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Tesla
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© Leonine Distribution

Kritik: Tesla (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nach "Edison – Ein Leben voller Licht" widmet sich nun ein zweiter Spielfilm den großen Erfindern des elektrischen Zeitalters. Auch in "Tesla" geht es um den Konkurrenzkampf führender Forscher und Unternehmer beim Ausbau des Stromnetzes in den USA am Ende des 19. Jahrhunderts. Der Regisseur und Drehbuchautor Michael Almereyda porträtiert den Immigranten Nikola Tesla als visionären Geist, der von Unternehmern geschätzt wird, solange er ihnen Reichtum verspricht. Er selbst aber träumt davon, die elektrische Kraft der Natur ohne Gewinnstreben für alle Menschen nutzbar zu machen.

Der Sohn serbischer Eltern bleibt ein Außenseiter – im Kapitalismus und auch auf dem Gebiet der Liebe. Die Bankierstochter Anne Morgan bemüht sich vergeblich darum, sein Herz zu erobern. Was diese Inszenierung so besonders macht, ist, dass Anne auch als Erzählerin dient, die aus dem Internetzeitalter zurückblickt, um Tesla zu würdigen. Auch wenn Tesla den Popsong "Everybody wants to rule the world" singt, wenn er sich mit Edison ein Duell mit Waffeleis liefert, das von der Erzählerin sogleich für frei erfunden erklärt wird, blickt die Inszenierung gewitzt von einer höheren Warte auf das Geschehen.

Indem die Geschichte fantasievoll aus dem historischen Rahmen tritt, spiegelt sie auch die Entrücktheit Teslas. Ethan Hawke lässt ihn umwölkt erscheinen, oft sogar etwas verlangsamt handeln oder sprechen. Dieser Charakter bleibt rätselhaft und wirkt auch viel weniger dynamisch als die stilistisch raffinierte Inszenierung. Almereyda lässt durchscheinen, dass er sich Tesla vorzustellen versucht, dass aber das entstehende Bild die echte Person nur teilweise sichtbar macht.

Der originelle Film hat auch seine Längen. Dass sich nicht nur Anne Morgan, sondern auch die gefeierte Schauspieldiva Sarah Bernhardt (Rebecca Dayan) für Tesla interessiert, kann der Geschichte im Grunde nur wenig romantischen Glanz verleihen. Tesla wirkt den Frauen gegenüber orientierungslos, als hätten sie seine Gedanken gestört. Von diesen Gedanken wiederum, vom Antrieb des unermüdlichen Erfinders bekommt man aber auch nicht allzu viel mit. Wenn sich ein roter Faden abzeichnet, dann entlang des Zwiespalts, den Anne empfindet, weil sie den Wert und die Macht des Geldes kennt und zugleich den Forschergeist bewundert, der Wichtigeres im Sinn hat.

Fazit: Der Regisseur und Drehbuchautor Michael Almereyda porträtiert den Erfinder Nikola Tesla als rätselhaftes Genie des späten 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Als führender Kopf bei der Entwicklung der auf Wechselstrom basierenden elektrischen Energieversorgung wird er zum Rivalen Thomas Alva Edisons. Ethan Hawke spielt den osteuropäischen Immigranten Tesla als introvertierten sozialen Außenseiter, der weder mit Frauen, noch mit Unternehmern gewandt umgehen kann. Die ideenreiche, sich selbst reflektierende Inszenierung sorgt für Aufsehen, etwa indem sie Teslas Wegbegleiterin Anne Morgan immer wieder auch als Betrachterin aus der Gegenwart auftreten lässt.




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