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Eine Frau mit berauschenden Talenten
Eine Frau mit berauschenden Talenten
© Neue Visionen

Kritik: Eine Frau mit berauschenden Talenten (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der französische Regisseur Jean-Paul Salomé ("Arsène Lupin", "Das Chamäleon") hat eine recht vergnügliche Krimikomödie inszeniert, die auf Hannelore Cayres Roman "Die Alte" basiert. Darin beginnt eine zunächst unscheinbar wirkende Frau, die in ihrem Job als Dolmetscherin für die Polizei versauert, plötzlich ein aufregendes Doppelleben. Nach außen hin kooperiert sie weiter mit dem Drogendezernat, das von ihrem Freund geleitet wird, heimlich aber nutzt sie die erlangten Informationen, um ihren eigenen Drogencoup zu starten. Die Polizei zerbricht sich den Kopf darüber, wer diese neue Großdealerin sein könnte, die Paris so reichlich mit Haschisch versorgt. Der größte Coup, den der Film zu bieten hat, ist die Besetzung der Hauptrolle mit Isabelle Huppert.

Denn die Schauspielerin kann so unnachahmlich die undurchsichtige, kühle Person geben, die ihre eigenen Ziele verfolgt. Die Rolle der Patience, die sich radikal aus der Existenz eines Mauerblümchens befreit, scheint wie für sie geschaffen. Kaum wandelt Patience, die ihre Intelligenz und innere Unabhängigkeit nun voll entfalten kann, auf krummen Pfaden, entdeckt sie auch in der reservierten chinesischen Hausverwalterin Colette Fo (Jade Nadja Nguyen) zu ihrer Überraschung eine Seelenverwandte. Weil die Frauen in dieser Geschichte ihr Wirken nicht an die große Glocke hängen, werden sie zur Überraschung so mancher Filmfigur sträflich unterschätzt.

Patience nimmt, verkleidet als vornehme Araberin mit Kopftuch, Kontakt zu zwei arabischen Möchtegern-Dealern auf. Scotch (Rachid Guellaz) und Chocapic (Mourad Boudaoud) sorgen als clownesk-linkisches Duo für Schmunzelhumor. Der Polizei immer wieder zu entwischen und auch einer marokkanischen Drogengang, die ihre Ware zurückhaben will, erweist sich als zunehmend schwierig für Patience. Die Spannung wird ordentlich geschürt, während sie geheime Übergabe-Treffen durchzieht und sich vor öffentlichen Kameras hüten muss.

Aber die ganze Geschichte wirkt ein wenig auf dem Niveau eines Fernsehfilms abgefeiert. Die Mischung der Zutaten mit der Erinnerung Patiences an die Ganovengeschichte der Eltern, ihrer durchwachsenen Beziehung zu Philippe, den kriminellen Milieus, die sich ihr offenbaren, ist bunt und oberflächlich. Es fehlt eine emotionale Vertiefung der Charaktere zu lebendigen Persönlichkeiten, auch Patience selbst bleibt irgendwie blass. Huppert muss im Grunde auch nur ungerührt schauen und manchmal schelmisch lächeln, um sie zu spielen.

Fazit: Die Krimikomödie von Regisseur Jean-Paul Salomé zeigt Isabelle Huppert in der Rolle einer Pariser Dolmetscherin, die ihre Arbeit bei der Polizei für einen heimlichen Einstieg in den Drogenhandel nutzt. Ihr Lavieren mit kühlem Mut und Köpfchen in der männlich dominierten Welt zu beiden Seiten des Gesetzes wird spannend und recht witzig geschildert. Huppert wirkt allerdings auch unterfordert in der ziemlich oberflächlichen Geschichte, in der sie vor allem ihr so oft bewährtes Pokerface aufsetzen muss.






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