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Fantasische Pilze   Die magische Welt zu unseren Füßen
Fantasische Pilze Die magische Welt zu unseren Füßen
© polyband

Kritik: Fantasische Pilze - Die magische Welt zu unseren Füßen (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der amerikanische Dokumentarfilm des Regisseurs Louie Schwartzberg nähert sich der wunderbaren, immer noch ziemlich unerforschten Welt der Pilze aus inhaltlich unterschiedlichen Richtungen. Das Myzel, das den Waldboden durchzieht, die psychedelische Wirkung von Magic Mushrooms, die antibiotische Substanz in Schimmelpilzen, all das findet nicht nur Erwähnung, sondern wird näher vorgestellt und erklärt. Obwohl noch weitere Expert*innen zu Wort kommen, dient der Mykologe Paul Stamets dem Film als zentraler Protagonist. Der über die Grenzen Amerikas hinaus bekannte Pilzforscher und Buchautor erzählt auch aus seinem Leben: Dank der Einnahme von Psilocybin wurde er sein Stottern los, und seine Mutter besiegte mit Hilfe von Schmetterlingstrameten den Krebs.

Man muss solche persönliche Geschichten nicht mögen, um über die Kräfte der Pilze ins Staunen zu geraten. Denn der Dokumentarfilm schildert und bebildert sie ansprechend. Zahlreiche Zeitrafferaufnahmen zeigen Pilze beim Hervorsprießen und Wachsen. In digitalen Animationen ziehen Lichtsignale durch das filigrane Netzwerk des Myzels. Und die psychedelische Wirkung des Psilocybins wird mit animierten Fraktalbildern gezeigt, die dem Blick in ein buntes Kaleidoskop ähneln. Es gibt sogar Animationen mit behaarten Urmenschen. Ein Ausflug in die berauschte Hippieära wird mittels Archivaufnahmen unternommen. Diese Vielfalt hat ihre Reize, wirkt aber auch manchmal unruhig. Außerdem verlieren die Zeitrafferaufnahmen und die Fraktalanimationen beim wiederholtem Einsatz einiges von ihrer Faszination.

Die unruhige Machart ist einerseits der thematischen Bandbreite des Films geschuldet. Andererseits liegt sie aber auch an der anpreisenden Grundhaltung, die den Film etwas aufdringlich durchzieht. Man fühlt sich auf Dauer beinahe schon esoterisch umarmt von all der geäußerten Faszination, besonders natürlich auch beim Thema Psilocybin und Bewusstseinserweiterung. So wird die Vermutung geäußert, Magic Mushrooms könnten zur Entwicklung des menschlichen Gehirns beigetragen haben. Auch sonst scheint die Welt der Pilze Entdeckungen philosophischen Ausmaßes zu verheißen. Viele der hier angeschnittenen Pilzthemen hätten einen eigenen Film vertragen und werden ihn sicherlich auch irgendwann bekommen. Dabei darf es dann ruhig auch etwas naturwissenschaftlicher zugehen.

Fazit: Der Regisseur Louie Schwartzberg führt das Publikum seines Dokumentarfilms thematisch sehr vielseitig in die noch immer voller Rätsel steckende Welt der Pilze ein. Zu den Erklärungen, die der Pilzexperte Paul Stamets und andere Fachleute liefern, bietet der Film beeindruckende Zeitrafferaufnahmen von wachsenden Pilzen, sowie anregende Animationen. Pilze werden als Wesen mit verschiedensten Heilkräften angepriesen und die bewusstseinserweiternde Wirkung von Psilocybin in wissenschaftlichen Studien ebenfalls. Der unruhige Erzählstil trägt dazu bei, dass die Grenze zwischen seriöser Abhandlung und esoterisch anmutendem Wohlfühl-Allerlei mit der Zeit verschwimmt.





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