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Es ist nur eine Phase, Hase
Es ist nur eine Phase, Hase
© Majestic Filmverleih GmbH

Kritik: Es ist nur eine Phase, Hase (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Regisseur Florian Gallenberger ("Colonia Dignidad") begleitet in "Es ist nur eine Phase, Hase" ein Ehepaar durch die Untiefen und das emotionale Chaos der Midlife-Crisis. Der 49-Jährige ist bereits Oscar-Preisträger: Vor 20 Jahren gewann er mit dem Abschlussfilm seines Studiums, Quiero ser, einen Goldjungen in der Kategorie Kurzfilm. Deutschlandweit bekannt wurde er 2009 mit dem Drama "John Rabe".

"Es ist nur eine Phase, Hase" stellt die typischen Fragen eines Films über das Älter werden: Soll es das schon gewesen sein? Was kommt noch? Gebe ich meine Ehe für eine flüchtige Affäre auf? Darauf suchen auch Paul und Emilia Antworten, die Christoph Maria Herbst und Christiane Paul mit großer Spielfreude verkörpern. Der Unterschied zu vielen, inhaltlich sowie thematisch ähnlich gelagerten Filmen ist, dass Gallenberger hinsichtlich des humoristischen Tonfalls ziemlich derb und grobschlächtig zu Werke geht.

Wer ein Faible für schrägen, brachialen Witz hat, kommt aber definitiv auf seine Kosten. Und gerade Herbst kann sich in vielen irrwitzigen Szenen ordentlich austoben. Darunter eine kuriose Drogenrausch-Sequenz, nachdem Paul die Freude an Joints (wieder)entdeckt hat. Oder wenn er beim Liebesakt mit seiner viel jüngeren Gespielin im viel zu engen PKW ordentlich Körpereinsatz beweisen muss. Hin und wieder schlägt Gallenberger jedoch über die Stränge und seine Komödie verkommt zu einer infantilen, geschmacklosen (Stichwort: Kugelpendel) Teenie-Klamotte.

Doch auch ruhigere und sentimentale Töne stimmt "Es ist nur eine Phase, Hase" an. Etwa wenn Paul und Emilia um die richtigen Worte ringen, als sie ihren Kindern die bevorstehende Trennung erklären wollen. Oder der Moment des Abschiednehmens, kurz bevor Paul aus der gemeinsamen Wohnung auszieht. Diese Szenen sind stimmig, authentisch gespielt und geprägt von einer gekonnten Mischung aus Nachdenklichkeit und Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Wenn bloß die emotionalisierende, rührselige Hintergrundmusik nicht wäre, die stellenweise viel zu aufdringlich eingesetzt wird.

Kitschig und larmoyant geht es übrigens auch im Finale zu. Dafür überzeugen die vielen Gastauftritte bekannter TV-Gesichter, Show-Größen und SchauspielerInnen (Cordula Stratmann, HP Baxxter u.a.). Auch sie sind meist in bizarre, ulkige Szenen eingebettet.

Fazit: Die überzeugend gespielte Midlife-Crisis-Komödie sorgt mit ihrer hohen Gag-Dichte und den vielen bizarren Gastauftritten für Kurzweil und gute Unterhaltung. Bisweilen übertreibt der Film es jedoch mit seinem infantilen, makabren Humor.




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