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Herr Bachmann und seine Klasse
Herr Bachmann und seine Klasse
© Grandfilm

Kritik: Herr Bachmann und seine Klasse (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

In ihrem Dokumentarfilm "Herr Bachmann und seine Klasse" liefert die Regisseurin Maria Speth ("Töchter") eine äußerst beeindruckende Langzeitbeobachtung. In 217 Minuten, von denen keine einzige Minute zu viel ist, zeigt sie den Lehrer Dieter Bachmann, der seine Klasse 6b durch das Schuljahr führt, an dessen Ende die Teilung in drei Schulzweige erfolgt.

Die Georg-Büchner-Gesamtschule, an der Bachmann unterrichtet, befindet sich in Stadtallendorf – einem nordhessischen Ort mit circa 21.000 Einwohner*innen. Rund 70 Prozent davon haben einen sogenannten "Migrationshintergrund" – weshalb man in Bachmanns Klasse nicht nur Deutsch, sondern etwa auch Türkisch, Russisch, Bulgarisch und Italienisch hört. Speth fängt gekonnt ein, wie es dem Lehrer gelingt, die Klasse zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen zu lassen und dabei auch eine sehr persönliche Beziehung zu seinen Schüler*innen aufzubauen. Es geht ihm nicht in erster Linie darum, strikt den Lehrplan einzuhalten, sondern die Kinder durch Geschichten, Musik und andere kreative Arbeit zu motivieren. Wir sind dabei, wenn die jungen Leute sich an Instrumenten ausprobieren, aber auch wenn Konflikte unter den Schüler*innen diskutiert werden. Mit seinen Fragen – etwa wie sie sich ihre Zukunft vorstellen oder wie ihre Einstellung zu bestimmten Themen ist – fordert Bachmann seine Schüler*innen bewusst heraus; stets ist es sein erkennbares Ziel, Vorurteile zu überdenken und Empathie zu fördern.

Auch die Porträts einzelner Schüler*innen, die im Laufe des Films entstehen, sind faszinierend. So wird etwa der 13-jährige Hassan beim Boxtraining in seiner Freizeit begleitet. Durch Gespräche mit den Eltern sowie durch die Anwesenheit der Kamera bei Klassenausflügen lernen wir die Klasse 6b immer besser kennen – weshalb es geradezu schmerzt, diese Gruppe und ihren großartigen Lehrer nach mehr als dreieinhalb Stunden wieder verlassen zu müssen und mit ihnen das Schuljahr zu beenden.

Fazit: Ein rundum gelungener, präzise und klug beobachteter Dokumentarfilm mit tollen Protagonist*innen. Unbedingt sehenswert!




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