oder

Kritik: Minari - Wo wir Wurzeln schlagen (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Mit "Minari" legt der Drehbuchautor und Regisseur Lee Isaac Chung seinen vierten Spielfilm vor – und verarbeitet darin eigene Erfahrungen. Wie der kleine David zog Chung mit seinen aus Korea immigrierten Eltern in den 1980er Jahren in die Ozark Mountains nach Arkansas auf eine Farm. In wunderbar tragikomischen Tönen schildert das Werk, das nach seiner Premiere auf dem Sundance Film Festival 2020 den Grand Jury Prize sowie den Audience Award erhielt und seither mit zahlreichen Auszeichnungen und Nominierungen bedacht wurde, die Konflikte, aber auch die Zärtlichkeit des Familienlebens.

Chung zeigt, wie der junge Vater Jacob den Versprechungen des American Dream folgt und fest daran glaubt, durch Fleiß und harte Arbeit zu Wohlstand zu kommen. Das neue Zuhause, das er seiner Frau und den beiden Kindern präsentiert, hat jedoch allerhand Tücken – und auch seine landwirtschaftlichen Pläne gestalten sich schwieriger als erhofft. "Minari" fängt die Probleme in der Ehe von Jacob und Monica ebenso subtil ein wie die Herausforderungen, denen die ganze Familie in der Umgebung ausgesetzt ist – etwa in der örtlichen Kirchengemeinde. Zugleich finden Chung und dessen Kameramann Lachlan Milne berückende Bilder, um die Schönheit und Faszination der Natur zu demonstrieren, der insbesondere Jacob in seinem Idealismus verfällt ("The best dirt in America!", exklamiert er euphorisch, um den Umzug in die Provinz gegenüber Monica zu rechtfertigen). Steven Yeun ("Burning") und Yeri Han liefern als Paar hervorragende Leistungen.

Das Herzstück des Films ist indes die anfangs komplizierte Beziehung zwischen David und seiner eigentümlichen Großmutter Soonja. Diese entspricht so gar nicht den (westlichen) Vorstellungen einer Großmutter – sie kann weder kochen noch backen und hat einen äußerst speziellen Humor. Sowohl die Rebellion des Jungen gegen Soonjas Schrulligkeit als auch die langsame Annäherung zwischen den beiden ist witzig und warmherzig – nicht zuletzt dank des bemerkenswerten Newcomers Alan Kim und der furchtlosen Schauspiel-Veteranin Yuh-Jung Youn ("Das Hausmädchen").

Fazit: Eine feinfühlig erzählte, brillant beobachtete Familiengeschichte mit liebenswerten Figuren, voller Skurrilität und zudem hinreißend gespielt.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.