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Unhinged - Außer Kontrolle
Unhinged - Außer Kontrolle
© Leonine Distribution

Kritik: Unhinged - Außer Kontrolle (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Es gibt im Englischen den schönen Ausdruck "nuts and bolts". Wörtlich übersetzt "Schrauben und Muttern", bedeutet es auf Filme angewandt sinngemäß, dass es sich um ein Werk handelt, welches keinerlei Ambitionen über seine Genre-Basics hinaus entwickelt hat. Was drauf steht, ist drin.

"Unhinged" ist ein Paradebeispiel für einen nuts and bolts-Thriller. Ohne Schnörkel. Ohne Schnickschnack. Knackig-kurze 90 Minuten lang. Womit seine Vorzüge bereits bestens beschrieben sind, sich aber auch seine Schwäche andeutet.

Denn der Streifen ist leider auch absolut überraschungsfrei. Nach Ansicht des Trailers, aber vielleicht sogar auch ohne jegliche Kenntnis außer einer knappen Inhaltsbeschreibung können im Thriller-Genre erfahrene Zuschauer den Handlungsverlauf und Ausgang wahrscheinlich im Schlaf vorbeten. Das Drehbuch von Carls Ellsworth ist sicherlich nicht der Aktivposten der Produktion.

Shakespeare ist bei dieser Art Film aber sowieso selten gefragt, und die Machart kann auch eine simple Prämisse zumindest zu einem guten Stück Spannungskino veredeln. Abgesehen von einem wirklich erstaunlich mageren Finalchen liefert "Unhinged" hier mit hohem Tempo, Verfolgungsjadgen, erfrischend kompromisslosen Karambolagen und ungeschminkten Gewaltdarstellungen ordentlich.

Wir müssen uns nicht lange darüber unterhalten, dass ohne den prominenten Hauptdarsteller der Streifen vielleicht nicht mal eine Leinwand gesehen hätte. Die Besetzung mit Russell Crowe ist auf jeden Fall kongenial, denn abgesehen von seiner Darstellungskunst profitiert der Part auch von Crowe's off screen persona, von der ja immer mal wieder zu lesen ist, dass er über eine nur sehr kurze Zündschnur verfügt. Der Australier hat angegeben, dass die Rolle amüsant zu spielen gewesen ist - das nimmt man ihm gerne ab. Allerdings muss man als Zuschauer schon gewaltig in gutmütige Vorleistung gehen, um der Figur diesen völlig überzogenen Rachefeldzug abzunehmen. Hinweise im Drehbuch, dass er halt ein "Psycho" ist, können diese Glaubwürdigkeitsgruft nur bedingt überbrücken.

Fazit: Es reicht für 90 Minuten temporeiche Spannung, wenn man keinerlei Ansprüche an Glaubwürdigkeit und Originalität stellt.




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