oder
Die Rettung der uns bekannten Welt
Die Rettung der uns bekannten Welt
© Warner Bros.

Kritik: Die Rettung der uns bekannten Welt (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Til Schweiger war in den vergangenen Jahren vor allem als Filmemacher äußerst aktiv. Seit 2017 inszenierte er fünf Filme und steuerte eine Episode zu "Berlin, I love you" (2019) bei. "Die Rettung der uns bekannten Welt" ist sein insgesamt 15. Film als Regisseur. Gedreht wurde an 36 Tagen in Nordrhein-Westfalen und in Bayern, darunter am Ammersee.

In "Die Rettung der uns bekannten Welt" vereint Schweiger all jene Elemente und Versatzstücke, die seine vorherigen Werke ausgezeichnet haben. Es gibt den Wohlfühl-Charme der "Kokowääh"-Filme, die Tragikomik aus "Honig im Kopf", den Haudrauf-Humor á la "Klassentreffen 1.0" und sogar rasante Action-Szenen, wie man sie seit "Der Eisbär" wahrscheinlich in keinem Schweiger-(Kino-)Film mehr gesehen hat.

Fans des streitbaren und immer wieder ob seiner seichten Inszenierungsart in der Kritik stehenden Multitalents könnten demnach ihre Freude an "Die Rettung der uns bekannten Welt haben". Es ist am Ende wie so oft "ein typischer Schweiger-Film" geworden, der auf eine familientaugliche, massenkompatible Mischung aus Drama, Heiterkeit, Feelgood-Faktor und Romantik setzt. Positiv sticht in jedem Fall die Chemie zwischen den männlichen und weiblichen Darstellern heraus, sowohl zwischen Emilio Sakraya und Tijan Marei als auch zwischen Schweiger und Bettina Lamprecht als Hardys Arbeitskollegin, die heimlich in den überforderten, alleinerziehenden Vater verliebt ist.

Aber "Die Rettung der uns bekannten Welt" liefert den Schweiger-Kritikern andererseits erneut genug Angriffsfläche, da Schweiger die klassischen Fehler und Schwächen fast aller seiner Filme auch hier wiederholt. Sentimentaler Kitsch und Pathos, der sich u.a. in (peinlichen) Zeitlupen-Sequenzen zeigt. Konstruierte, tragische Zwischenfälle, die die Dramatik verschärfen sollen (ein Hausbrand). Das obligatorische, gemeinsame Kuscheln im Familienbett. Die überzogene, nicht immer realistische Darstellung einer Krankheit, die – wie schon in "Honig im Kopf" – das Grundgerüst einer klebrig-süßen, wenig glaubhaften Story darstellt.

Das ist vielleicht das größte Manko dieser Art von Film: Dass man sich ernsthafter, oberflächlich und klischeehaft präsentierter Krankheiten bedient und diese zum Kern der Handlung macht – ohne die Lebenswirklichkeit von tatsächlich Erkrankten zu berücksichtigen und die Auswirkungen einer solchen Einschränkung auf das soziale Leben realistisch und authentisch zu zeigen.


Fazit: Nach gängigem Schweiger-Muster inszenierter, überkonstruierter und pathetischer Drama-Komödien-Coming-of-Age-Mix, dem bei der Beschreibung und Darstellung der Krankheit Authentizität und Wahrhaftigkeit abgehen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.