oder

Kritik: Weissbier im Blut (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Regionalkrimis boomen, schon seit Jahrzehnten. Aus den Buchhandlungen, den Bestsellerlisten und dem Fernsehen sind sie nicht mehr wegzudenken. Einige davon schaffen es sogar ins Kino. Als prominenteste Vertreter dieses Subgenres kommen einem die Verfilmungen von Rita Falks Eberhofer-Krimis mit Sebastian Bezzel und die Brenner-Krimis von Wolf Haas mit Josef Hader in der Hauptrolle in den Sinn. In diese illustre Reihe kauziger Kommissare reiht sich nun auch der Schauspieler Sigi Zimmerschied ein, der nicht nur bereits in so manchem Krimi mitgespielt hat, sondern auch in den Eberhofer-Krimis den Vorgesetzten der Hauptfigur gibt.

Dieses Mal spielt Zimmerschied die erste Geige. Die bringt in erster Linie Misstöne hervor. Denn der von Zimmerschied gespielte Kommissar Kreuzeder ist zwar ein blitzgescheiter, aber eben auch ein ziemlich griesgrämiger Gesell. Der Regisseur und Drehbuchautor Jörg Graser hat sich diesen antriebslosen und an der Welt (ver)zweifelnden Polizisten ausgedacht und zunächst für mehrere Hörspiele niedergeschrieben. Dann folgte der Roman "Weißbier im Blut" (2012), den Graser jetzt selbst fürs Kino adaptiert hat. Die Wahl seines Hauptdarstellers fiel nicht schwer. Sigi Zimmerschmied hatte den Kreuzeder schon in den Hörspielen gesprochen.

Wie Rita Falks Geschichten spielt auch der Krimi von Jörg Graser in Niederbayern, allerdings nicht in der Nähe von Landshut, sondern in Passau und Umgebung, also im "Bayerischen Unterholz", wie es im Untertitel des Romans heißt, nahe Österreich und Tschechien. In diesem Grenzgebiet regieren Schwermut und Niedertracht. Grasers Drehbuch ist voller trostloser Figuren, die ihren Weltschmerz mit Weißbier und Obstler hinunterspülen. Noch deprimierender als diese traurigen Trinker ist jedoch, wie gleichgültig diese ihr Schicksal hinnehmen oder grausamste Taten lediglich mit einem Achselzucken quittieren.

"Weißbier im Blut" ist ein düsterer Krimi – nicht so sehr wegen der in ihm begangenen Taten, sondern vielmehr aufgrund der im vorangegangenen Absatz beschriebenen Weltsicht, die ihn durchzieht. Der Humor ist staubtrocken und dürfte nicht allen gefallen. Denn bei Graser geht es lange nicht so ausgelassen und albern wie bei Rita Falk und lange nicht so bitterböse und zynisch wie bei Wolf Haas zu. Grasers Film ist deutlich näher an einem Regionalkrimi wie Maximilian Bucks "Trash Detective" (2015), auch wenn seine Hauptfigur nicht ganz so abgehalftert wie Bucks Titelheld daherkommt. Ein Regionalkrimi voller unglücklicher Menschen, die gute Miene zum bösen Spiel machen.

Fazit: Der Regisseur und Drehbuchautor Jörg Graser hat seinen eigenen Roman verfilmt. Wer ausgelassene Regionalkrimi-Kost sucht, sucht hier vergebens. Graser erzählt von einer trostlosen Welt. Sein Krimi, dessen Antiheld und der Humor sind staubtrocken und beinahe nihilistisch.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.