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Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war (2026)
In ihrem neuen Film, einer Mischform aus Dokumentar-, Spiel- und essayistischem Film, nimmt sich die Regisseurin Regina Schilling des kurzen Lebens und bleibenden Werks der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann an.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung:
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Ingeborg Bachmann wird am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren, geht während der Zeit des Nationalsozialismus zur Schule und wächst mit einem Vater auf, der schon früh in die NSDAP eingetreten war. Sie selbst widersetzt sich der Ideologie jedoch, so gut es eben geht. Im Wien der Nachkriegszeit beginnt sie zu schreiben, wird 1952 erstmals zu einer Tagung der Gruppe 47 eingeladen, deren Preis sie ein Jahr später erhält. Im selben Jahr erscheint ihr Gedichtband "Die gestundete Zeit", der sie über Nacht berühmt macht; ein Foto auf dem Cover des Spiegel inklusive.
Derweil ist ihr Privatleben nicht von Erfolg gekrönt: Eine unglückliche Beziehung zu Künstler-Kollegen wie Paul Celan (1920–1970), Hans Werner Henze (1926–2012) und Max Frisch (1911–1991) reiht sich an die andere. Und als Bachmann, inzwischen in Rom wohnhaft, von der Lyrik zur Prosa wechselt, nimmt ihr die deutschsprachige Literaturkritik dieses Wagnis übel. Nach einer Zwischenstation in Berlin, der Rückkehr nach Italien, mehreren Schicksalsschlägen und zahlreichen erhaltenen Preisen stirbt Ingeborg Bachmann am 17. Oktober 1973 in einem römischen Krankenhaus an den Folgen einer von einer Zigarette ausgelösten Brandverletzung. Ihr großangelegtes Romanprojekt "Todesarten" bleibt unvollendet.
Die Regisseurin Regina Schilling zeichnet diese Lebensstationen mithilfe von Archivmaterial und nachgespielten Szenen nach. In die Rolle der Ingeborg Bachmann während ihrer Römer Jahre schlüpft Sandra Hüller.
Bildergalerie zum Film "Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war"
Filmkritik
"Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war": Sprachgewaltig!
Literaturnerds sind mit dem Namen Ingeborg Bachmann vertraut, selbst wenn sie noch nie ein Buch der österreichischen Schriftstellerin in Händen hielten. Vier Jahre nach ihrem Tod wurde beim Literaturwettbewerb in ihrer Geburtsstadt Klagenfurt erstmals der nach ihr benannte Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen, der bis heute zu den bedeutendsten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum zählt. Die im Fernsehen übertragenen Lesungen der um den Preis Konkurrierenden sind legendär. Das war auch Bachmanns kurzes Leben; sie wurde nur 47 Jahre alt. Ein Film über sie war überfällig. Mittlerweile gibt es sogar zwei.
Den Anfang machte die Regisseurin Margarethe von Trotta vor drei Jahren, als ihr Spielfilm "Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste" (2023) in die Kinos kam. Darin schlüpfte Vicky Krieps in die Titelrolle und arbeitete sich als Autorin im Krisenmodus an der toxischen Beziehung zum Kollegen Max Frisch ab, den Ronald Zehrfeld im wahrsten Wortsinn verkörperte. Von Trottas Film zeigte Bachmann als moderne Frau, die ihrer Zeit voraus war, versäumte es jedoch, äußere gesellschaftliche Widerstände in diese nach innen gerichtete Emanzipationsgeschichte mit einzubeziehen, wodurch sie zu glatt, künstlich und letztlich auch schwerfällig geriet. Die Regisseurin Regina Schilling wählt für ihren Film über Ingeborg Bachmann einen gänzlich anderen Weg.
Die Mischung macht's!
Unter Schillings Anleitung schlüpft Sandra Hüller in die Titelrolle – und im Kinosaal sind wir bei einer ersten Anprobe mit im Raum, wenn eine Maskenbildnerin der vor einem Spiegel sitzenden Hauptdarstellerin eine blonde Perücke über den Kopf stülpt. Im Anschluss daran sehen wir Hüller dabei zu, wie sie fasziniert durch die Römer Wohnung schlendert, die als Drehort dient und deren Einrichtung Ingeborg Bachmanns damaliger Bleibe in der Ewigen Stadt nachempfunden ist. Dieser Bruch mit der filmischen Fiktion macht von vornherein klar, dass wir hier keinen reinen Spielfilm vor uns haben. Stattdessen hat sich Schilling für eine Mischform aus Dokumentarfilm und improvisierten Spielszenen entschieden, der auch essayistische und selbstreflexive Züge trägt.
Schilling gelingt dadurch, was von Trottas Film abging: Zum einen arbeitet sie die gesellschaftlich tief verwurzelte Misogynie, die Bachmann trotz aller Auszeichnungen zu Lebzeiten von großen Teilen des männlich geprägten Literaturbetriebs entgegenschlug, unmissverständlich heraus. Zum anderen kommt Bachmanns kraftvolle Lyrik und Prosa nicht zu kurz. Bereits der Filmtitel zeugt davon. Der Zusatz "Jemand, der einmal ich war" stammt aus Bachmanns Roman "Malina" (1971) und bezieht sich auf eine Kindheitserinnerung. Nachdem die kleine Ingeborg auf dem Schulweg von einem älteren Schüler auf einer Brücke geohrfeigt worden war, war sie nie mehr dieselbe. Diese erste bewusste Gewalterfahrung, von der es viele weitere – nicht zuletzt die gegen sich selbst gerichtete Gewalt – in ihrem Leben geben sollte, hat Bachmann verändert. Von ihrer Sprachgewalt zeugt wiederum Schillings Film, dem beiläufig noch etwas anderes gelingt: Wer ihn sieht, bekommt Lust, Ingeborg Bachmanns Werke wieder oder zum ersten Mal überhaupt zur Hand zu nehmen.
