oder
Benedetta -
Benedetta -
© Central Film © Capelight Pictures © Koch Media

Benedetta (2021)

Drama von Paul Verhoeven, basierend auf der Lebensgeschichte einer lesbischen Nonne im 17. Jahrhundert...Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 4 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Im 17. Jahrhundert wird ein Mädchen von seinen wohlhabenden Eltern zu den Theatinerinnen in Pescia gebracht. Im Kloster, das von der Äbtissin Felicita (Charlotte Rampling) geleitet wird, behauptet schon das Kind manchmal, mit Jesus und Maria in Kontakt zu stehen. 18 Jahre später, als Benedetta (Virginie Efira) bereits Nonne ist, sucht die junge Bartolomea (Daphnè Patakia) im Kloster Zuflucht vor ihrem Vater, der sie schlägt und missbraucht. Die ungebildete Novizin nähert sich Benedetta verführerisch und stürzt die Nonne, die sich bis in ihre Träume als Braut Christi begreift, in heftige Konflikte. Denn sie begehrt Bartolomea ebenfalls.

Benedetta bekommt an Händen und Füßen stark blutende Wundmale, wie Jesus am Kreuz. Die Äbtissin glaubt nicht an ein Wunder, denn diese würden nicht im Bett geschehen, wie in diesem Fall. Auch fehlten die von der Dornenkrone verursachten Wundmale. Darauf hat Benedetta plötzlich auch Verletzungen auf der Stirn. Die Kirchenvertreter erkennen das Wunder an und bestimmen Benedetta zur neuen Äbtissin des Klosters. Sie zieht mit Bartolomea in das größte Zimmer im Haus und kann dort scheinbar ungestört mit ihr intim werden. Doch Felicitas Tochter Christina (Louise Chevillotte) und danach auch Felicita bezichtigen Benedetta, eine Scharlatanin und Verbrecherin zu sein.

Bildergalerie zum Film

Benedetta -Benedetta - Im Licht einer bösen Vorahnung:...chen.Benedetta - Die Braut Jesu: Für die Bewohner des...icht.Benedetta - Von Gottes Sohn mit Stigmata gezeichnet:...rvor.Benedetta - Das Gesicht verlorener Unschuld: Mit...teln.Benedetta - Verbotene Nähe: Das Liebesspiel zwischen...h zu.


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der Regisseur Paul Verhoeven ("Basic Instinct", "Elle") erzählt gerne Geschichten über undurchsichtige Frauen, die ihre Sexualität als mächtiges Schwert der Rache oder Selbstbefreiung nutzen. Nun hat er sich der Geschichte der lesbischen Nonne Benedetta Carlini angenommen, die 1661 in der Toskana starb. Sein Spielfilm basiert auf dem 1986 erschienenen Buch von Judith C. Brown, die diese außergewöhnliche Biografie in alten Aufzeichnungen in einem Florenzer Archiv entdeckt hatte. Mit einigen fiktionalen Änderungen ist daraus ein Kinodrama geworden, das auf provokante Weise zusammenführt, was bis heute nicht zusammengehören darf: ein klösterliches Dasein als Braut Christi und als Frau, die ihre sexuellen Bedürfnisse mit einer anderen Person, noch dazu einer Frau, auslebt.

Verhoeven bemüht sich nicht darum, Benedetta auf feministische Weise zu verstehen, sondern konzentriert sich darauf, dass sie auf so unerhörte Weise gegen die Regeln verstieß. Wie Hildegard von Bingen und andere Ordensfrauen des Mittelalters und der Neuzeit, die nur als Mystikerinnen eigene Lehren verbreiten konnten, mehrt auch Benedetta ihren Einfluss, indem sie behauptet, in Visionen Jesus zu begegnen. Aber Benedetta ist weder eine Gelehrte, noch scheint sie eine Heilige zu sein. Die Wunden, die sie sich vermutlich selbst zufügt, die Eingebungen, die männliche Stimme, mit der sie manchmal wie in Trance spricht, sind Ausdruck ihrer Egozentrik. Virginie Efira verleiht dieser Frau ein Selbstbewusstsein und eine Sinnlichkeit, die natürlich und über jede Kritik erhaben wirken. Wie Benedetta ihre persönlichen Ziele verfolgt, lässt sie aber manchmal auch als rücksichtslos und wenig sympathisch erscheinen.

Charlotte Rampling ist sehr glaubhaft in der Rolle der entthronten Äbtissin, die stets an Benedettas besonderem Draht zum Himmel zweifelt. Hat ihr am Ende nur selbst der echte Glaube gefehlt? Der Film lässt vieles offen, so auch die Frage, was Benedetta im Grunde vorzuwerfen war, außer dem Sex samt zweckentfremdeter Marienstatuette. Der karge Alltag im Kloster, das Wüten der Pest, die Methoden der Inquisition werden gezeigt und verankern das Geschehen in der Epoche. Nur Benedetta bleibt ein Stück weit unverständlich, als versage ihr der Film eine erlösende Geste der Einfühlung.

Fazit: Unter der Regie von Paul Verhoeven entfaltet das auf dem Leben einer lesbischen Nonne aus dem 17. Jahrhundert basierende Drama eine schillernde, provozierende Kraft. Virginie Efira spielt die Ordensschwester Benedetta Carlini, die göttliche Eingebungen und auch das Wunder blutender Wundmale der Kreuzigung Christi empfängt, als selbstbewusste Frau, die sich heimlich eine sexuelle Beziehung gestattet. Charlotte Rampling beeindruckt als Benedettas Widersacherin, die an ihrem Draht zum Himmel zweifelt. Inwieweit Benedetta als eine Scharlatanin oder eher als eine gläubige Frau mit fortschrittlicher Einstellung zur Sexualität zu betrachten ist, überlässt Verhoeven mit aufregender Doppeldeutigkeit dem Publikum.




TrailerAlle anzeigen

Zum Video: Benedetta

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Frankreich
Jahr: 2021
Genre: Drama, Biopic
Länge: 131 Minuten
FSK: 16
Kinostart: 02.12.2021
Regie: Paul Verhoeven
Darsteller: Virginie Efira als Benedetta, Charlotte Rampling als Schwester Felicita, Abtissin, Daphne Patakia als Bartolomea
Verleih: Central Film, Capelight Pictures, Koch Media

Verknüpfungen zum FilmAlle anzeigen

House of Gucci
News
Deutsche Filmstarts: Lady Gaga heiratet ins "House of Gucci" ein
Paul Verhoeven wieder skandalös mit "Benedetta"




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.