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Die Verschwundene
Die Verschwundene
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Kritik: Die Verschwundene (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Dominik Moll, 1962 als Sohn einer französischen Mutter und eines deutschen Vaters im baden-württembergischen Bühl geboren und im nahe gelegenen Baden Baden aufgewachsen, betrachtet sich selbst als französischen Filmemacher. Denn Moll hat all seine Filme auf Französisch beziehungsweise innerhalb des französischen Filmsystems realisiert. Durch seinen jüngsten weht ein Hauch von amerikanischem Film noir. Und trotzdem ist das Ergebnis durch und durch französisch.

Moll, hierzulande wohl am bekanntesten für seinen surrealen Thriller "Lemming" (2005) und die Verfilmung des Schauerromans "Der Mönch" (2011), hat diesmal einen Kriminalroman adaptiert. Schon Colin Niels Vorlage "Nur die Tiere" (2017) ist komplex gestaltet. Die Kapitel nehmen unterschiedliche Perspektiven ein, je nachdem, welche Figur gerade erzählt. Gemeinsam mit seinem Co-Autor Gilles Marchand hat Moll diese Struktur in eine nonlineare, klug miteinander verflochtene Handlung überführt. Das ist brillant erzählt. Alles hängt mit allem zusammen, was sich erst ganz allmählich offenbart. Im Gegensatz zu vielen vergleichbaren Filmen ergibt am Ende aber nicht nur alles einen Sinn, es überzeugt auch durchweg.

Zum Gelingen dieses verschachtelten Thrillers tragen alle Gewerke bei. Schon die atemberaubend fotografierte Unwirtlichkeit der Landschaft, die die Figuren wie Gefangene erscheinen lässt, spielt eine wichtige Rolle. Und dass ein Teil der Handlung in Abidjan in der Elfenbeinküste spielt, verleiht dem sich abzeichnenden Drama eine internationale Dimension. In einer globalisierten Welt machen Liebe und Betrug nicht vor Landesgrenzen Halt. Dass dies überhaupt möglich ist, hängt mit Frankreichs kolonialem Erbe zusammen.

Souverän erzählt, fotografiert, montiert und inszeniert, ist das Ensemble der letzte entscheidende Baustein. Zwar hat Moll Schauspieler gecastet, die hierzulande weniger bekannt sind, die jedoch perfekt zu ihren Rollen passen. Laure Calamy ("Mein Liebhaber, der Esel und ich"), Valeria Bruni Tedeschi ("Die Überglücklichen"), Denis Ménochet ("Inglourious Basterds", "Nach dem Urteil"), Damien Bonnard ("Die Wütenden") sowie die Newcomer Nadia Tereszkiewicz und Guy Roger 'Bibisse' N'Drin ergänzen sich ausgezeichnet in einem Thriller über enttäuschte Liebe, der voller Überraschungen steckt.

Fazit: Dominik Moll ("Lemming", "Der Mönch") hat Colin Niels Roman "Nur die Tiere" adaptiert. Herausgekommen ist ein verschachteltes Thrillerdrama über enttäuschte Liebe. Dieser souverän erzählte, fotografierte und inszenierte Film steckt voller Überraschungen und wartet mit einem Ensemble auf, das sich im Zusammenspiel ausgezeichnet ergänzt.




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