oder

Sacrifice (2026)

Absurdes Armageddon: Im englischsprachigen Debüt des französischen Regisseurs Romain Gavras geht die Weltrettung anders als angenommen über die Bühne.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse ??? / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben bislang 0 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Es ist zum Haareraufen! Der Hollywoodstar Mike Tyler (Chris Evans) steckt in einer Sinnkrise. Seine einst prächtige Tolle, die er sich gerade erst frisch aufs Haupt verpflanzen ließ, dünnt schon wieder aus. Rollenangebote sind Mangelware. Und auf die Wohltätigkeitsgala zur Rettung der Weltmeere, zu der der Milliardär Ben Bracken (Vincent Cassel) und seine Frau Gloria (Salma Hayek) geladen haben, hat er überhaupt keine Lust. Doch dann kommt ihm an der Seite seines Presseagenten Oliver MacGregor (Sam Richardson), der ihn zu der Veranstaltung begleitet, eine vermeintlich zündende Idee.

Mike kapert die Bühne, um eine Tirade über die Oberflächlichkeit solcher Events vom Stapel zu lassen, während Oliver das Ganze live im Internet streamt. Während Mike die anschließenden Reaktionen aus dem Netz auf der Toilette verfolgt, kapern Terroristen den Saal. Joan (Anya Taylor-Joy) und ihre Geschwister Arthur (Yung Lean) und Louise (Jade Croot) sind ebenfalls auf Weltrettungsmission. Um einen Vulkanausbruch kataklystischen Ausmaßes zu verhindern, wollen sie drei Menschenleben opfern: einen Bösewicht, eine Geliebte und einen Helden, für die sie Ben Bracken, die Tänzerin Katie (Ambika Mod) und ausgerechnet Mike auswählen.

Bildergalerie zum Film "Sacrifice"

SacrificeSacrificeSacrificeSacrificeSacrificeSacrifice

Hier streamen


Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse4 / 5

"Sacrifice": Tolldreister Tanz auf dem Vulkan

Das Event ist mondän – und pures Kalkül. Ein Milliardär hat zu einer Wohltätigkeitsgala in einen stillgelegten griechischen Steinbruch geladen. Dort wurde einst Marmor abgebaut, was der ohnehin schon glamourösen Veranstaltung einen edlen Anstrich verleiht. Der elitäre Zirkel, der vordergründig zur Rettung der Weltmeere zusammengekommen ist, insgeheim aber nur das eigene Image aufpolieren will, diniert in einem gigantischen alabasterfarbenen Saal. Doch ganz in der Nähe brodelt nicht nur ein Vulkan, es braut sich auch Weltuntergangswetter zusammen.

Wollte man "Sacrifice" in einem Bild zusammenfassen, wäre eins vom Beginn dieser immer abstruser geratenden Gesellschaftssatire passend: Der von Chris Evans gespielte Mike Tyler telefoniert in den riesigen Hallen des Steinbruchs, in denen vermeintlich große Kunst ausgestellt ist. Hinter einer der dort aufgestellten Installationen, einem aus Neonröhren geformten, nichtssagenden Schriftzug, lauert die von Anya Taylor-Joy verkörperte Glaubenskriegerin mit ihrer Terrorgruppe. Es geht um den schönen Schein, um blendende Fassaden, leuchtende Lippenbekenntnisse und die gewaltigen und gewalttätigen Abgründe, die sich dahinter auftun. Es geht um falsche Glaubensbekenntnisse und einen fanatischen Glauben an die falsche Sache. Und das funktioniert nicht zuletzt deshalb so gut, weil Evans und Taylor-Joy ihre lächerlichen Figuren ernst nehmen. Keiner von beiden spielt mit ironischen Brüchen, was die Komik verstärkt. Und Evans hat sichtlich Spaß daran, den eitlen Volltrottel zu mimen.

Stil versus Substanz

Romain Gavras ist ein ausgesprochen visueller Regisseur. Das hatte er zuletzt in seinem dritten abendfüllenden Spielfilm "Athena" (2022) bewiesen. Das actionreiche Vorstadtdrama erhielt eine Einladung in den Wettbewerb der 79. Internationalen Filmfestspiele von Venedig, wo es gespaltene Reaktionen hervorrief. Der in beeindruckend choreografierten Plansequenzen gedrehte Film erzählt vom Schicksal dreier Brüder, die bei einem Gewaltausbruch in einer Banlieue zwischen die Fronten geraten. Den Vorwurf, dass Gavras den Stil über die Handlung stelle und die atemberaubend in Szene gesetzte Oberfläche über eine gewisse inhaltliche Leere hinwegtäusche, könnte man auch seinem neuen Film machen.