Fazit: Regina Schilling ("Titos Brille", "Kulenkampffs Schuhe"), die sich selbst mit einem Augenzwinkern als "Bücherfresserin" bezeichnet, hat einen Dokumentarfilm über eine bedeutende Buchautorin gedreht. Herausgekommen ist eine filmische Mischform, der es gelingt, der Sprachgewalt Ingeborg Bachmanns gerecht zu werden.
Literaturnerds sind mit dem Namen Ingeborg Bachmann vertraut, selbst wenn sie noch nie ein Buch der österreichischen Schriftstellerin in Händen hielten. Vier Jahre nach ihrem Tod wurde beim Literaturwettbewerb in ihrer Geburtsstadt Klagenfurt erstmals der nach ihr benannte Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen, der bis heute zu den bedeutendsten Literaturpreisen im deutschsprachigen Raum zählt. Die im Fernsehen übertragenen Lesungen der um den Preis Konkurrierenden sind legendär. Das war auch Bachmanns kurzes Leben; sie wurde nur 47 Jahre alt. Ein Film über sie war überfällig. Mittlerweile gibt es sogar zwei.
Den Anfang machte die Regisseurin Margarethe von Trotta vor drei Jahren, als ihr Spielfilm "Ingeborg Bachmann – Reise in die Wüste" (2023) in die Kinos kam. Darin schlüpfte Vicky Krieps in die Titelrolle und arbeitete sich als Autorin im Krisenmodus an der toxischen Beziehung zum Kollegen Max Frisch ab, den Ronald Zehrfeld im wahrsten Wortsinn verkörperte. Von Trottas Film zeigte Bachmann als moderne Frau, die ihrer Zeit voraus war, versäumte es jedoch, äußere gesellschaftliche Widerstände in diese nach innen gerichtete Emanzipationsgeschichte mit einzubeziehen, wodurch sie zu glatt, künstlich und letztlich auch schwerfällig geriet. Die Regisseurin Regina Schilling wählt für ihren Film über Ingeborg Bachmann einen gänzlich anderen Weg.
Die Mischung macht's!
Unter Schillings Anleitung schlüpft Sandra Hüller in die Titelrolle – und im Kinosaal sind wir bei einer ersten Anprobe mit im Raum, wenn eine Maskenbildnerin der vor einem Spiegel sitzenden Hauptdarstellerin eine blonde Perücke über den Kopf stülpt. Im Anschluss daran sehen wir Hüller dabei zu, wie sie fasziniert durch die Römer Wohnung schlendert, die als Drehort dient und deren Einrichtung Ingeborg Bachmanns damaliger Bleibe in der Ewigen Stadt nachempfunden ist. Dieser Bruch mit der filmischen Fiktion macht von vornherein klar, dass wir hier keinen reinen Spielfilm vor uns haben. Stattdessen hat sich Schilling für eine Mischform aus Dokumentarfilm und improvisierten Spielszenen entschieden, der auch essayistische und selbstreflexive Züge trägt.
Schilling gelingt dadurch, was von Trottas Film abging: Zum einen arbeitet sie die gesellschaftlich tief verwurzelte Misogynie, die Bachmann trotz aller Auszeichnungen zu Lebzeiten von großen Teilen des männlich geprägten Literaturbetriebs entgegenschlug, unmissverständlich heraus. Zum anderen kommt Bachmanns kraftvolle Lyrik und Prosa nicht zu kurz. Bereits der Filmtitel zeugt davon. Der Zusatz "Jemand, der einmal ich war" stammt aus Bachmanns Roman "Malina" (1971) und bezieht sich auf eine Kindheitserinnerung. Nachdem die kleine Ingeborg auf dem Schulweg von einem älteren Schüler auf einer Brücke geohrfeigt worden war, war sie nie mehr dieselbe. Diese erste bewusste Gewalterfahrung, von der es viele weitere – nicht zuletzt die gegen sich selbst gerichtete Gewalt – in ihrem Leben geben sollte, hat Bachmann verändert. Von ihrer Sprachgewalt zeugt wiederum Schillings Film, dem beiläufig noch etwas anderes gelingt: Wer ihn sieht, bekommt Lust, Ingeborg Bachmanns Werke wieder oder zum ersten Mal überhaupt zur Hand zu nehmen.
Fazit: Regina Schilling ("Titos Brille", "Kulenkampffs Schuhe"), die sich selbst mit einem Augenzwinkern als "Bücherfresserin" bezeichnet, hat einen Dokumentarfilm über eine bedeutende Buchautorin gedreht. Herausgekommen ist eine filmische Mischform, der es gelingt, der Sprachgewalt Ingeborg Bachmanns gerecht zu werden.
Falk Straub
TrailerAlle "Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war"-Trailer anzeigen

Besetzung & Crew von "Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war"
Land: Deutschland, ÖsterreichJahr: 2026
Genre: Dokumentation
Länge: 95 Minuten
Kinostart: 25.06.2026
Regie: Regina Schilling
Darsteller: Sandra Hüller, Ingeborg Bachmann, Max Frisch, Paul Celan, Hans Werner Henze
Verleih: Weltkino Filmverleih







