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Die Olchis - Willkommen in Schmuddelfing
Die Olchis - Willkommen in Schmuddelfing
© Leonine Distribution

Kritik: Die Olchis - Willkommen in Schmuddelfing (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Olchis aus den überaus erfolgreichen, in 13 Sprachen übersetzten Kinderbüchern von Erhard Dietl, bekommen ihr erstes Kinoabenteuer. Das Drehbuch, das sich ihrer Ansiedlung in Schmuddelfing widmet, schrieben John Chambers und Toby Genkel. Im Mittelpunkt der Animationskomödie, die von Genkel und Jens Møller inszeniert wurde, steht der aufgeweckte Menschenjunge Max, der die kleinen grünen Müllfresser in sein Herz schließt. Das turbulente Geschehen findet auf einer riesigen Müllhalde, wie sie die Olchis so lieben, und in dem schmuckeren Teil des beschaulichen Städtchens mit Marktplatz und Fachwerkhäusern statt. Max hat eine Mutter, die seine Freizeit mit Aktivitäten wie Lernen und Cellospiel vollstopft, um ihn auf das Leben eines Erwachsenen vorzubereiten. Aber er tüftelt heimlich lieber an seinen Erfindungen mit Professor Brausewein.

Eine weitere Kritik an verbreitetem elterlichem Fehlverhalten steckt in dem kleinen Running Gag, in dem eine Mutter im Park nicht vom Handy aufschaut, als die Tochter ihr die Olchis auf dem fliegenden Drachen zeigen will. Dass sich Max so für die Olchis einsetzt, ist ein zeitgemäßes Plädoyer für Diversität und Toleranz. Aber was die kleinen grünen Wesen selbst angeht, steht man als Erwachsener, der mit den Büchern nicht vertraut ist, womöglich etwas auf dem Schlauch. Sind denn ihre geliebten Müllhalden noch zeitgemäß? Kinder dürften sich jedoch eher an ihren grünen Hörnchen und ihren für Menschen völlig unmöglichen Vorlieben ergötzen.

In der temporeichen Handlung passiert sehr viel. Beispielsweise saugt der Destinkomat, den Max und Professor Brausewein gebaut haben, beim Testlauf die Olchi-Oma auf. Sie wird zwar wieder ausgespuckt, doch eine grüne Olchi-Essenz bleibt im Apparat und der Professor sammelt sie in einem Gläschen. Aus diesem nippt später die Mutter von Max und verwandelt sich. Kommt ein Publikum im Kindergartenalter da noch mit? Deutsche Kinderfilme brandmarken gerne Profitdenken und Abzocke, weshalb ein böser Bauunternehmer und der unsinnige Plan eines Wellness-Tempels in Schmuddelfing nicht fehlen dürfen. Vielleicht hätte das Drehbuch lieber das Profil der einzelnen Mitglieder der Olchi-Familie mit mehr lustigen Auftritten schärfen sollen.

Fazit: Das erste Kinoabenteuer der Olchis aus den beliebten Kinderbüchern von Erhard Dietl erzählt die turbulente Geschichte ihrer Ansiedlung auf der Müllhalde von Schmuddelfing. In dem Menschenjungen Max finden die friedlichen grünen Wesen, die sich von Abfall ernähren, einen leidenschaftlichen Fürsprecher. Aber das Animationsabenteuer, bei dem Toby Genkel und Jens Møller Regie führten, weist den Olchis samt ihrer Müllhalde auch erklärte Gegner zu, welche dafür sorgen, dass die Handlung streckenweise wie ein Krimi anmutet. Das schnelle Tempo und die inhaltliche Fülle erfordern ständige Aufmerksamkeit, während die Olchis verhältnismäßig wenig Raum erhalten, um ihren eigentümlich lustigen Charme zu entfalten.




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