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Es ist zu deinem Besten
Es ist zu deinem Besten
© Studiocanal

Kritik: Es ist zu deinem Besten (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Väter, die um das Wohl ihrer Töchter besorgt sind und deren Schwiegersöhne so gar nicht zu den eigenen Vorstellungen und Erwartungshaltungen passen: Die Prämisse erinnert natürlich an die erfolgreiche französische Produktion "Monsieur Claude und seine Töchter" von 2014. Und an den spanischen Erfolgsfilm " Es por tu bien", der vor drei Jahren fast zwei Millionen Spanier in die Kinos lockte. "Es ist zu deinem Besten" ist das deutsche Remake von "Es por tu bien".

Schon in den ersten Minuten der locker-leichten, beschwingten Komödie fällt einem die besondere Chemie auf, die zwischen den spielfreudig agierenden Darstellern herrscht. Heiner Lauterbach etwa, der als zugeknöpfter, stocksteifer Advokat eine Idealbesetzung ist, harmoniert prächtig mit Jürgen Vogel. Trotz – oder gerade weil – deren Charaktere so grundverschieden sind. Interessante Blickwinkel und tiefergehende Betrachtungen ergeben sich darüber hinaus aus den differierenden Wesenszügen der Protagonisten.

Während es Arthur vor allem um Dinge wie Reputation, beruflichen Erfolg und Finanzielles geht, steckt etwa hinter dem Verhalten von Yussuf eine ganz bestimmte Angst. Ein Gefühl, das viele Eltern nachvollziehen können. Die Furcht vorm Erwachsenwerden der Kinder, dem Auszug, der endgültigen Abnabelung. Mit leichtem Witz und ironischer Leichtigkeit spielt Rothemund darauf an, wenn Yussuf noch immer die gemeinsamen Vater-Tochter-DVD-Abende plant, der Tochter liebevoll einen Milchshake zubereitet oder sie – ganz "wie früher" – auf einen Kakao einladen will.

Hin und wieder setzt Rothemund ein wenig zu sehr auf infantilen, reißerisch-plakativen Witz. Und übers Ziel hinaus schießt gelegentlich auch Jürgen Vogel in jenen Momenten, in denen er zu überzogenem Overacting neigt, etwa bei seinen cholerischen, an Klaus Kinski erinnernden Tobsuchtsanfällen. Hinzu kommen eine gewisse Überraschungsarmut und Erwartbarkeit bei den Plänen der Schwäger: vom Anwerben einer Prostituierten, Bestechung bis hin zu Fotomontagen. Dennoch stellt sich keine Langeweile ein und es ist ein kurzweiliger Spaß, den älteren Herren bei ihrem Feldzug gegen die Schwiegersöhne zu beobachten.

Fazit: Trotz bekannter Story-Muster und eines wenig überraschenden Handlungsverlaufs gelingt es Regisseur Rothemund auf leichtfüßige Weise zu unterhalten und darüber hinaus ebenso ernstere Themen mit dem nötigen Respekt anzusprechen.




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