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Kritik: Coup (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Regisseur Sven O. Hill versucht mit seinem Werk einen kreativen Coup zu landen, der ordentlich in die Hose geht: Es soll eine Mischung aus Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilm sein, in der er die wahre Geschichte eines Hochstaplers erzählt, der alle austrickste. Besser gesagt: Erzählen lässt, denn "Coup" beginnt und endet mit Aufnahmen aus der Gegenwart von betreffendem, namenlosen Protagonisten, der die Geschichte dazwischen mit seinen Erzählungen begleitet. Die wird mit Schauspielern bzw. in Form von Animationen in fiktionalisierter Form bildlich dargestellt, während wir im Hintergrund Interviews mit dem echten "Bankangestellten" hören.

Das Problem von "Coup" ist zuallererst seine furchtbar einschläfernde und langweilige Tonalität. Es gibt so gut wie nichts, das das Interesse des Zuschauers wecken oder hochhalten würde. Die Story einer ungewöhnlichen Lebensgeschichte mag zwar ganz interessant sind, ist aber derart öde und uninteressant aufbereitet, dass man bereits nach wenigen Minuten Mühe hat, dem Film konzentriert zu folgen. Es ist schwer nachvollziehbar, warum diese seltsame Hybrid-Form gewählt wurde, warum man sich nicht für einen echten Dokumentarfilm entschieden hat, der Originalschauplätze besucht, Beteiligte ausfindig macht und interviewt und uns auch den Protagonisten näher bringt. Das Dokumentarische bleibt stets distanziert und leblos. Oder warum man nicht einfach einen spannenden Spielfilm aus dem Stoff gebastelt hat, der dies allemal hergeben würde.

Hinzu kommt eine technische und stilistische Unbedarftheit, die wohl als "Minimalismus" rüberkommen soll, aber nur billig und unausgegoren wirkt. Die dokumentarischen Aufnahmen erlauben es nicht, irgendeine Bindung zum Protagonisten herzustellen, die fiktiven Szenen sind unfassbar trocken und spröde inszeniert, sie wirken wie Amateurfilme oder Probeaufnahmen, die Schauspieler zu Casting-Agenturen schicken. Schließlich ist man froh, wenn "Coup" nach kurzen 80 Minuten vorbei ist, die sich um ein Vielfacher länger angefühlt haben.

Fazit: Sven O. Hill präsentiert mit seinem Film ein auf allen Ebenen uninteressantes Werk, das seine eigene Kreativität überschätzt und das Publikum unterfordert: Kein Coup, sondern in kompletter Reinfall.




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