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Wege des Lebens - The Roads not taken
Wege des Lebens - The Roads not taken
© Universum Film

Kritik: Wege des Lebens - The Roads Not Taken (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die Filmemacherin und Künstlerin Sally Potter ist für ihre leidenschaftlichen Dramen bekannt, in denen nicht selten starke, um ihre Rechte und Freiheiten kämpfende Frauen im Zentrum stehen. Der Durchbruch gelang Potter, die in den 70er-Jahren in einer feministischen Musikgruppe aktiv war, 1992 mit dem Drama "Orlando". Ab den späten 00er-Jahren widmete sich die Britin auch anderen Genres und Stilrichtungen, etwa dem Arthouse-Kino ("Rage") oder der Satire ("The Party"). Mit "The roads not taken", der auf der diesjährigen Berlinale debütierte, kehrt sie zurück zum schwermütigen-melancholischen, dramatischen Film.

Leider jedoch kann Potter, die für "The roads not taken" ein illustres Star-Ensemble gewinnen konnte, hier nicht an die Qualität ihrer letzten Arbeiten anknüpfen. Denn das esoterisch angehauchte, verkopfte Werk hinterlässt weit mehr Fragen als es beantwortet. Wieso befindet sich Leo in diesem Zustand geistiger Umnachtung? Was ist mit ihm passiert und wann wurde er so krank? Wer sind die Touristinnen, mit denen er auf der Insel ins Gespräch kommt? Wie stehen die Erinnerungsfetzen, Gedankenreisen und früheren Ereignisse überhaupt miteinander in Verbindung? Ob sie tatsächlich passiert sind oder sich lediglich in der Phantasie des zerrütteten, verwirrten Mannes abspielen - Potter liefert keine Antworten, ja nicht einmal Andeutungen. Auf keine der Fragen.

Dramaturgisch gekonnt ist, wie Potter die Szenen der Gegenwartshandlung mit den (scheinbar) in der Vergangenheit angesiedelten Nebensträngen verbindet. Die clevere, technisch kluge Montage einzelner Szenen und Sequenz-Abfolgen lässt die verschiedenen Handlungs- und Zeitebenen wunderbar miteinander verschmelzen. Leider ist dies der einzige nennenswerte Pluspunkt des Films.

Denn zu schwach, langweilig und inhaltsleer ist etwa die Gegenwartshandlung geraten, die fast ausschließlich aus eintönigen, drögen Arztbesuchen besteht oder den vor sich hin grunzenden, gedankenverloren an die Decke starrenden, bettlägerigen Leo zeigt. Es passiert zu wenig, um mitzureißen und zu fesseln. Darüber hinaus findet man nur schwer einen Zugang zu den Charakteren, den thematischen Inhalten (Trauerbewältigung, Selbstfindung, Tod, das Bereuen getroffener Entscheidungen, Identitätssuche, Liebe) sowie der Kernbotschaft des insgesamt zu sperrig, zu träge geratenen Films. Und auch auf die bedeutungsschwangere, überzogen emotionalisierende Musik hätte Potter verzichten sollen.

Fazit: Ebenso formelhafter wie unausgereifter Film über die zentralen Themen des Lebens, der jedoch zu viele Aspekte und Fragen unbeantwortet lässt. Vage, verworren und zu kryptisch.




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