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Kritik: Die Adern der Welt (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Regisseurin Byambasuren Davaa hat sich seit ihrem Erstling "Die Geschichte vom weinenden Kamel" aus dem Jahr 2003 wiederholt filmisch mit dem Leben der Nomaden in ihrer mongolischen Heimat befasst. Trotz fiktionaler Elemente galten die bisherigen Werke eher als dokumentarisch, nun aber erzählt Davaa erstmals eine Geschichte, für die sie ein Spielfilm-Drehbuch geschrieben hat und in der professionelle Schauspieler auftreten. Aber auch das Drama "Die Adern der Welt" steht dem Dokumentarischen nahe, weil es die realen, akuten Probleme der Nomaden mit dem grassierenden Bergbau in der Steppe thematisiert. Vor Ort gedreht, bekommt das Publikum in drastischen Aufnahmen zu sehen, wie die Minengesellschaften ganze Landstriche verwüsten. Am Ende des Films informiert eine Texteinblendung, dass über ein Fünftel der Mongolei als Bergbaugebiet ausgewiesen ist, wobei überwiegend global agierende Konzerne die Konzessionen besitzen.

Es ist diesmal also nicht so sehr das moderne Großstadtleben, das die nomadische Tradition bedroht, sondern die Gier nach den Bodenschätzen. Tradition und Moderne gehen in Gestalt des Wettbewerbs "Mongolia’s Got Talent" jedoch eine positive Verbindung ein: Der zwölfjährige Filmheld Amra will mit einem althergebrachten Lied berühmt werden, das die junge Generation an die kulturellen Wurzeln erinnert, zu denen die Achtung vor der Natur zählt. Davaa ließ sein Lied "Adern aus Gold" von dem mongolischen Musiker und Schamanen Lkhagvasuren Khatanbaatar für den Film komponieren.

Wie auch in früheren Filmen Davaas werden Szenen aus dem Familienleben in der Jurte und beim Hüten der Tiere sehr reizvoll geschildert. Amra, den ein junger Laiendarsteller eindrucksvoll spielt, hat von seinem Vater nicht nur traditionelle Werte gelernt, sondern auch Fähigkeiten wie Autofahren und das Reparieren von Maschinen abgeschaut. Die Rituale beim heiligen Kraftbaum, das Abendlicht über dem weiten Grasland prägen die Atmosphäre ebenso wie die Bilder der Umweltzerstörung durch die Minenbetreiber. Manchmal wirkt die Handlung jedoch etwas holprig und die Charaktere hätten noch besser, detaillierter entwickelt werden können. Aber auch dieser kleine Spielfilm gewährt einem deutschen Publikum wieder wertvolle Einblicke in das Leben und die aktuellen Probleme der mongolischen Nomaden.

Fazit: Der Spielfilm der Regisseurin Byambasuren Davaa schildert am Beispiel einer mongolischen Familie kritisch, wie Bergbaukonzerne das traditionelle Leben der Nomaden gefährden und sie von ihren Weidegebieten verdrängen. Der Held des Films, ein zwölfjähriger Junge, versucht den Widerstand seines Vaters nach dessen Tod fortzusetzen. Die Besinnung junger Menschen auf kulturelle Wurzeln und ihre Träume, moderne Fernsehstars zu werden, gehen in diesem Drama eine reizvolle Verbindung ein. Schmerzlich kontrastieren hingegen Szenen des friedlichen Nomadenalltags mit den Aufnahmen, welche die Verwüstung der Landschaft durch die Minen dokumentieren.




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