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Alles ist gutgegangen (2022)

Tout s'est bien passé

Französisches Drama über einen alten Mann, der nach einem Schlaganfall seine Tochter um assistierte Sterbehilfe bittet.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.8 / 5

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Die Schriftstellerin Emmanuèle Bernheim (Sophie Marceau) und ihre Schwester Pascale (Géraldine Pailhas) werden in Paris ins Krankenhaus gerufen. Ihr Vater André (André Dussollier) hat mit Mitte 80 einen Schlaganfall erlitten. Obwohl sich der wohlhabende ehemalige Industrielle und Kunstsammler ein Stück weit erholt, bleibt er auf Hilfe angewiesen. Zudem kann sich sein Zustand jederzeit weiter verschlechtern. Andrés Frau Claude de Soria (Charlotte Rampling) ist selbst krank und so müssen sich die beiden Töchter um den Vater kümmern, der in ein anderes Krankenhaus verlegt wird. Der alte Mann, den Emmanuèle in der Kindheit nicht gerade als liebevoll erlebte, bittet sie plötzlich darum, ihm zu helfen, seinem Leben ein Ende zu setzen.

Emmanuèle lädt eine Vertreterin (Hanna Schygulla) einer Schweizer Organisation nach Paris zum Gespräch ein. André legt danach bereits ein Datum für seinen Tod fest. Er hat Angst, dass er bald nicht mehr in der Lage sein wird, seinen Willen frei zu äußern und den Becher mit dem Gift selbst zum Mund zu führen, wie es die Bestimmungen erfordern. Emmanuèle und Pascale lassen sich von einem Anwalt beraten, denn Sterbehilfe ist in Frankreich verboten. Sie könnten sich auch schuldig machen, wenn sie ihren Vater in die Schweiz begleiten. Während Emmanuèle mit ihren Gefühlen ringt, wirkt der Vater zielstrebig.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der französische Regisseur François Ozon setzt in manchen seiner Werke auf Romantik, in anderen auf eher nüchtern wirkenden Realismus. Dominierte in "Frantz" und "Sommer 85" das Gefühl, ging es in "Gelobt sei Gott" um den Kampf des Einzelnen gegen die reale Übermacht eines missbräuchlichen Systems. Auch in seiner Verfilmung des gleichnamigen, autobiografischen Romans von Emmanuèle Bernheim bevorzugt Ozon den nüchternen Blick, um die Wucht, die dem hier behandelten Thema Sterbehilfe innewohnt, nicht zu verfälschen.

Der Wunsch des von einem Schlaganfall gezeichneten, 84-jährigen André, aus dem Leben zu scheiden, ist ohne die tatkräftige Unterstützung der Tochter Emmanuèle chancenlos. Während ihr die widerstreitenden Gefühlen für den Vater zu schaffen machen, entscheidet sie sich, ihn nicht im Stich zu lassen. Sophie Marceau spielt Emmanuèle sehr gefasst und beherrscht und gewährt nur kurze Einblicke in ihr inneres Drama. Umso mehr gehört die Aufmerksamkeit dem großartigen Schauspieler André Dussollier. Wie er den egozentrischen, im Umgang mit anderen nicht immer sympathischen Mann darstellt, verleiht dem Film eine emotionale Ebene, die ungeheuer authentisch wirkt. Dussollier kann sich bewundernswert in den Charakter hineinversetzen, der mit seinem schief herabhängenden Mundwinkel zwischen weinerlicher Schwäche und großer Beharrlichkeit schwankt. Manchmal strahlt er sogar ungebrochene Lebensfreude aus. Dann besucht er das Musikkonzert des Enkels oder genießt ein letztes Abendessen im Restaurant in vollen Zügen, aber ohne jegliche Sentimentalität.

Auch einzelne Nebenfiguren sind markant, etwa die von Hanna Schygulla gespielte Sterbehelferin aus der Schweiz, ein merkwürdiger Geliebter (Grégory Gadebois) des homosexuellen André und die von Charlotte Rampling dargestellte Ehefrau. Aber sie bleiben im Hintergrund und auf wenige Konturen reduziert. Die Beziehung Emmanuèles zu ihrer Schwester Pascale wirkt wie auf Sparflamme gehalten, hier scheint Ozon nicht viel eingefallen zu sein. Emmanuèle erkennt, dass dem Vater nichts vorzuwerfen ist, wenn er jetzt nur an sich denkt. Das ist der Liebesbeweis, den sie ihm schenkt. Die Nüchternheit der Inszenierung legt Schicht um Schicht die Schönheit dieser Beziehung frei, die bis zuletzt voller Leben steckt.

Fazit: Ein alter Mann möchte nach einem Schlaganfall Sterbehilfe in der Schweiz in Anspruch nehmen, ist dafür aber auf die Unterstützung seiner Tochter angewiesen. Der französische Regisseur François Ozon setzt in seiner Verfilmung des gleichnamigen autobiografischen Romans von Emmanuèle Bernheim auf nüchterne Realitätsnähe, um den dramatischen Gehalt des Themas herauszuarbeiten. Sophie Marceau spielt die Tochter, die sich vom Vater trotz widerstreitender Gefühle einspannen lässt, beherrscht und zurückgenommen. Umso stärker entfaltet sich die Wirkung des hervorragenden Spiels von André Dussollier, der den alten Mann in seiner Schwäche und Beharrlichkeit auf berührende Weise lebendig werden lässt.




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Land: Frankreich
Jahr: 2022
Genre: Drama
Länge: 113 Minuten
Kinostart: 14.04.2022
Regie: François Ozon
Darsteller: Sophie Marceau als Emmanuèle Bernheim, Andre Dussollier als André Bernheim, Géraldine Pailhas als Pascale Bernheim
Verleih: Wild Bunch

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