oder

Das Ereignis (2021)

L'événement

Verfilmung des gleichnamigen Romans von Annie Ernaux über eine Studentin im Frankreich des Jahres 1963, die ihre ungewollte Schwangerschaft abbrechen will.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Frankreich im Jahr 1963: Die Literaturstudentin Anne (Anamaria Vartolomei) ist ungewollt schwanger geworden. Der Arzt, den sie um eine Abtreibung bittet, lehnt ab, weil er nicht ins Gefängnis kommen will. Schwangerschaftsabbrüche gelten als Straftaten und selbst ihre engsten Vertrauten reagieren abweisend, als sich Anne hilfesuchend an sie wendet. Sie braucht einen Tipp, einen Kontakt zu einer Person, zu der andere Frauen in ihrer Lage gehen.

Die Wochen verstreichen und Anne erlebt, wie sehr sie mit ihrem Problem in die Isolation gerät. Mit Maxime (Julien Frison), von dem sie schwanger ist, verbindet sie kaum etwas und er möchte am liebsten aus der Sache herausgehalten werden. Ihrer Mutter Gabrielle (Sandrine Bonnaire) vertraut sich Anne gar nicht erst an. Das Studium, in dem sie so gut ist und das sie unbedingt abschließen will, ist das Tor zum sozialen Aufstieg Annes, denn ihre Eltern betreiben eine Gaststätte in der Provinz. Die Schwangerschaft droht ihr alle Pläne zunichte zu machen. Sie versucht, mit einer Stricknadel selbst abzutreiben, doch das misslingt. Nach langem Zögern vermittelt ihr der Student Jean (Kacey Mottet-Klein) den Kontakt zu einer Freundin, die eine Privatadresse kennt...

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Was Anne in diesem Drama erlebt, ist ihrem Alter Ego, der französischen Schriftstellerin Annie Ernaux, auch passiert. Ernaux erzählt in ihrem gleichnamigen autobiografischen Roman von 2000 über ihren Schwangerschaftsabbruch in den 1960er Jahren, für den ihr Gefängnisstrafe drohte. Erst 1975 änderte Frankreich das Gesetz und führte eine Fristenlösung ein. Mit der Krise, in die Anne während 12 Schwangerschaftswochen rutscht, muss sie überwiegend allein fertig werden. Für viele, die sie um Hilfe ersucht, ist ihr Ziel eine Nummer zu groß, von der Freundin bis zum Arzt haben die Eingeweihten Angst vor Konsequenzen. Der Regisseurin Audrey Diwan ist ein ergreifender Film gelungen, der rau und realitätsnah wirkt und sehr genau in der Miene der schweigsamen Anne lesen kann.

Anne wird von der Schauspielerin Anamaria Vartolomei als spannender Charakter dargestellt. Sie verschmäht sexuelle Abenteuer nicht, im Gegensatz zu anderen Studentinnen in ihrem Wohnheim, die sich nicht trauen, gegen die repressiven Regeln zu verstoßen, und sie anfeinden. Die Studentin hat eine kühle Art, nur mit Blicken Distanz zu aufdringlichen Mitmenschen herzustellen. Sie ist ein freier Geist, aber auch sehr empfindsam. Ungläubig lernt sie die Unbarmherzigkeit der patriarchalen Gesellschaft kennen, die Frauen in ihrer Lage achselzuckend oder bedauernd stehen lässt. Die Regisseurin überträgt den feministischen Blick Ernauxs treffend auf die Leinwand.

Ähnlich wie Cristian Mungius "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" aus dem Jahr 2007, das im Rumänien der 1980er Jahre während der Ceausescu-Ära spielte, zeichnet auch Diwans Drama eine krude, ungeschönte Atmosphäre aus. Aber anders als bei Mungiu steht Anne keine beste Freundin zur Seite gegen den Rest der Welt. Annes körperliche Torturen legt der Film erbarmungslos offen. Die meisten Szenen gehen unter die Haut, weil sie unverfälscht beobachtet anmuten. Viele Nebenfiguren wirken wie Menschen im richtigen Leben widersprüchlich, schwankend, oft auch in Grenzen hilfsbereit. Auf all ihren Wegen heftet sich die Kamera an Anne, nimmt ihr stummes Weggetreten-Sein im Uni-Hörsaal auf oder spiegelt ihren Drang, zum Befreiungsschlag auszuholen. Als Anne wütend im Meer schwimmt, droht die Kamera im trübe schwappenden Wasser zu versinken. Das Meer, die Wiege des Lebens, wirkt weder anheimelnd noch erhaben.

Fazit: Die Regisseurin Audrey Diwan verfilmt den gleichnamigen, autobiografischen Roman von Annie Ernaux über das Drama einer illegalen Abtreibung mit fesselnder, nüchterner Kraft. Die im Frankreich des Jahres 1963 angesiedelte Geschichte schildert, wie die junge Filmheldin mit der Absicht, ihre ungewollte Schwangerschaft zu beenden, in die Isolation gerät. Anamaria Vartolomei spielt die Studentin empfindsam, verleiht ihr aber auch eine wachsende Entschlossenheit in ihrem Kampf um ein selbstbestimmtes Leben. Die Kamera folgt ihr hautnah und fängt ihr Erleben mit seismografischem Spürsinn ein.




FBW-BewertungJurybegründung anzeigen

FBW: besonders wertvollObwohl er zu Beginn der 60er Jahre spielt, ist Audrey Diwans DAS EREIGNIS ein absolut gegenwärtiger Film. Das betrifft nicht nur sein Thema, sondern vor allem die Art und Weise, in der die Regisseurin es angeht. Der Film beruht auf einer [...mehr]

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Land: Frankreich
Jahr: 2021
Genre: Drama
Länge: 100 Minuten
Kinostart: 31.03.2022
Regie: Audrey Diwan
Darsteller: Anamaria Vartolomei als Anne, Kacey Mottet Klein, Luàna Bajrami
Verleih: Studiocanal

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