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Das Kombinat (2023)

In diesem Langzeitdokumentarfilm begleitet der Regisseur Moritz Springer zwei Enthusiasten auf ihrem Weg zur größten solidarischen Landwirtschaft Deutschlands.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4.3 / 5

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Das "Kartoffelkombinat", eine von Daniel Überall und Simon Scholl 2012 in München gegründete Genossenschaft, ist heute Deutschlands größte solidarische Landwirtschaft. Ziel des Kombinats ist es nicht, Gewinn zu erwirtschaften oder diesen gar zu maximieren, sondern über die Mitgliedsbeiträge eine ebenso ökologische wie fair bezahlte Landwirtschaft zu betreiben. Überall und Scholl verfolgen damit aber auch noch einen weiteren, größeren Wunsch: einen Ausweg aus dem kapitalistischen Wirtschaftssystem aufzuzeigen.

Der Filmemacher Moritz Springer hat die Genossenschaft und die zwei Männer an deren Spitze über einen Zeitraum von neun Jahren begleitet – und die Entwicklung mit der Kamera festgehalten: Die idealistische, teils blauäugige Aufbruchstimmung weicht ernüchtertem Realismus. Es kommt zu Rückschlägen, Reibungen und Rückzügen.

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"Das Kombinat": Ereignisreiche Kartoffelkrise

In "Das Kombinat" führt der Tonmeister Moritz Springer zum vierten Mal bei einem Dokumentarfilm Regie. Der Langzeitbeobachtung gingen "Journey to Jah" (2013; Co-Regie: Noël Dernesch) über zwei europäische Reggae-Musiker, die auch in Jamaika Erfolge feiern, "Projekt A - Eine Reise zu anarchistischen Projekten in Europa" (2015; Co-Regie: Marcel Seehuber) über "anarchistische[n] Projekte[n] in Europa", wie es bereits der Untertitel verriet, und "Mein Opa, Karin und ich" über Springers eigene Familiengeschichte voraus.

Springers bisherige Regiearbeiten geben eine gewisse Richtung vor: politisch links verortet und persönlich motiviert. Das ist auch in seinem neusten Dokumentarfilm der Fall. Der handelt nicht nur von zwei Idealisten, die davon träumen, unser kapitalistisches Wirtschaftssystem zu überwinden, Springer ist vom Münchner "Kartoffelkombinat", auf das sich der Filmtitel bezieht, auch nachhaltig beeindruckt.

Schöner Scheitern durch Selbstausbeutung

Springer ist ein filmischer Überzeugungstäter, macht daraus aber keinen Hehl. Seine Faszination für dieses Unterfangen, das bereits im eingangs erwähnten "Projekt A" vorgestellt wurde, legt er von vornherein offen. Springers Sympathien für die Genossenschaft und deren Gründer hindern ihn indessen nicht daran, der dokumentarischen Form angemessen nüchtern bis kritisch hinterfragend auf das von ihm Beobachtete zu blicken.

Wiederholt kommentiert Springer seine Langzeitdozu, die narrativ in chronologisch geordnete Kapitel eingeteilt ist, aus dem Off. Er sortiert, ordnet ein und bringt das Kinopublikum so auf den aktuellsten Stand. Und die von Florian Burgmayr komponierte Blasmusik kommentiert manches Geschehen leicht ironisch. Wie so viele idealistischen Projekte steht auch das "Kartoffelkombinat" wiederholt vor dem Scheitern, was nicht nur mit den zwei Männern an dessen Spitzen, denen eine völlig gegensätzliche Ausrichtung vorschwebt, zu tun hat, sondern auch mit den harten, selbstausbeuterischen Arbeitsbedingungen. Eine konfliktgeladene Gemengelage, die Hochspannung verspricht.

Steiniger Weg mit Hoffnungsschimmer am Horizont

"Das Kombinat" ist ein zu gleichen Teilen aufschlussreicher, aufwühlender und aufmunternder Dokumentarfilm. Aufschlussreich für all jene, für die der Begriff der solidarischen Landwirtschaft (kurz: Solawi) bislang ein Fremdwort war. Aufwühlend für alle Anhänger der Solawi angesichts der Blauäugigkeit, mit der sich die im Film begleiteten Idealisten in ihre Sache stürzen. Und aufmunternd, weil der Film allen Schwierigkeiten zum Trotz letzten Endes aufzeigt, dass es andere gangbare Wege in unserem Wirtschaftssystem gibt – so steinig sie auch sein mögen.

Fazit: Liegt in genossenschaftlichen Modellen die Zukunft der Landwirtschaft? Könnte darin sogar die Chance bestehen, das kapitalistische Wirtschaftssystem zu überwinden oder zumindest eine Alternative dazu zu bieten? Die Antworten darauf überlässt Regisseur Moritz Springer seinem Publikum. Seine Doku "Das Kombinat" über eine solidarische Landwirtschaft im Münchner Umland zeigt zumindest auf, wie es gehen könnte (und welche Fehler es dabei zu vermeiden gilt).




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Zum Video: Das Kombinat

Besetzung & Crew von "Das Kombinat"

Land: Deutschland
Jahr: 2023
Genre: Dokumentation
Kinostart: 28.09.2023
Regie: Moritz Springer
Darsteller: Simon Scholl, Benny Schöpf, Daniel Überall
Kamera: Marcel Seehuber, Moritz Springer, Marcus Winterbauer
Verleih: Real Fiction

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