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Du hast das Leben vor dir
Du hast das Leben vor dir
© Netflix

Kritik: Du hast das Leben vor dir (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Du hast das Leben vor dir" beruht auf dem 1975 erschienenen, gleichnamigen Roman des französischen Schriftstellers und Diplomaten Romain Gary. Die Hauptrolle spielt die große alte Dame des italienischen Kinos, Sophia Loren, die zuletzt 2009 in einer Kinoproduktion zu sehen war ("Nine"). Ihr Sohn Eduardo Ponti führte Regie bei "Du hast das Leben vor dir". Für den 48-jährigen ist es der bislang vierte Spielfilm als Regisseur.

"Du hast das Leben noch vor dir" erzählt in anmutigen Bildern die sich an einem malerischen Ort abspielende Geschichte zweiter Außenseiter. Es sind zwei sich unverstanden fühlende, einsame Seelen, die von Schauspiellegende Sophia Loren und der Entdeckung Ibrahima Gueye verkörpert werden. Loren gefällt als innerlich gebrochene, pragmatische Frau mit großem Herz und auch Gueye überzeugt mit einer beachtenswert abgeklärten Leistung, mit der er ein außergewöhnliches Gespür für Timing und Stimmung beweist.

Leider haben die Beiden keine Chance gegen das überraschungsarme, generische Drehbuch. Denn die Story an sich, die "Du hast das Leben vor dir" erzählt, verläuft nach altbekannten Prinzipien und bewährten (man könnte auch formulieren: abgenutzten) Erzählmustern. Von anfänglichen Vorurteilen und dem kritischen Beäugen ("Der Junge bleibt zwei Monate und keinen Tag länger") bis hin zur allmählichen Annäherung und der schlussendlichen tiefen Freundschaft und Verbundenheit – das Grundprinzip dieser Art von Plot, in dem zwei völlig verschiedene Charaktere langsam zu Freunden werden und zusammenwachsen, verläuft so, wie man es von Beginn an erwartet.

Zudem schneidet Ponti viele seiner Themen und Inhalte nur an, anstatt diesen konsequent nachzuspüren und sie sorgfältiger auszuarbeiten. Darunter die tragische Familiengeschichte Rosas, Momos schwere Kindheit, sein Abdriften in illegale Machenschaften und den Kampf um Anerkennung und Integration. All diese hochinteressanten Ansätze und Aspekte behandelt der Film viel zu vage und stiefmütterlich. Hinzu kommen einige sich seltsam gekünstelt, gestellt anfühlenden Tanz- und Musikszenen, die nicht so recht zur Tonalität und schwermütigen Grundstimmung des Films in seiner Gesamtheit passen wollen.

Fazit: Trotz der kraftvollen Bildsprache und der einnehmenden Darstellerleistungen, enttäuscht "Du hast das Leben vor dir" aufgrund seiner oberflächlichen und gelangweilten thematischen Abhandlungen sowie der spannungsarmen Dramaturgie, die konventionellen Erzählmotiven folgt.




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