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Duplicity Poster
Duplicity Poster
© 2008 Universal Studio

Kritik: Duplicity - Gemeinsame Geheimsache (2008)


Erst vier Jahre ist es her, dass Julia Roberts und Clive Owen gemeinsam vor der Kamera standen: In dem Sex- und Beziehungsdrama „Hautnah“ logen und betrogen sie sich gegenseitig, wo es nur eben ging. „Duplicity“ hat prinzipiell einen ähnlichen Grundtenor: Auch hier geht es um Ränkespielchen und Intrigen und für romantische Gefühldusseleien bleibt ebenfalls Raum.
Claire Stemwick (Julia Roberts) und Ray Koval (Clive Owen) dienten ehemals in verschiedenen staatlichen Geheimdiensten. Zugunsten besserer Bezüge und weniger riskanter Aufträge sind beide inzwischen für große Konzerne in der Welt der Industriespionage sowie der Verhinderung dieser tätig. Vor Jahren hatten sich ihre Wege schon einmal gekreuzt (damals noch als Geheimdienstler). Ray hatte in bester James-Bond-Manier seinerzeit nur im Sinn gehabt, die attraktive Claire flachzulegen, wurde aber seinerseits von ihr aufs Kreuz gelegt und um einige wichtige Geheimpapiere erleichtert. Ihr Wiedersehen als Konzernagenten verläuft deshalb zunächst alles andere als erquicklich. Ray ist nachvollziehbarerweise immer noch ein bisschen ungehalten, während sich Claire kaum an ihn erinnern kann oder will. Ganz Profis, ziehen sie aber zunächst den Job durch. Danach trennen sich ihre Wege wieder, um sich alsbald wieder zu kreuzen und sich plötzlich, für zwei unterschiedliche Dienstherren arbeitend, wieder zu finden.

Diese konkurrieren miteinander und versuchen, als jeweils erster, ein revolutionäres Kosmetikprodukt auf den Markt zu bringen. Claire und Ray sollen feindliche Spionage- und Infiltrationsversuche unterbinden, die beiden haben aber gemeinsam vor, ihre Brötchengeber zu linken; was umso besser geht, da Claire ohnehin als Doppelagentin tätig ist. Anderseits misstrauen sich Claire und Ray gegenseitig maßlos, finden sich aber gleichzeitig unwiderstehlich zueinander hingezogen: „Wenn ich dir sagen würde, dass ich dich liebe, würde das einen Unterschied machen? Wenn du mir es sagen würdest oder wenn ich dir glauben würde?“

Allein schon bis zu diesem Punkt haben mindestens fünfmal ein Dutzend Fragezeichen im Oberstübchen der Zuschauer aufgeblinkt. Der Handlung ist nicht leicht zu folgen. Das sie obendrein chronologisch springt und sich fortwährend in Vorwärts-Rückwärts-Projektionen dem Jetzt annähert und damit auch der Auflösung eines verzwickten Katz-und-Maus-Spiels, macht es nicht eben leichter. Doch all das könnte man gut verkraften, wäre der Streifen nicht so unspektakulär runtergespielt. Es mangelt eindeutig an Würze und Tempo. An der schauspielerischen Leistung gibt es eigentlich nichts zu mäkeln, es ist nur so „verdammt“ (sorry!) routiniert runtergeleiert.
Immer hoffend darauf, dass endlich ein bisschen Fahrt aufgenommen wird, verharrt man endlos wartend, im Kinosessel. Hatten die Macher die Absicht einen Agentenverwirrpoker und Romantikkomödie beispielsweise im Stile des 60er-Jahre-Klassikers „Charade“ zu inszenieren, reicht „Duplicity“ an den Charme, Witz und Flair solcher Vorlagen nicht heran, allenfalls kommt ein laues Lüftchen dieser originären Atmosphäre auf. Das liegt mitunter daran, dass die Wendungen und Pointen zwar durchaus überraschen können, aber nicht wirklich zünden und der Wortwitz solide konzipiert ist, aber einfach nicht prickelnd „anmacht“.
Eigentlich bei dem aufgebotenem Ensemble nicht nachvollziehbar: Sind doch neben den beiden Hauptrollen, die Nebenrollen, mit dem renommierten britischen Bühnenschauspieler Tom Wilkinson und den auf skurrile Rollen abonnierten Paul Giamatti, hervorragend besetzt. Und nicht zuletzt, zeichnet sich Tony Gilroy, der für „Michael Clayton“ eine Oscar-Nominierung einheimste, für Regie und Drehbuch verantwortlich.

Fazit:
Wer Julia Roberts und/oder Clive Owen gerne im Kino sieht, amüsante Wortgefechte mag, parodistische Sidekicks aufs Agentengenre zu schätzen weiß und sich vom vielem Stirnrunzeln, Kopfkratzen und unruhig im Kinosessel herumrutschen, irrtümlich in diesen Film verirrter Platznachbarn nicht abschrecken lässt, könnte diesem Filmvergnügen vielleicht etwas abgewinnen. Die anderen schalten besser den Fernseher ein, wenn einer der Klassiker wiederholt wird.





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