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Falling (2020)

Viggo Mortensens Drama handelt von der Beziehung eines erwachsenen Sohnes zu seinem dementen Vater.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.5 / 5

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Im Winter 2009 holt John (Viggo Mortensen) seinen Vater Willis (Lance Henriksen) nach Kalifornien. Der alte Mann kämpft mit beginnender Demenz und hat eingewilligt, seine Farm im Nordosten der USA zu verlassen und in Johns Nähe eine Wohnung zu beziehen. Doch kaum sind John und Willis an der Westküste angekommen, kann sich der Alte nicht mehr an die Abmachung erinnern. Dass John schwul und mit Eric (Terry Chen) verheiratet ist, nimmt der konservative Vater zum Anlass für ständige üble Beschimpfungen. Allein mit Monica (Gabby Velis), der Adoptivtochter des Paares, versteht sich Willis besser.

In Willis‘ Bewusstsein vermischen sich die Zeiten, oft ist er wieder der junge Mann (Sverrir Gudnason), der mit Gwen (Hannah Gross) eine Familie gegründet hat. Der alte Willis erwähnt ständig die Mutter von John und Tochter Sarah (Laura Linney), obwohl er oft gar nicht Gwen, sondern seine zweite Partnerin Jill (Bracken Burns) meint. Beiden Frauen nimmt er bis heute übel, dass sie ihn verlassen haben.

In Johns Erinnerungen an die Kindheit hat sich das langsame Scheitern der elterlichen Ehe eingebrannt. Auch der jugendliche Sohn hat mit dem rechthaberischen Vater zu kämpfen. Aber der John der Gegenwart hängt an seinem alten Vater, er hat seine Zuneigung erfahren und versucht nun, sich nicht provozieren zu lassen. Doch Willis hat es offenbar darauf abgesehen, wieder einmal den Menschen, der zu ihm hält, zu vergraulen.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Mit diesem berührenden Drama einer Vater-Sohn-Beziehung gibt der Schauspieler Viggo Mortensen sein Regiedebüt. Mortensen, der auch das Drehbuch verfasst hat, erzählt darin keine autobiografische Geschichte, wenngleich er einige Erfahrungen mit dem von ihm gespielten Charakter John teilt. Auch Mortensens Eltern trennten sich in seiner Kindheit, außerdem wurden mehrere seiner Angehörigen im Alter dement. Diesem persönlichen Hintergrund mag es zu verdanken sein, dass die Beziehung zwischen John und seinem dementen Vater Willis auffallend einfühlsam und vielschichtig ausgelotet wird.

Als alter Mann ist Willis oft schier unerträglich. Mit einem Realismus, der auf psychologische Erklärungen verzichtet, lässt der Film den Alten drauflospoltern. "Schwuchtel" und "Nutte" sind Beschimpfungen, ohne die er nicht auskommt. Lance Henriksen spielt den Alten mit einer verbissenen Wut, hinter der sich erst allmählich die Verletzlichkeit erahnen lässt, die mit schlecht verheilten Wunden und der Verwirrtheit zu tun hat. Was in Willis vorgeht, machen erst die Rückblenden deutlicher, die seinen spontan aufblitzenden Erinnerungen folgen. Wie sie sich in Willis‘ Bewusstsein vermischen und mit der Ebene der Gegenwart verknäulen, lässt das Drama der Demenz für Außenstehende auf beeindruckende Weise erlebbar werden.

Oft wird von einer Rückblende aber auch auf Johns Gesicht geschnitten, was beweist, dass viele Erinnerungen ihm gehören. Die bedächtigen, zärtlich tastenden Ausflüge in die Vergangenheit entwickeln sich zum eigentlichen emotionalen Familiendrama. Sie fördern ans Licht, weshalb John - von Viggo Mortensen mit herzerwärmender Geduld und Toleranz ausgestattet – den Vater oft besser begreift als dieser sich selbst.

Der Isländer Sverrir Gudnason spielt den jungen Willis sehr eindrucksvoll als durchaus liebevollen Ehemann und Vater, der aber keine Kompromisse schließen kann. Ständig führt er einen Machtkampf gegen seine Nächsten, gerinnt zur sturköpfigen Karikatur eines Mannes, der nur sein eigenes Gesetz akzeptiert.

Anders als John scheitert seine Schwester Sarah rasch an der Aggressivität des Alten, der verbiestert die Werte einer anderen Generation vertritt. Aber Mortensen versteht nicht nur die Probleme der Angehörigen mit Willis, sondern auch dessen Bedürfnis, wohlwollender Bevormundung Grenzen zu setzen.

Fazit: Mit diesem Drama über die schwierige Beziehung eines Mannes zu seinem an Demenz erkrankten Vater gelingt dem Schauspieler Viggo Mortensen ein aufsehenerregendes Regiedebüt. Im geschickten Wechsel zwischen Gegenwart und Erinnerungen gräbt sich die Handlung in die Tiefen einer bewegenden Familiengeschichte. Dabei lotet sie tastend aus, was die beiden Männer verbindet, obwohl der verbitterte, konservative Alte am liberalen, schwulen Sohn kaum ein gutes Haar lässt. Der Film beeindruckt mit der einfühlsamen Einsicht in einen sich verwirrenden Geist, mit intelligenter Dramaturgie und guten Schauspielerleistungen.




FBW-BewertungJurybegründung anzeigen

FBW: besonders wertvollViggo Mortensen erzählt in seinem Regiedebüt eine intime Familiengeschichte, in deren Rahmen er existentielle Themen wie Elternschaft, Demenz, selbstzerstörerische Aggression, Erinnerung, psychischen Missbrauch, Vergebung und Tod thematisiert. Er [...mehr]

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Land: Kanada, Großbritannien
Jahr: 2020
Genre: Drama
Länge: 112 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 12.08.2021
Regie: Viggo Mortensen
Darsteller: Viggo Mortensen als John Peterson, Lance Henriksen als Willis, Sverrir Gudnason
Verleih: Prokino

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