oder
Into the Beat - Dein Herz tanzt
Into the Beat - Dein Herz tanzt
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Into the Beat - Dein Herz tanzt (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der für ein jugendliches Publikum konzipierte, romantische Tanzfilm von Regisseur Stefan Westerwelle ("Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums") dreht sich um eine Ballettschülerin, die für den Streetdance und einen jungen Künstler in dieser Disziplin entflammt. Wem eine solche Handlung nicht ganz unbekannt vorkommt, denkt wohl an die Filme der "Step Up"- und "StreetDance"-Reihen, deren Anfänge auch schon mindestens zehn Jahre zurückliegen.

Umso erstaunlicher ist es, dass "Into the Beat" im Rahmen der Initiative "Der besondere Kinderfilm" entwickelt wurde. Dort werden Stoffe gefördert, die nicht auf einer Marke oder Buchvorlage basieren. Hier zeigt sich aber, dass eine solche Vorgabe auch nicht in jedem Fall originellere Inhalte garantiert. Und gerade Teenager spüren sehr genau, ob eine Geschichte über Leute ihres Alters stimmig wirkt oder bloß Klischees wiederkäut.

Wiederholt fällt die hastige Machart auf, die lieber zu dick als zu dünn aufträgt. Typisch dafür sind die immer im Duett auftretenden Streetdancer Pepper (Dennis Kyere) und Jo (Julius Nitschkoff), die mit den Dialogen, die sie sich wie Bälle zupassen müssen, überdreht wie Clowns wirken. Von anderem Kaliber ist die wunderbare Helen Schneider als Frau Rosebloom, die strenge Ballettlehrerin. Auch wenn sie meistens nur ernst dreinblickt und kerzengerade dasteht, strahlt sie Charisma aus.

Die Hauptfigur Katya - eine Weiße russischer Abstammung - und der Schwarze Marlon ergeben ein hübsches Pärchen, aber als Minderjährige – sie braucht die Einwilligung ihres Vaters zum Vortanzen, er wohnt in einem Heim – gehen ihre Darsteller nicht mehr unbedingt durch. Teenager sind vor der Kamera überhaupt nicht so häufig zu sehen, denn wenn die anderen Streetdancer mit Gruppenaktionen loslegen, sieht man unter ihnen doch schon etwas ältere Semester. Sie gehören zur renommierten Tanzgruppe "Flying Steps".

In einer Szene, in der in der Hamburger S-Bahn wild und akrobatisch getanzt wird, geben verschiedene Leute nicht viel mehr als je eine Pose oder einen wie eine Trumpfkarte ausgespielten Sprung zum Besten. Während man noch grübelt, ob das jetzt großartig war, hört man den Zuspruch der Filmkomparsen. Selbst die merkwürdige Idee, einen kraftvoll-aggressiven Streetdance von Marlon und Katya ohne Originalton, aber mit einem darübergelegten süßlichen Popsong zu präsentieren, kommt später im Film noch unter.

Fazit: Kann ein Film über den Gegensatz von klassischem Ballett und Streetdance, verkörpert durch ein zunächst braves Mädchen und einen elternlosen Jungen, heute noch ein jugendliches Publikum begeistern? Das im mal schicken, mal rauen Hamburg angesiedelte Coming-of-Age-Tanzdrama von Regisseur Stefan Westerwelle versucht es, aber die beeilt und klischeehaft wirkende Inszenierung lässt wenig Begeisterung aufkommen. Die Tanzszenen entfalten kaum mitreißende Kraft und werden auch schon mal mit unpassender Musik garniert, die Charaktere weisen zu wenig Impulsivität und Verletzlichkeit auf, um als Teenager glaubhaft zu sein.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.