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Große Freiheit (2021)

Great Freedom

Drama über einen Mann, der in Deutschland wegen seiner Homosexualität bis Ende der 1960er Jahre immer wieder im Gefängnis landet.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Hans Hoffmann (Franz Rogowski) kommt 1945 aus dem Konzentrationslager direkt ins Gefängnis, um seine Reststrafe abzusitzen. Der Paragraph 175, der Homosexualität unter Strafe stellt, bleibt nämlich auch in der Bundesrepublik bestehen. Hans kommt zu Viktor (Georg Friedrich) in die Zelle, einem zu lebenslänglicher Haft verurteilten Mörder, der Schwule hasst. Aber als er sieht, dass Hans eine KZ-Nummer am Arm eintätowiert hat, bietet er ihm an, sie mit einer neuen Tätowierung zu übermalen.

Der stille Hans kommt bald frei, aber 1957 begegnet er Viktor wieder im Knast. Auch Hans’ große Liebe Oskar (Thomas Prenn) ist wegen des Verhältnisses, das dem Auge des Gesetzes nicht verborgen blieb, eingesperrt. Hans versucht unermüdlich, dem jungen, sensiblen Oskar zu helfen, damit er hinter Gittern nicht die Hoffnung verliert. Aber es kommt der Tag, an dem Viktor dem stets so unerschütterlich wirkenden Hans, den er mit gemischten Gefühlen beobachtet, seelisch beistehen muss. 1968 ist Hans erneut zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und begegnet Viktor wieder. Der drogenabhängige Mann benötigt nun selbst Hilfe, wie Hans erkennt. Die beiden Leidensgenossen kommen sich näher. Dann, im Jahr 1969, ist Homosexualität unter Erwachsenen nicht mehr strafbar. Hans kommt frei und muss sich von Viktor verabschieden.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der österreichische Regisseur Sebastian Meise ("Stillleben") erinnert mit seinem bewegenden Drama, für das er mit Thomas Reider das Drehbuch schrieb, an die unrühmliche Geschichte des Paragraphen 175 in Deutschland. Dieses Gesetz erklärte bis 1969 Homosexualität unter Männern für strafbar und wurde erst 1994 komplett abgeschafft. Weil er Männer liebt, ist Hans Hoffmann in Nazi-Deutschland im Konzentrationslager gewesen. Doch auch die junge Bundesrepublik verfolgt ihn weiter und seine Zeiten in Freiheit sind wiederholt von Haftstrafen unterbrochen. Über die Jahre hinweg entwickelt sich zwischen dem unerschrockenen Mann, der sich seine Neigung nicht verbieten lässt, und einem zu lebenslanger Haft verurteilten Mörder eine zögerliche Freundschaft.

Hans hat beim Hofgang jemandem geholfen, der von Mithäftlingen attackiert wurde? Dann muss er eben wieder in die dunkle Isolationszelle. Die Bestrafungsmethoden sind schockierend und unbarmherzig, und der so ruhige Hans bekommt manchmal Panik, wegen der Dunkelheit. Zum Trost wirft ihm der heterosexuelle Viktor manchmal Streichhölzer oder auch Zigaretten in die Isolationszelle. Wie die beiden ungleichen Männer über die Jahre eine Schicksalsgemeinschaft bilden, erinnert entfernt an den Gefängnisklassiker "Papillon" mit Dustin Hoffman und Steve McQueen. Auch Hans und Viktor sind Rebellen im Geiste, obwohl sie nicht den großen Ausbruch vorbereiten, sondern nur versuchen, sich Klarheit über ihre spärlichen Spielräume in der Welt zu verschaffen.

Das Drama hat seine eindringlichsten Momente, wenn sich Hans und Viktor mit wenigen oder gar keinen Worten aufeinander einlassen. Georg Friedrich spielt den mit österreichischen Dialekt sprechenden Viktor sehr beeindruckend als einfachen, ungebildeten Mann, dem es dank Hans allmählich gelingt, vieles in neuem Licht zu sehen. Franz Rogowski wirkt als Hans so authentisch, als wäre ihm die Rolle auf den Leib geschrieben. Diese wortkarge Ausdruckskraft, der entschlossene, dann wieder verträumte Blick, die stoische Geduld, mit der Hans die Gefängnisstrafe als Schicksal erträgt und innerlich abwehrt, sind großartig und voller Würde. Ab und zu erklingen ein paar melodiöse Trompetenklänge, wie um daran zu erinnern, dass hinter Gittern Menschen wohnen, die sich nach Liebe sehnen, von etwas träumen. Dieser Film ist in seiner ganzen Inszenierung, aber vor allem auch wegen der beiden Hauptdarsteller ein unvergessliches Erlebnis.

Fazit: In dem bewegenden Drama von Regisseur Sebastian Meise läuft Franz Rogowski in der Rolle eines Homosexuellen, der von den Nazis ins KZ gebracht und in der Bundesrepublik über Jahrzehnte immer wieder ins Gefängnis geworfen wurde, zur Höchstform auf. Georg Friedrich spielt ebenfalls hervorragend einen langjährigen Mithäftling. Wie die beiden Charaktere wortkarg und zögerlich eine Schicksalsgemeinschaft bilden, aus der tiefere Gefühle erwachsen, beschert dem sorgsam und stilvoll inszenierten Film unvergessliche Momente.




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Land: Österreich
Jahr: 2021
Genre: Drama
Länge: 117 Minuten
FSK: 16
Kinostart: 18.11.2021
Regie: Sebastian Meise
Darsteller: Franz Rogowski als Hans, Georg Friedrich als Viktor, Anton von Lucke als Leo
Verleih: Piffl Medien

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