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The Nest - Alles zu haben ist nie genug
The Nest - Alles zu haben ist nie genug
© Ascot Elite Filmverleih GmbH

Kritik: The Nest - Alles zu haben ist nie genug (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In diesem zweiten Kinofilm des Regisseurs Sean Durkin ("Martha Marcy May Marlene") dient der Unternehmer Rory als Paradebeispiel kapitalistischer Gier. Er verkörpert die in den 1980er Jahren um sich greifende Mentalität ungebremsten Profitstrebens, die über Börsenkreise hinaus die Gesellschaft erfasst. Das Drama, das manchmal wie ein Psychothriller anmutet, blickt vor allem auf Rorys Ehe und sein Familienleben, während er selbst Schritt für Schritt den Beweis des Sprichworts "Hochmut kommt vor dem Fall" antritt.

Der in Kanada geborene Regisseur wuchs selbst in den 1980ern und 1990ern in den USA und Großbritannien auf. Er erlebte die Atmosphäre in beiden Ländern als sehr unterschiedlich. Im Landadel-Schloss, dessen Dielenboden aus dem 18. Jahrhundert stammt, befällt die Amerikanerin Allison und ihren Sohn Ben Gothic-Grusel. Unerklärliches wie eine geöffnete Tür lädt sich in diesem einsamen Gemäuer schnell mit Bedeutung auf. Die Musik von Richard Reed Parry kann von jazziger Leichtigkeit eindrucksvoll zu dissonanter Unheilverkündung wechseln.

In London nimmt die Kamera einmal den Epochenwandel architektonisch ins Visier. Sie gleitet von einem altehrwürdigen Säulengebäude zu den modernen Bürotürmen, die hinter ihm in den Himmel ragen. Rory will Arthur und den anderen Engländern ein wenig amerikanische Aufstiegsmentalität beibringen – der Film spielt im Jahr vor dem Börsencrash in New York und dem Erscheinen von Oliver Stones "Wall Street". Für Arthur, den alten Boss, den Rory wie eine Schachfigur in seinem Planspiel bewegen will, ist Geld aber nicht alles. Jude Law spielt Rory als zugeknöpften Manipulator, der auf Empfängen herrlich mit seinem Reichtum und seiner Weltläufigkeit prahlt, aber in Jähzorn verfällt, wenn sich ihm jemand widersetzt.

Die lebendigste Figur aber ist Allison. Aus einer scheinbar auf Augenhöhe geführten Beziehung erwacht sie in einer Realität, in der ein größenwahnsinniger Gatte am Steuer sitzt. Sie macht in dieser Lage eine beeindruckende Entwicklung durch. Auch hier, wie schon in "Martha Marcy May Marlene", reden die Charaktere nicht wirklich miteinander. Vieles bleibt merkwürdig angedeutet, zum Beispiel eine schwierige Kindheit Rorys. Die psychologische Dichte und atmosphärische Wucht, die Durkins erster Spielfilm besaß, wird hier nicht erreicht. Dennoch ist dieses insgesamt eher geradlinig gestrickte Drama unterhaltsam.

Fazit: In diesem Psychodrama des Regisseurs Sean Durkin spielt Jude Law einen raffgierigen Geschäftemacher, der seiner amerikanischen Familie einen Umzug nach England verordnet. In seinem Größenwahn hat er ein altes Landschlösschen für sie angemietet, das viel zu groß, zu einsam und bald auch zu teuer ist. Carrie Coon überzeugt als Ehefrau, die fassungslos in den Abgrund sieht, auf den ihr hochstapelnder Gatte mit der Familie zusteuert. Das im Jahr 1986 angesiedelte, unterhaltsame Lehrstück über blindes kapitalistisches Gewinnstreben überzeugt auch mit seiner düsteren, zuweilen unheimlichen Atmosphäre.




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