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Die schönsten Jahre eines Lebens
Die schönsten Jahre eines Lebens
© Wild Bunch

Kritik: Die schönsten Jahre eines Lebens (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Über 50 Jahre nach dem Nouvelle-Vague-Klassiker "Ein Mann und eine Frau" kehren Trintignant und Aimée zurück in ihre Rollen von einst. "Ein Mann und eine Frau", der mit zwei Oscars ausgezeichnet wurde, gilt heute als einer der besten Liebesfilme aller Zeiten. Inszeniert wurde er von Claude Lelouch, einem der großen französischen Filmemacher des vergangenen Jahrhunderts, der weitere Klassiker wie "Ein Hauch von Zärtlichkeit" und "Alles für die Liebe" schuf.

Schon von der ersten Begegnung an merkt man: Die Chemie und die Stimmung zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt noch immer. "Ein Mann und eine Frau" machte Trintignant und Aimée einst zu Stars, nicht nur des französischen, sondern des europäischen Kinos. Heute sind beide fast 90 Jahre alt – und erweisen sich in ihrem Spiel als nach wie vor glaubhaft und authentisch. Der Schwerpunkt des Films liegt ganz klar auf den zwei Ex-Liebenden, ihren Ausflügen und dem Schwelgen in Erinnerung. Einige der Nebenfiguren geraten daduch leider zur unnötigen und belanglosen Staffage (vor allem die Kinder der Hauptfiguren).

#Am Besten ist der Film, wenn Lelouch prägende und unvergessene Szene seines 60er-Jahre-Originals an klugen Stellen platziert – und damit nicht nur Kino-Nostalgikern ein paar rührende Momente schenkt sondern auch noch auf gelungene Weise eine Verschmelzung der Zeitebenen erreicht. Darüber hinaus sind noch andere Sequenzen früherer Werke und Hinweise auf das Schaffen Lelouchs im Film untergebracht, was Lelouch-Fans Gefallen dürfte – alle anderen Zuschauer werden davon kaum bis überhaupt keine Notiz nehmen.

Etwas belanglos dümpelt "Die schönsten Jahres eines Lebens" inhaltlich und dramaturgisch vor sich hin. Richtig viel passiert nicht, Spannung und Abwechslung kommen nie auf. Dasselbe gilt für die Dialoge und gegenseitigen Komplimente, Schwärmereien sowie Lobhudeleien, die sich Jean und Anne immer wieder unterbreiten. Diese erweisen sich irgendwann nicht nur als ermüdend und reichlich schmalzig, sondern erinnern in Sachen Gehalt und Botschaft nicht selten vielmehr an generische, austauschbare Kalendersprüche und kitschige Liebesroman-Dialoge.

Fazit: Überzeugende Alt-Darsteller und klug in die Handlung eingewobene, Melancholie erzeugende Original-Szenen stehen einer zaghaften-vagen Inszenierung und seichten Dialogen gegenüber.




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