"Sacrifice" ist Gavras' englischsprachiges Debüt und feierte im vergangenen Jahr beim Toronto International Film Festival seine Weltpremiere. Es handelt sich um seinen bis dato bestbesetzten Film. Denn an der Seite von Gavras' Stammschauspieler Vincent Cassel sind prominente Gesichter wie die bereits erwähnten Chris Evans und Anya Taylor-Joy, Salma Hayek und John Malkovich zu sehen. In Toronto kam der Film gar nicht gut an, dabei ist er besser, als es die ersten Reaktionen vermuten lassen. Zwar stellt Gavras abermals die schöne Form über sehr wenig Substanz. Weil es sich dieses Mal aber um kein politisches Drama, sondern um eine Gesellschaftssatire handelt, die sich zudem mit den Oberflächenreizen und der Inhaltsleere der Schönen und Reichen auseinandersetzt, passt die Herangehensweise des Regisseurs wie die Faust aufs Auge.

Familiäres Erbe und absurde Auswüchse

"Ich wurde in eine Filmfamilie hineingeboren, die fest daran glaubte, dass Filme die Welt verändern könnten, oder zumindest die eigene Wahrnehmung von ihr", sagt Romain Gavras in einem Regiekommentar. Sein Vater ist der griechischstämmige Regisseur Costa-Gavras, seine Mutter die Journalistin und Filmproduzentin Michèle Ray-Gavras, seine ältere Schwester die Regisseurin Julie Gavras. Dass die Kritik bei Romain Gavras' Werken so viel Wert auf Tiefe legt, dürfte viel mit seinem Vater zu tun haben. Immerhin hat der 1933 geborene Regisseur mit Filmen wie "Z" (1969), "Das Geständnis" (1970), "Der unsichtbare Aufstand" (1972) und "Vermißt" (1982) Klassiker des politisch engagierten Kinos vorgelegt.

Der Vergleich mit seinem Vater ist jedoch unangebracht, denn Romain Gavras weiß, dass er mit seinen Filmen die Welt nicht verändern wird. "Anstatt die Welt zu verändern, beschlossen mein wunderbarer Autor Will Arbery und ich, einen Film über Menschen zu machen, die die Welt verändern wollen: eine moderne, poppige, lyrische, psychedelische, symbolische und unterhaltsame Geschichte über unsere Zeit", sagt er. Und genau das ist ihm geglückt. "Sacrifice" mag mehr Stil als Substanz haben und nicht an die inhaltliche Tiefe vergleichbarer Gesellschaftssatiren wie "Triangle of Sadness" (2022), in der die Heuchelei der oberen Zehntausend ihr Fett abbekommt, heranreichen. Auf dem Weg dorthin schlägt das von Gavras und Arbery verfasste Drehbuch aber so viele wahnwitzige Volten und sehen die fantasievoll gestalteten Sets und die betörende Naturkulisse so atemberaubend aus, dass es einfach ein Genuss ist, an dieser absurden Reise teilzunehmen.

Fazit: Wer abwegiges Kino liebt, liegt bei "Sacrifice" richtig. Der neue Spielfilm von Regisseur Romain Gavras ("Athena", "Le monde est à toi") ist ein wilder Ritt voller überraschender Wendungen. Eine verlogene Elite trifft auf wahnsinnige Ökoterroristen, und die Zukunft der Menschheit steht am Rande eines Vulkans. Das ist atemberaubend anzusehen, absurd erzählt und irre lustig.




TrailerAlle "Sacrifice"-Trailer anzeigen

Zum Video: Sacrifice

Besetzung & Crew von "Sacrifice"

Land: USA, Großbritannien, Griechenland, Italien
Jahr: 2026
Genre: Action, Komödie, Abenteuer
Länge: 103 Minuten
Kinostart: 15.10.2026
Regie: Romain Gavras
Darsteller: Chris Evans, Anya Taylor-Joy, Salma Hayek, John Malkovich, Vincent Cassel
Kamera: Mathias Boucard
Verleih: DCM GmbH

Verknüpfungen zu "Sacrifice"Alle anzeigen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.