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Spaziergang nach Syrakus (2026)

Sagenhafte Flucht: Deutsches Drama nach wahren Begebenheiten.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse ??? / 5

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Paul (Charly Hübner) ist ein freiheitsliebender Sturkopf. Bekam er als Kind von seinem Vater Stubenarrest verpasst, sprang er kurzerhand so lange aus dem Fenster, bis der Stubenarrest aufgehoben wurde. Wenn sich Paul also erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, dann zieht er es durch. So auch die Idee, auf den Spuren Johann Gottlieb Seumes (1763–1810) im Jahr 1982 von Rostock nach Sizilien zu reisen. Dumm nur, dass Paul in der DDR lebt und keine Ausreisegenehmigung erhält.

Weil ihn der Arbeiter- und Bauernstaat nicht ziehen lassen will, plant Paul die Flucht über die Ostsee nach Dänemark. Er bringt sich das Segeln bei, kauft von der Zufallsbekanntschaft Günter (Thorsten Merten) eine Jolle und legt während seines Kellner-Jobs auf einem Ausflugsdampfer vor Rügen verdiente West-Mark beiseite. All das verheimlicht er vor seiner großen Liebe Anne (Lina Beckmann), um sie nicht in Gefahr zu bringen. Doch bis Paul endlich in See stechen kann, vergehen sieben Jahre.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse4 / 5

"Spaziergang nach Syrakus": Von einem, der auszog ...

Diese Geschichte ist eigentlich zu unglaublich, um wahr zu sein: Ein unzufriedener Bürger der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) plant jahrelang seine Flucht, um einmal im Leben nach Italien reisen zu können, nur um im Anschluss daran in sein Heimatland zurückkehren. Und doch ist diese Geschichte so (oder zumindest so ähnlich) passiert. Erlebt hat sie der 1941 in Dresden geborene Klaus Müller, der dieses wahnwitzige Wagnis in seinen 2014 erschienenen Memoiren "Gehen, um zu bleiben: aus der DDR nach Italien – und zurück" festgehalten hat. Der Schriftsteller F. C. Delius (1943–2022) verarbeitete Müllers Reise bereits 1995 in seiner Erzählung "Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus", die Lars Jessen als motivische Vorlage für seinen Film diente, der sich ähnliche erzählerische Freiheiten wie Delius' Buch nimmt.

Der von Charly Hübner überzeugend und trotz seiner Sturheit sympathisch gespielte Protagonist heißt bei Jessen wie Delius nicht Klaus Müller, sondern Paul Gompitz. Und während Delius in seiner Erzählung stärker Bezug auf Johann Gottfried Seumes Reisebericht "Der Spaziergang nach Syrakus" und Johann Wolfgang von Goethes Italienreise nimmt als Jessens Film, schlägt Letztgenannter eine erzählerische Volte, die sich selbst Delius nicht getraut hat. Anders als im wahren Leben und im Buch gelingt dem Protagonisten im Film die Flucht nicht schon im Sommer 1988, sondern erst 1989. Während seiner Rückkehr fällt die Mauer, was die Verhältnisse auf den Kopf stellt und die jahrelange Geheimniskrämerei, die Paul Gompitz letzten Endes die Beziehung zu seiner Ehefrau kostet, ad absurdum führt. Jessens Film ist somit eine Prise absurder und bittersüßer als das Buch.

die Welt zu entdecken

Mit "Spaziergang nach Syrakus" hat Lars Jessen einen seiner bislang besten Filme gedreht, der nicht zuletzt durch seinen unkonventionellen Genremix verblüfft. Der Film ist gesellschaftskritisches (Historien-)Drama, bestechend ehrliche Beziehungskiste, spannende Fluchtgeschichte und außergewöhnliches Roadmovie zugleich. Sein unbequemer Antiheld, der an der DDR eigentlich gar nicht so viel auszusetzen hat, hält all jenen den Spiegel vor, die sich in ihrer verklärten Erinnerung nach den Zeiten vor der Wende zurücksehnen. Denn am Ende sind die Dinge, die Paul an der DDR stören: dass der Arbeiter- und Bauernstaat seinen Bürgern vorschreibt, wohin sie reisen dürfen und ihnen auf Schritt und Tritt misstraut, eben zwei nicht zu unterschätzende Bausteine eines Überwachungsstaats. Um das klarzumachen, benötigt Lars Jessen übrigens keinen Holzhammer wie manch andere Filme über die DDR. Ihm genügt das Skalpell.

Erzählt wird der "Spaziergang nach Syrakus" vom Protagonisten selbst, der seine Erlebnisse aus dem Off und in einem kumpelhaften Ton ausplaudert, wobei er das Kinopublikum wiederholt direkt anspricht. Das Drehbuchgespann Heide und Andreas R. Kersten legt ihm bisweilen tolle Sätze in den Mund. "Bis heute ist mir nicht klar, ob mich Italien lockte oder die DDR von sich stieß", sagt Paul Gompitz an einer Stelle und bringt seine innere Zerrissenheit auf den Punkt. Dass der Film funktioniert, ist aber nicht nur auf die originelle, wendungsreiche Handlung und deren visuell ansprechende Umsetzung zurückzuführen. Ein großes Lob gilt auch zwei eingespielten Teams. Nach zuletzt "Micha denkt groß" (2024) und "Mittagsstunde" (2022) arbeiten Lars Jessen und Charly Hübner abermals bei einem Kinofilm miteinander. Und auch Hübner und sein weiblicher Gegenpart Lina Beckmann, die auch im echten Leben ein Paar sind, standen bereits mehrfach gemeinsam vor der Kamera. Der Beziehung zwischen Paul und Anne Gompitz, die zwischen blindem Verständnis, unausgesprochen inniger Zuneigung und kritischer Ehrlichkeit schwankt, verleihen sie ungemeine Glaubwürdigkeit.

Fazit: "Spaziergang nach Syrakus" ist der neue Film des Regisseurs Lars Jessen ("Mittagsstunde", "Fraktus" u. a.) und handelt von einem italiensehnsüchtigen DDR-Bürger, der alles wagt, um seinen Horizont zu erweitern und dabei am Ende zwar seine Freiheit behält, aber seine Ehe verliert. Nach wahren Begebenheiten und Motiven einer Erzählung von F. C. Delius gedreht, überzeugt dieser ungewöhnliche Genremix durch eine ausgewogene Mischung aus Ernst, Humor und Herz.




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Besetzung & Crew von "Spaziergang nach Syrakus"

Land: Deutschland
Jahr: 2026
Genre: Drama
Kinostart: 20.08.2026
Regie: Lars Jessen
Darsteller: Charly Hübner, Lina Beckmann, Thorsten Merten, Bruno Di Chiara, Melanie Fouché
Verleih: Pandora Film

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