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Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden
Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden
© Neue Visionen

Kritik: Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

In seinem Langfilm-Regiedebüt "Die obskuren Geschichten eines Zugreisenden" arbeitet der in Donostia-San Sebastián geborene Aritz Moreno (Jahrgang 1980) mit Elementen des Surrealismus, die etwa an die Werke von Luis Buñuel ("Der diskrete Charme der Bourgeoisie") erinnern. Das von Javier Gullón geschriebene Drehbuch, welches auf dem im Jahre 2000 erschienenen Roman "Ventajas de viajar en tren" von Antonio Orejudo basiert, kommt mit zahlreichen, hochgradig seltsamen Ideen daher, die von Moreno mit bösem Witz und inszenatorischem Geschick auf die Leinwand gebracht werden.

Das Geschehen schwankt zwischen tiefschwarzer Comedy, schmerzlichem Psychodrama, enigmatischem Thriller und Horror mit drastischen Splatter-Einlagen. Der Film ist mal lustig, mal tragisch, mal fies – und in seinen stärksten Moment sogar all das gleichzeitig. Die titelgebenden Geschichten werden verschachtelt geschildert; vieles greift auf seltsame Art und Weise ineinander, stets ist mit absurden Wendungen und gemeinen Überraschungen zu rechnen. Die größte Sogwirkung hat die immer bizarrer werdende Hintergrund-Story der Verlegerin Helga, die in einer besonders eindrucksvollen Sequenz zu harten Mitteln greift, um sich zu rächen – herrlich kontrapunktisch unterlegt mit dem Song "El amor" der spanischen Popsängerin Massiel.

Neben der einfallsreichen Bildgestaltung von Kameramann Javier Agirre und der oftmals verstörenden Musik des Komponisten Cristóbal Tapia de Veer ist auch das Schauspiel überzeugend: Pilar Castro, Ernesto Alterio und Luis Tosar ("Sleep Tight") liefern mutige Leistungen.

Fazit: Witzig, erschütternd, verrätselt, grausam – und ziemlich abgedreht! Eine wilde Filmreise durch Abgründe; originell umgesetzt und toll gespielt.




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