VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Das A-Team - Der Film
Das A-Team - Der Film
© 2010 Twentieth Century Fox

Kritik: Das A-Team - Der Film (2009)


Wenn vier Ex-Special-Forces Soldaten, die sich vor nahezu jedem Militärpolizisten der USA auf der Flucht befanden, in den 1980er in bester Robin-Hood-Manier auftraten, um den Entrechteten, wenn schon nicht zu ihrem Recht, dann zumindest zu etwas Gerechtigkeit zu verhelfen, konnte nur die Rede vom legendären "A-Team" sein. Eher untypisch für eine amerikanische TV-Serie, wurde das eigene Militär eher verballhornt, denn verherrlicht, und obwohl es in jeder Episode regelrecht Blei hagelte, gab es außer blaue Flecke und gelegentliche Streifschüsse prinzipiell nie den Verlust menschlichen Lebens zu beklagen. Im aktuellen Remake ist somit eine Sache schon mal auf jeden Fall anders.

Es macht wenig Sinn nach Realismus bei solchen Spaß-Action-Streifen zu fragen. Nicht anders als in den 80ern steht auch im Jahre 2010 der Fun-Charakter im Vordergrund. Im Schnelldurchlauf wird in einem kurzen Prolog erzählt, wie sich das Team fand; anders als im Original kann man aber heutzutage keine Truppe kreieren, die gemeinsam in Vietnam diente, denn dann wären die Herren inzwischen alle um die 60; also werden einige hanebüchene Wendungen bemüht, um Colonel Hannibal (Liam Neeson), Faceman (Bradley Cooper), B.A. Baracus (Quinton "Rampage" Jackson) und "Howlin' Mad" Murdock (Sharlto Copley) zusammenzubekommen.

Hanebüchen ist ein gutes Stichwort, wenn man sich die Story und manch eine Actioneinlage genauer anschaut. Gerade bei letzteren stehen die Naturgesetze schon mal gerne Kopf, aber das ist bestimmt nicht das erste mal bei einer Hollywood-Produktion. Was wirklich schmerzt, ist aber, dass die legendären Hannibal-Pläne, die er so liebte (wenn sie funktionierten) und anschließend immer eine gute Zigarre genoss, im Big-Screen-Remake eigentlich nicht mal im Ansatz diese Terminologie verdienen. Anstelle kultiger Pläne gibt es noch mehr Action mit überraschenden Pointen, die am besten nicht weiter hinterfragt werden sollten.

Zu einer echten optischen Hommage an das Original gereicht allerdings der Cast, der sich überdies müht den besonderen Charme der Vorlagen einzufangen und in die Jetztzeit zu übertragen. Die Ansätze an skurrilem Dialogwitz stellen diesbezüglich schon mal einen guten Versuch dar. Man hätte sich aber noch mehr davon gewünscht, besonders mehr Mad-Murdock-Einlagen. Insgesamt wirken die meisten Rollen auf den ersten Blick aber treffend besetzt, einzig Ex-Freefighter "Rampage" Jackson will als B.A.-Substitut nicht recht überzeugen. Da war Mr. T., der so herrlich stinksauer schauen konnte, dass man ganz schnell nach einer Fluchttür Ausschau hielt, doch ein anderes Kaliber.

Gejagt wird das flüchtige Team diesmal von Jessica Biel alias Captain Charissa Sosa, die als Handlungskrücke herhalten muss, um gewisse Entwicklungen zu fördern, allein durch ihre Jugend bedingt, aber keine ernstzunehmende Präsenz als Kopfjäger entfalten kann. Etwas besser da schon Patrick Wilson, der als skrupelloser CIA-Agent Lynch es ebenfalls auf das Team abgesehen hat. Trotz reichlich Gewalt, die diesmal nicht ohne Blutverlust abgeht und zuweilen überbordender Action, kommt der Humor nicht zu kurz, der allerdings zuweilen unfreiwillige Pfade einschlägt: Der Film, dessen Handlung zum Teil in Deutschland spielt, könnte hierzulande Lacher produzieren, die allein darauf beruhen, dass Hollywood-Filmemacher allzu schmerzfrei in Europa wildern. Man merkt deutlich, dass sie die europäischen Staaten für ein fernes Gefilde halten, in dem man nach belieben Institutionen erfinden und bedeutende Bauwerke von einer Großstadt in eine andere versetzen darf. So existiert beispielsweise plötzlich in der Finanzmetropole Frankfurt eine "Königsbank" und der Kölner Dom macht ebenfalls einen Ausflug dorthin.

Fazit: Spaßiges Popcornkino, besonders für jene großen Jungs, die zur Zeit des Serienzenits mitten in der Pubertät steckten und sich einen leicht verklärten Blick auf ihre Jugendidole bewahrten. Der Film müht sich, den Erwartungen der Fans gerecht zu werden, was ihm aber nicht immer richtig gelingen will. Etwas mehr an Story, bessere Dialoge und ein weniger an Action hätten den Streifen durchaus aufwerten können. Auffällig aber, dass das Militär diesmal erstaunlich positiv abschneidet; in Zeiten des US-amerikanischen Engagements in Afghanistan und Irak darf man die Truppe offenbar nicht mehr der Verulkung preisgeben.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.