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Kritik: Abseits des Lebens (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die aktuelle Welle an actresses turned directors lässt manchmal die Frage offen, ob es sich hier wirklich um künstlerische Notwendigkeit oder eine kurzlebige Mode handelt, die dem Zeitgeist entspricht. In keinem Fall so ist das im Fall von Robin Wright, der Schauspielerin, die aus "Forrest Gump", "Das Versprechen" oder "House of Cards" und als Ex-Frau von Sean Penn bekannt ist. Sie legt mit ihrem Regie-Debüt "Land", das bei uns aus unerfindlichen Gründen "Abseits des Lebens" heißt, ein sensibles, schön gemachtes Drama vor, das zudem zu den besseren, weil unabhängigen US-Filmen dieses Jahres zählt. In einer Branche, die sich zwischen Blockbusterisierung, Streaming-Kapitalismus und social justice-Kulturrevolution zerreibt, schert sie sich um nichts davon und erzählt die Geschichte einer Frau, die ihr Leben verloren hat, dazu ihre Hoffnung, und deren völlige Abkehr von jeglicher Zivilisation zur Suche nach dem Selbst wird.

"Abseits des Lebens" ist im besten Sinne independent und Autorenfilm, wenngleich Wright ihren Film nicht selbst geschrieben hat. Als Regisseurin und Protagonistin ist sie dennoch omnipräsent und macht ihn so zu ihrem; eine individuelle, originelle künstlerische Vision also, die vielleicht nicht visionär ist, aber zumindest stimmig und natürlich gewachsen wirkt.

Der Originaltitel "Land" verweist zudem auch darauf, dass wir es hier mit einem US-Film zu tun haben, der sich seiner Wurzeln bewusst ist: Ihn "Western" zu nennen wäre übertrieben, nicht nur, weil die Rockys nicht im Westen liegen, aber der Fokus auf die großen, leeren Flächen, die Natur, die Weite der Land-schaft und die Notwendigkeit, als Mensch sich auf die Umgebung einzustellen, mit ihr im Einklang zu leben, ist doch eine recht deutliche Referenz. Edee findet sich erst wieder, als sie allen modernen Dingen entsagt und sich darauf fokussiert, zu essen, zu trinken, zu schlafen - und zu überleben. Um wieder zu leben.

Formal gibt es an dem Werk wenig auszusetzen, sowohl Kamera, also auch Drehbuch und Inszenierung sind solide bis gut. Darstellerisch agieren die beiden einzigen Akteure von Relevanz (Wright, Bichir) auf hohem Niveau. Wright muss man attestieren, dass sie die Doppelbelastung Regie(debüt) und zentrale Hauptfigur bravourös meistert, während Bichir mit seinem zurückgenommenen Spiel die ideale Ergänzung zur Figur der Edee ist und eine ganz eigene Qualität in den Film bringt. Ankreiden kann man schlussendlich nur, dass "Abseits des Lebens" - nach knappen eineinhalb Stunden - etwas dünn wirkt: Während formal fast alles richtig gemacht wurde, ist es die fehlende (emotionale, erzählerische) Substanz, die das Werk auf lange Sicht gesehen wohl eher zu einem Leichtgewicht werden lässt. Das ändert jedoch nichts an dem kurzfristigen und auch kurzweiligen Sehvergnügen.

Fazit: Stimmiges und gekonnt inszeniertes Regiedebüt von US-Schauspielerin Robin Wright, die in ihrem Drama rund um eine vom Leben gezeichnete Frau vieles richtig macht und auch als Hauptdarstellerin überzeugen kann.




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