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Final Account (2020)

Auf den Spuren der letzten lebenden Generation, die das Nazi-Terrorregime und den Zweiten Weltkrieg erlebt hat.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
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Wie hat die letzte lebende Generation das Leben im Dritten Reich und den Alltag unter der Hakenkreuzfahne erlebt und wie denkt sie heute darüber? Was wusste sie und wie steht sie heute zum Thema "nationale Identität". Einige der entscheidenden Fragen, denen der Regisseur Luke Holland in seiner Doku "Final Account" nachspürt. Über zehn Jahre lang arbeitete Holland mit seinem Filmteam an dem Mammutprojekt, für das insgesamt 250 Interviews geführt wurden – mit "normalen" Bürgern und Zivilisten, Mitläufern, Soldaten aber auch mit früheren SS-Mitgliedern.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Regisseur Luke Holland, der kurz nach Fertigstellung des Films im Alter von 71 Jahren starb, gelingt es, eine Vielzahl unterschiedlichster Zeitzeugen und Beteiligter vor der Kamera zu befragen. Der Rechercheaufwand und der Prozess, alle Interviewten dann auch wirklich vor die Kamera zu bekommen, waren kraftraubend und immens. Allein dafür gebührt Holland Respekt.

Er rückt hier zudem nicht die eigentlichen Haupttäter, also z.B. hohe politische NSDAP-Vertreter, KZ-Aufseher oder Anhänger der Totenkopf-Divisionen, ins Zentrum (die meisten sind ohnehin bereits verstorben). Sondern die Kinder und Jugendlichen der NS-Diktatur. Ein filmisch und dokumentarisch bislang vernachlässigtes Sujet. Menschen also, die zur Zeit der Gewaltherrschaft Hitlers meist im Alter zwischen 10 und Anfang 20 Jahre alt waren.

Holland erweist sich als umsichtiger, aufmerksamer Zuhörer, der nicht davor zurückschreckt, nachzuhaken oder auch mal entschieden nachzufragen, wenn sein Interviewpartner Ausflüchte sucht oder sich in Ungereimtheiten verstrickt. Ein abschließendes Urteil fällt er aber nicht.

Der Zuschauer muss am Ende des mit vielen historischen Archivaufnahmen ausgestatteten Films selber entscheiden, wie die drängenden Fragen nach Schuld, Verantwortung und Mittäterschaft zu beantworten sind. Inhaltlich enttäuschen die meisten der Aussagen und fördern wenig Neues oder Erhellendes zu Tage. "Wir haben doch nichts gewusst" oder "Wir waren Kinder, wir haben das alles nicht verstanden" sind die gängigen, altbekannten Ausreden und Erklärungsversuche, die man auch in "Final Account" zur Genüge vernimmt. Äußerungen, die von fehlendem Schuldbewusstsein, Verdrängung und mangelnder Reflexionsfähigkeit zeugen – auch fast 90 Jahre nach Hitlers Machtergreifung.

Fazit: Aufwendig realisierte, anspruchsvolle Interview-Collage, die thematisch und inhaltlich allerdings zu vage sowie ungenau bleibt und keine neuen Erkenntnisse liefert.




FBW-BewertungJurybegründung anzeigen

FBW: besonders wertvollKaum ein Teil der jüngeren Geschichte scheint dokumentarisch so extensiv aufgearbeitet worden zu sein wie die NS-Diktatur. Filme über die von Nationalsozialisten an Juden verübten Gräueltaten gibt es reichlich und dennoch kann nicht genug über die [...mehr]

Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: USA, Großbritannien
Jahr: 2020
Genre: Dokumentation
Länge: 94 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 28.04.2022
Regie: Luke Holland
Verleih: Universal Pictures International



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