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Promising Young Woman
Promising Young Woman
© Universal Pictures International

Kritik: Promising Young Woman (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Promising Young Woman" legt die 35-jährige Drehbuchautorin und Schauspielerin Emerald Fennell ihr Langfilm-Regiedebüt vor. Zuvor hatte sie bereits einen Kurzfilm realisiert. Nachdem sie als Schauspielerin viele Jahre nur kleinere Nebenrollen in Filmen ergattern konnte (etwa in "The Danish Girl"), wurde sie 2020 mit der Rolle der Camilla Parker-Bowles in der Erfolgsserie "The Crown" erstmals einem großen internationalen Publikum bekannt. Für "Promising Young Woman", ihrer Premiere als Filmemacherin, stand ihr ein Budget von ca. acht Millionen Dollar zur Verfügung. Eine beachtliche Höhe für einen Erstling.

Beachtlich ist zudem, wie unvermittelt Stimmung und Atmosphäre, quasi im Minutentakt, in "Promising Young Woman" wechseln. Melancholie und Tragik liegen manchmal nur Sekunden von beißendem Witz, Hohn oder einer unnachgiebigen Boshaftigkeit entfernt. Dies liegt in den zwei Gesichtern der Protagonistin begründet, die höchst ambivalent gezeichnet ist. Einerseits fiebert man mit Cassie, der früher so ungezwungenen, lebenslustigen Frau, der die Zukunft offenstand. Aber anstatt einer Karriere als erfolgreiche Ärztin, haben die tragischen Ereignisse um Nina dafür gesorgt, dass sie in einem unterbezahlten Job versauert und ihr Leben vergeudet.

An ihrer Vendetta an den lüsternen, die Frauen sexuell ausbeutenden, dauergeilen Männern kann man sich dennoch (zunächst) nicht satt sehen – so herrlich komisch und abgedreht ist mitunter die Art und Weise, wie Cassie die Männer in ihren Wohnungen auflaufen lässt. Das Problem: Auf Dauer ermüden die ständigen Racheaktionen, die sich spätestens im zweiten Akt nur noch wie pflichtbewusst abgespulte Episoden aneinanderreihen und doch oftmals sehr ähnlich ablaufen. Dennoch agiert Mulligan glaubhaft und vermittelt ihre innere Zerrissenheit ausgewogen. Weniger glaubwürdig ist der inhaltliche Seitenstrang rund um ihren ehemaligen Kommilitonen Ryan (Bo Burnham). Und die Tatsache, dass Cassie sich von ihm so schnell aus dem Konzept bringen und umwerben lässt – erwies sie sich doch zuvor als eiskalte, unerbittliche Rächerin, die für die Avancen der Männer nicht empfänglich war.

Ein Genuss sind die bonbonfarbene Optik, das sich in Pink, Plüsch und Kitsch suhlende Produktionsdesign sowie der poppig-eingängige Soundtrack. Das alles ergänzt sich wunderbar mit der expressiven, exzentrischen Gesamtwirkung: von den bittersüßen, überkandidelten Songs (sie stammen unter anderem von Charlie XCX und Paris Hilton) über die markant-leuchtenden Farben von Cassies Fingernägeln und den grellen Ambiente-Lichtern der Nachtclubs bis hin zu den schrillen Kostümen.

Fazit: "Promising Young Woman" ist ein erfrischend unalltäglicher filmischer Rachetrip, der mit seiner auffallenden Farbgebung berauscht und dessen selbstbewusster, derber Humor im Gedächtnis bleibt. Dennoch ist die wild-ungezügelte Thriller-Dramödie nicht frei von Schwächen. Dazu zählen unausgegorene, unglaubwürdige Nebenhandlungen sowie ein Konzept, das sich – trotz aller Radikalität und der herrlichen Boshaftigkeit – irgendwann abnutzt.




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