größere Kinder und Jugendliche erzählte Film hat eine Doppelnatur. Zum einen geht es um die getrennte Familie, einen Jungen, der seinen Vater kaum kennt, diesen Mann, der mit dem Sohn wenig anfangen kann. Christian, der Vater, ist ein Eigenbrötler und Einzelkämpfer, der dazu neigt, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Dabei gefährdet er manchmal auch leichtsinnig die eigene Arbeit und missbraucht das Vertrauen anderer. Thomas, der in der Pubertät ist, will sich aber nicht von den Fehlern des Vaters ausbremsen lassen, sondern selbst etwas riskieren. Die eher spärlichen Dialoge wirken holprig, der menschliche Umgang ebenfalls, schon weil Vanier sein Augenmerk lieber auf das andere Thema des Films richtet, Thomas‘ Annäherung an die Natur und die Wildgänse.

Nach anfänglicher Zurückhaltung führt Thomas sein Lieblingsküken Akka samt der kleinen Gänseschar, die ihm brav folgt, gerne spazieren. Die Gänse wachsen schnell, sie müssen fliegen lernen, und auch bei diesem Abenteuer will Thomas sie nicht im Stich lassen. Er fühlt sich verantwortlich für die Tiere, die ihn als Gänsemutter adoptiert haben. Lange, spektakuläre Sequenzen sind im Flug gefilmt, praktisch auf Tuchfühlung mit den Gänsen. Dabei entstehen wunderbare Landschaftsaufnahmen, die die Schönheit der Natur und das Gefühl der Freiheit feiern. Die ökologische Botschaft, dass der Mensch die Erde und die letzten Lebensräume der Wildtiere schützen muss, kommt unaufdringlich an.

Fazit: Am Beispiel seines 14-jährigen Filmhelden Thomas demonstriert der französische Regisseur Nicolas Vanier dem jungen Publikum dieser Abenteuergeschichte, dass die Entdeckung der Natur aufregender sein kann als ein Computerspiel. Thomas, der in der Stadt lebt, findet die Sommerferien bei seinem Vater bald nicht mehr langweilig, sondern steigt ein in sein kühnes Projekt zur Rettung von Wildgänsen. Außer der ökologischen ist auch die pädagogische Filmbotschaft vernehmbar, dass Jugendliche oft mehr können, als Erwachsene ihnen zutrauen. Ein Hauch wilder Kühnheit begleitet dieses wortkarge, von einem realen Vorbild inspirierte Abenteuer, das mit imposanten Landschafts- und Tieraufnahmen aufwartet.




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