oder

Sohn der weissen Stute (2020)

Fehérlófia

Digital restaurierte Fassung des kunstvollen ungarischen Animationsfilms von 1981, der sich in eine archaische Sagenwelt vertieft.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 2 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Tief im Wald, versteckt in einer Baumhöhle, hat die weiße Stute einem Menschenkind das Leben geschenkt. Sie erzählt ihm von einem fernen Königreich, über das vor langer Zeit ein Unglück hereinbrach, das bis heute anhält. In der Unterwelt haust der mächtigste aller Drachen und der heranwachsende Sohn der Stute kann es kaum erwarten, loszuziehen um ihn zu besiegen. Aber damit er stark genug wird, muss ihn die Stute bis ins Erwachsenenalter mit ihrer Milch ernähren. Endlich kann der Sohn mit seiner Muskelkraft einen Baum ausreißen. Seine Mutter stirbt und er macht sich auf die Reise, um den Zugang zur Unterwelt zu finden.

Der junge Mann lernt seine beiden ebenfalls sehr starken Brüder kennen, Steinbröckler und Eisenkneter. Beim Kräftemessen geht der Baumausreißer, wie ihn die beiden Brüder nennen, als Sieger hervor. Also ziehen sie unter seinem Kommando weiter. Ein zu Streichen aufgelegter Kobold mit einem Siebenmeilenschweif kommt ihnen in die Quere, doch der Baumausreißer ist ihm überlegen und findet durch ihn den Zugang zur Unterwelt. Ausgestattet mit einem Schwert, das nie bricht, lässt sich der Baumausreißer von seinen Brüdern in ein tiefes Loch abseilen. Er ist entschlossen, die drei Feenfräulein, die von den Drachen in die Unterwelt entführt wurden, zu befreien. Wird es ihm gelingen, den dreiköpfigen, den siebenköpfigen und sogar den zwölfköpfigen Drachen zu besiegen?

Bildergalerie zum Film

Sohn der weissen StuteSohn der weissen StuteSohn der weissen StuteSohn der weissen StuteSohn der weissen StuteSohn der weissen Stute


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse5 / 5

Nach seiner 2019 erfolgten digitalen Restauration kommt nun ein ungarischer Animationsfilm in Deutschland heraus, der als farbenprächtiges Kunstwerk den Rang eines zeitlosen Klassikers beanspruchen kann. Es handelt sich um den zweiten Langfilm von Marcell Jankovics, der bereits 1981 erschien und alsbald wegen seines unvergleichlichen, märchenhaften Bilderrausches international für Furore sorgte. Er taucht in die ungarische Sagenwelt ein und legt ihre uralten Wurzeln frei. Eine Textzeile am Anfang dieses filmischen Heldenepos erwähnt, dass es der Erinnerung an Skythen, Awaren und andere Völker gewidmet ist. Die ungarischen Steppen waren in frühen Jahrhunderten lange von Reiternomaden, die aus dem Osten kamen, bewohnt.

Im Grunde erzählt der Film ein Märchen, das in vielerlei Hinsicht den Schöpfungsmythen von Naturvölkern ähnelt. Ein Pferd ist die Mutter des Helden in Menschengestalt und schenkt ihm seine außergewöhnliche Kraft. Aufgrund seiner Stärke, mit der er Bäume ausreißen kann, und wegen seines lodernden blonden Haars könnte der Jüngling, der die Menschheit aus der Gewalt der Drachen befreien soll, sowohl eine Herkulesfigur, als auch ein Sohn der Sonne sein. Er lässt ebenfalls an Siegfried und die Nibelungensage denken. Mit der von Kämpfen geprägten Handlung bietet der Animationsfilm keine harmlose Unterhaltung für Kinder. Er richtet sich eher an ein Publikum, das sich von archaischer Märchenfantasie bezaubern lässt, weil es sich für Volkskunde interessiert, oder Filmkunst genießen will - oder beides.

Und Kunstgenuss wird hier im Sekundentakt geboten. Oft drängt sich der Vergleich mit dem Formen- und Verwandlungsreichtum eines Kaleidoskops auf. Die gezeichneten Figuren und Objekte verändern ihr Aussehen, gehen in etwas anderes über. Es gibt fließende Verbindungen zwischen Himmel und Erde, Mandalas mit rotierenden Mustern erscheinen. Die Geburt des Stutensohnes wird als ein gewaltiges Ereignis geschildert, bei dem Farben, Perspektiven und Räume in einer sinnlichen Fantasie förmlich explodieren. Mit psychedelischer Dynamik wird eine Erfahrungswelt geöffnet, die sonst Träumen vorbehalten ist. Die Stimmen und der Klang der Musik scheinen oft aus einer jenseitigen Sphäre zu kommen. Der Künstler hat sich offenbar nicht nur von altem Kulturgut inspirieren lassen, sondern auch von der entfesselten Kreativität der Flower-Power-Ära.

Fazit: Dieses aus dem Jahr 1981 stammende, digital restaurierte Meisterwerk der Animation zieht das Publikum in einen prächtigen Rausch der Bilder hinein. Der Regisseur und Animator Marcell Jankovics legt mit einem archaischen Heldenmärchen das Erbe nomadischer Reitervölker in der volkstümlichen Kultur Ungarns frei. Die Handlung, in der ein starker Jüngling, den eine Stute geboren hat, in den Kampf gegen Drachen zieht, mutet wie ein intensives Traumerlebnis an. Die sich ständig verändernden Formen und Farben betonen die Verbundenheit von Himmel und Erde, Mensch und Natur und bieten außergewöhnlichen Kunstgenuss.




TrailerAlle anzeigen

Zum Video: Sohn der weissen Stute

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Ungarn
Jahr: 2020
Genre: Abenteuer, Animation, Fantasy
Länge: 81 Minuten
Kinostart: 13.08.2020
Regie: Marcell Jankovics
Darsteller: György Cserhalmi, Vera Pap, Gyula Szabó
Verleih: Drop-Out Cinema eG

Verknüpfungen zum FilmAlle anzeigen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.