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Belle (2021)

Die Schöne und die Bits: japanischer Anime, der einen Märchenklassiker modernisiert.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.4 / 5

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Die 17-jährige Suzu lebt mit ihrem Vater in einem kleinen Dorf im japanischen Südwesten. Suzus Mutter kam tragisch ums Leben, als Suzus noch ein Kind war. Das kleine Mädchen musste alles mit ansehen. Inzwischen ist sie fast erwachsen, steht kurz vor dem Schulabschluss und sich selbst im Weg. Suzu ist so schüchtern, dass sie nur eine einzige Freundin hat. Als sie sich bei der App "U" anmeldet, ändert das alles.

In der Online-Welt von "U" sind Milliarden Nutzer unterwegs. Hier kann sich Suzu zunächst wunderbar hinter ihrem Avatar, der wunderschönen Belle, verstecken und ihr Talent als Songwriterin und Sängerin ohne Scheu zur Schau stellen. Während Suzu in der Schule weiterhin niemand Beachtung schenkt, schart Belle immer mehr Follower um sich. Ihre in der Online-Welt gegebenen Konzerte ziehen die Massen an. Bis ein mysteriöser Nutzer auftaucht, der scheinbar alle Grenzen und Regeln sprengt: das Biest. Doch wer steckt hinter dessen Avatar?

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse5 / 5

Mamoru Hosoda ist ein meisterhafter Märchenerzähler. Denn nichts anderes sind seine Filme: moderne Märchen. Schon die ersten eigenständigen Werke des 1967 geborenen Japaners durchzogen fantastische Elemente und unerklärliche Ereignisse. Hosoda verschränkt mit Vorliebe zwei eigentlich unvereinbare Welten miteinander. Spätestens mit "Ame & Yuki – Die Wolfskinder" (2012), den er in dem von ihm selbst gegründeten Studio Chizu realisiert hat, hat er dabei eine solche Perfektion erlangt, dass seine Zeichentrickfilme denen des Studio Ghibli (als Referenzpunkt japanischer Animationskunst) in nichts nachstehen.

Für sein neues Wunderwerk hat er sich nun eines Referenzpunkts der (europäischen) Märchentradition angenommen. Hosoda hat das französische Volksmärchen "La Belle et la Bête" (dt.: "Die Schöne und das Biest") ins gegenwärtige Japan versetzt. Das Original hat bereits Filmemacher von Jean Cocteau über Věra Chytilová und Juraj Herz bis jüngst etwa Christophe Gans inspiriert. Am bekanntesten sind freilich der Walt-Disney-Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1991 und dessen Realverfilmung von 2017. Wer mit Disneys traditioneller Musicalvariante nichts anfangen kann, liegt bei Hosoda goldrichtig. Zwar wird auch in seiner Version gesungen, mit dem von Disney gewohnten, familienfreundlichen Liebeskitsch hat das allerdings nichts zu tun.

Hosoda hat die von ihm selbst verfasste Geschichte nicht nur in der Gegenwart angesiedelt, sondern auch von jeglichem Schmalz befreit – und ist damit näher an der harschen Realität des Ursprungsmärchens als an der weichgespülten Disney-Version. Dabei belässt er es aber nicht. Die zeitliche Verschiebung von einer märchenhaft anmutenden Vergangenheit in unsere Gegenwart ist nur der erste Schritt. Der zweite besteht in einer Übertragung. Die Protagonistin Suzu ist nur in der virtuellen Welt eine Schönheit. In der realen Welt ist sie eine unscheinbare Schülerin. Dementsprechend verbirgt sich hinter dem Biest, das die virtuelle Welt in Aufruhr versetzt, auch nicht derjenige, den das Publikum erwartet.

Dass "Belle" an Disneys "Die Schöne und das Biest" erinnert, liegt nicht nur am selben Ausgangsstoff und an den Musiknummern, sondern auch ein wenig an der Optik. Mit Tomm Moore ("Das Geheimnis von Kells", "Die Melodie des Meeres" u. a.) und Jin Kim ("Rapunzel", "Baymax", "Zoomania" u. a.) hat sich Hosoda zwei ebenso erfahrene wie renommierte Animationskünstler aus der westlichen Welt mit in seine Animationsabteilung geholt. Das Ergebnis sieht zwar ein wenig "westlicher" aus als die üblichen Anime, ist aber dennoch durch und durch japanisch.

Unverwechselbar ist zudem Hosodas einfühlsame Erzählweise. Wie kaum ein Zweiter zaubert er die Sorgen und Nöte von Teenagern in besinnlicher und poetischer Weise auf die Leinwand. Wo andere Anime laut sind, ist seiner leise. Auch dieses Mal können die Figuren ihren Problemen nicht durch die Flucht in eine andere Welt entkommen. Doch das in der anderen Welt Erlernte hilft ihnen, die Probleme in ihrer Welt zu meistern. Bei Suzu ist es das online gewonnene Selbstvertrauen, das sie zu einer Heldin wie ihre verstorbene Mutter heranwachsen lässt. Die Erkenntnis ist simpel, Hosodas Umsetzung meisterhaft.

Fazit: Der Meister fantastischer Parallelwelten ist zurück. Diesmal hat sich Mamoru Hosoda ("Der Junge und das Biest", "Mirai – Das Mädchen aus der Zukunft") ein weltbekanntes Märchen vorgenommen. Seine Version von "Die Schöne und das Biest" ist nicht nur einfühlsam erzählt und sieht nicht wunderschön aus, sie besticht vor allem durch eine intelligente Neuinterpretation der Ursprungsgeschichte.




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Land: Japan
Jahr: 2021
Genre: Drama, Abenteuer, Animation, Fantasy
Länge: 124 Minuten
Kinostart: 09.06.2022
Regie: Mamoru Hosoda
Darsteller: Kaho Nakamura als Suzu / Belle (voice), Ryô Narita als Shinobu Hisatake (voice), Shôta Sometani als Shinjiro Chikami (voice)
Verleih: Koch Media

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