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Kritik: Knowing - Die Zukunft endet jetzt (2009)


Nicolas Cage ist geradezu für außergewöhnliche Tops und Flops bekannt. Er ist Oscar-prämiert für "Leaving Las Vegas", hat mit "8 mm" und "The Rock" Genreklassiker geschaffen und wagte sich unter der Regie von Martin Scorsese mit "Bringing Out the Dead" in ähnliche Gefilde wie Robert de Niro mit "Taxi Driver" vor. Allerdings lieferte Cage, nebst reichlich Mittelmaß, auch unvergessliche Grotesken wie "Con Air", "Das Vermächtnis der Tempelritter" und die noch üblere Fortsetzung "Das Vermächtnis des geheimen Buches" ab.
"Knowing" wurde als Genre übergreifendes Endzeitwerk mit Elementen aus Mystery, Sci-Fi und Suspense angekündigt. Alex Proyas, der mit Filmen wie "I, Robot" und "The Crow" bereits unter Beweis stellte, dass er sich sowohl in der spekulativen Wissenschaft, als auch im Okkulten zurechtfindet, übernahm die Regie. Und Simon Duggan, der schon bei "Stirb Langsam 4.0" mit dabei war, die Kamera. Mit diesem Team sollte man doch außergewöhnliches Kino schaffen können? Außergewöhnlich, das ist "Knowing" tatsächlich geworden: Außergewöhnlich hanebüchen, unausgegoren, überfrachtet, wirr und für eine Zielgruppe bestimmt, die Erich Dänikens gesammelte Werke für das Nonplusultra der (alternativen) Wissenschaft hält.
Dabei beginnt die Geschichte gar nicht so uninteressant: 1959 schreiben die Schüler einer Klasse in Lexington, Massachusetts einen Brief für die Nachwelt. Jedes Kind einen eigenen. Diese Dokumente sollen in einer Zeitkapsel versiegelt und erst in 50 Jahren wieder geöffnet und an die Schüler im Jahre 2009 übergeben werden. Die meisten Kinder malen ein Bild oder schreiben ein paar Zeilen. Ein Mädchen aber schreibt ein ganzes Blatt, Vorder- und Rückseite, voll mit (sinnlosen) Zahlen.
Ein halbes Jahrhundert später ist es so weit: Die Zeitkapsel wird in einer feierlichen Zeremonie wieder geöffnet, und jeder Brief aus der Vergangenheit findet einen neuen Besitzer. Den mit den Zahlen erhält Caleb Koestler (Chandler Canterbury). Vermutlich wäre das Stück Papier bald im Papierkorb verschwunden, wenn es nicht Calebs Vater John (Nicolas Cage) in die Finger bekommen hätte. John ist Astrophysiker und arbeitet am renommierten MIT ( Massachusetts Institute of Technology). Nach dem Tod seiner Frau, der ihn sehr mitgenommen hat – seitdem neigt er der Flasche manchmal mehr zu, als für ihn gut ist – zieht er Caleb alleine groß.
Mehr durch Zufall entdeckt John in den Zahlenkolonnen auf dem Brief ein gewisses System. Richtig gelesen ergeben die Zahlen Tag, Monat und Jahr sowie die zugehörigen geografischen Koordinaten. Es stellt sich heraus, dass an den angegebenen Orten und Zeiten immer ein schlimmes Unglück passierte und die Prophezeiungen aus der Vergangenheit reichen sogar in die Zukunft. Etwas Furchtbares ist im Begriff zu geschehen...
Zu Beginn wähnt man sich in einer klassischen Mysterygeschichte. Jede Sekunde wartet man darauf, dass John Koestler zum Hörer greift, Scully und Mulder verständigt. Nach dem stimmungsvollen Auftakt wird aber erst mal die Zahlenbotschaft im "Numb3rs-Stil" dechiffriert, bevor sich verstärkt die Anleihen aus den "Mothman Prophecies" bemerkbar machen. Allerdings bleiben die Übersinnlichen nicht so ungreifbar in anderen Dimensionen haften. Sie erinnern stark an Cages Kollegen aus "Die Stadt der Engel". Vielleicht hat er seine auf Halde liegenden Engel-Kumpel einfach eingeladen, noch mal in einem Film mitzuspielen. Anders als in den meisten Mysterywerken gibt es obendrein eine gehörige Portion Action: Flugzeugabstürze aus nächster Nähe und ebenso entgleisende U-Bahnen. Das bringt gleich eine weitere Facette in die schon reichlich überspannte Geschichte ein. Zu vergessen natürlich nicht das Gefühlsdilemma, indem sich der allein erziehende Vater befindet und die verkorkste Beziehung zu seinem Vater, einem Priester: Vater religiös, Sohn Naturwissenschaftler, das kann doch nichts geben.
Gegen Ende nimmt dieser außerweltliche Eintopf dann immer mehr Züge von "Der Tag an dem die Erde stillstand" an, bevor sich schlussendlich alles in einer transzendent-esoterischen (Bilder)Orgie entlädt. Und den Schluss hätte tatsächlich Däniken höchstpersönlich nicht "besser" hinbekommen. Ein Finale wie zu allerbesten New-Age-Zeiten.

Fazit: Für denkende Menschen die einer intelligenten Endzeitstory entgegensehen, ist "Knowing" nicht wirklich was. Wobei die erste Hälfte des Films noch einigermaßen interessante Wendungen enthält und mit ein, zwei Flaschen Bier bewaffnet (natürlich nur die Volljährigen!), kann man auch im zweiten Teil seinen Spaß haben. Viele unfreiwillige Lacher sind garantiert.




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