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Weissbier im Blut (2020)

Traurige Trinker: Jörg Graser hat seinen eigenen Roman als beinahe schon nihilistischen Regionalkrimi verfilmt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
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Einst war Kommissar Kreuzeder (Sigi Zimmerschied) in seinem Passauer Polizeirevier der beste Mann, inzwischen bezeichnet sein Vorgesetzter, Kriminaloberrat Becker (Johannes Herrschmann), ihn als "schlechtesten Mordkommissar von ganz Niederbayern". Statt zu ermitteln, hockt Kreuzeder lieber im Wirtshaus, zweifelt an der Welt, an Recht und Ordnung und an seinem Beruf und erobert ohne eigenes Zutun das Herz der Kellnerin Gerda (Luise Kinseher).

Als auf einem hoch verschuldeten Bauernhof ein Toter unter einem Mähdrescher liegt, ist Kreuzeder das zunächst einmal furchtbar egal. Er schiebt nur Dienst nach Vorschrift und nimmt den Bauern Holzner (Max Schmidt) fest. Sein Vorgesetzter schickt ihn derweil zur Polizeipsychologin März (Brigitte Hobmeier), die Kreuzeders Diensttauglichkeit prüfen soll. Erst als sich der wahre Täter abzeichnet, kommt Kreuzeder in Bewegung.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Regionalkrimis boomen, schon seit Jahrzehnten. Aus den Buchhandlungen, den Bestsellerlisten und dem Fernsehen sind sie nicht mehr wegzudenken. Einige davon schaffen es sogar ins Kino. Als prominenteste Vertreter dieses Subgenres kommen einem die Verfilmungen von Rita Falks Eberhofer-Krimis mit Sebastian Bezzel und die Brenner-Krimis von Wolf Haas mit Josef Hader in der Hauptrolle in den Sinn. In diese illustre Reihe kauziger Kommissare reiht sich nun auch der Schauspieler Sigi Zimmerschied ein, der nicht nur bereits in so manchem Krimi mitgespielt hat, sondern auch in den Eberhofer-Krimis den Vorgesetzten der Hauptfigur gibt.

Dieses Mal spielt Zimmerschied die erste Geige. Die bringt in erster Linie Misstöne hervor. Denn der von Zimmerschied gespielte Kommissar Kreuzeder ist zwar ein blitzgescheiter, aber eben auch ein ziemlich griesgrämiger Gesell. Der Regisseur und Drehbuchautor Jörg Graser hat sich diesen antriebslosen und an der Welt (ver)zweifelnden Polizisten ausgedacht und zunächst für mehrere Hörspiele niedergeschrieben. Dann folgte der Roman "Weißbier im Blut" (2012), den Graser jetzt selbst fürs Kino adaptiert hat. Die Wahl seines Hauptdarstellers fiel nicht schwer. Sigi Zimmerschmied hatte den Kreuzeder schon in den Hörspielen gesprochen.

Wie Rita Falks Geschichten spielt auch der Krimi von Jörg Graser in Niederbayern, allerdings nicht in der Nähe von Landshut, sondern in Passau und Umgebung, also im "Bayerischen Unterholz", wie es im Untertitel des Romans heißt, nahe Österreich und Tschechien. In diesem Grenzgebiet regieren Schwermut und Niedertracht. Grasers Drehbuch ist voller trostloser Figuren, die ihren Weltschmerz mit Weißbier und Obstler hinunterspülen. Noch deprimierender als diese traurigen Trinker ist jedoch, wie gleichgültig diese ihr Schicksal hinnehmen oder grausamste Taten lediglich mit einem Achselzucken quittieren.

"Weißbier im Blut" ist ein düsterer Krimi – nicht so sehr wegen der in ihm begangenen Taten, sondern vielmehr aufgrund der im vorangegangenen Absatz beschriebenen Weltsicht, die ihn durchzieht. Der Humor ist staubtrocken und dürfte nicht allen gefallen. Denn bei Graser geht es lange nicht so ausgelassen und albern wie bei Rita Falk und lange nicht so bitterböse und zynisch wie bei Wolf Haas zu. Grasers Film ist deutlich näher an einem Regionalkrimi wie Maximilian Bucks "Trash Detective" (2015), auch wenn seine Hauptfigur nicht ganz so abgehalftert wie Bucks Titelheld daherkommt. Ein Regionalkrimi voller unglücklicher Menschen, die gute Miene zum bösen Spiel machen.

Fazit: Der Regisseur und Drehbuchautor Jörg Graser hat seinen eigenen Roman verfilmt. Wer ausgelassene Regionalkrimi-Kost sucht, sucht hier vergebens. Graser erzählt von einer trostlosen Welt. Sein Krimi, dessen Antiheld und der Humor sind staubtrocken und beinahe nihilistisch.




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FBW: besonders wertvollNur oberflächlich orientiert an den aktuell populären Heimatkrimis aus Bayern, dreht die eigene Literaturadaption von Jörg Graser die Schraube eine Stufe weiter und erschafft ein schonungsloses und satirisches Bild, wie man es eher aus dem [...mehr]

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Land: Deutschland
Jahr: 2020
Genre: Komödie, Krimi
Länge: 96 Minuten
Kinostart: 27.05.2021
Regie: Jörg Graser
Darsteller: Sigi Zimmerschied als Kreuzeder, Brigitte Hobmeier als Dr. Carmen März, Luise Kinseher als Gerda Bichler
Verleih: Tobis Film

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