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Micmacs - Uns gehört Paris!
Micmacs - Uns gehört Paris!
© Kinowelt

Kritik: Micmacs - Uns gehört Paris! (2009)


Seit gut einem Jahr steht "Micmacs" in der Warteschleife. Ursprünglich sollte der Film bereits Anfang 2010 laufen, gelangt nun aber erst mitten im Sommerloch – im heißesten Monat des Jahres – in die deutschen Kinos. Es handelt es sich um den neuen Film von Jean-Pierre Jeunet ("Delikatessen"), eine Schöpfung, welche dermaßen skurril und liebenswert bizarr ist, dass es sogar für einen französischen Film recht außergewöhnlich scheint.

Mit einer Kugel im Kopf sieht die Welt gleich anders aus. Bazil (Dany Boon) bekommt auf hanebüchenen Wege eine ab, als er eines nachts – vom Krach nach draußen gelockt – vor die Tür der Videothek tritt, in der er arbeitet. Die Ärzte, die im Krankenhaus um sein Leben ringen, entscheiden sich nach einem Münzwurf, die Kugel zu belassen, wo sie ist. Dort drückt sie zwar auf einige wichtige Areale in Bazils Gehirn, der Versuch sie zu entfernen, könnte ihn aber in eine Topfpflanze verwandeln. So hat er wenigstens eine gewisse Chance, ein normales Leben zu führen.

Aus dem Krankenhaus entlassen, muss Bazil feststellen, dass sein Job in der Videothek inzwischen anderweitig vergeben wurde. Ohne Arbeit ist der soziale Abstieg vorprogrammiert. Er landet auf der Straße, das Glück hat ihn aber noch nicht ganz verlassen: Bazil begegnet dem kauzigen Canaille (jean-Pierre Marielle), der mit einer Truppe äußerst skurriler Zeitgenossen zusammenlebt. In diesem bunten menschlichen Kuriositätenkabinett herrscht eine herzliches Miteinander und ein Matriarchat. Die Köchin und selbsternannte Chefin der Truppe, Cassoulette (Yolande Moreau) führt ein strenges Regiment. Eine andere Dame hat es Bazil aber besonders angetan: Mademoiselle Kautschuk (Julie Ferrier), deren Körper derart biegsam ist, dass sie in jeden Kühlschrank passt. Bevor sich Bazil aber seinem persönlichen Glück (mit ihr) widmen kann, gibt es noch eine andere Sache zu erledigen.

"Micmacs" gehört zu den Filme, die man einfach gesehen haben muss, um zu wissen, worüber überhaupt die Rede ist. Und selbst dann fällt es schwer, die Vielfalt an skurrilen Momenten und genialisch-kreativen Facetten in Worte zu fassen. In "Micmacs" entfaltet sich ein eigenes kleines und leicht groteskes Universum, das unentwegt ein Grinsen aufs Gesicht zaubert und seinen ganz speziellen Charme entfaltet. Der Streifen beherbergt aber eine sehr spezielle Art von Komik, die nicht jedem zusagen wird und seine politische Seite, macht ihn nicht gerade breitentauglicher.

Man kann den Film als skurrile Komödie, als Satire aber auch als eine exzentrische Art von Rachethriller begreifen. Es ist die Vergeltung des kleinen Mannes am großen mächtigen Industriellen. In den Nachwehen einer globalen Finanzkrise hat das ganz bestimmt seine Berechtigung. "Micmacs" hat es aber speziell auf die Todeshändler abgesehen und erzählt die Geschichte eines kleinen Jungen, der durch eine Landmine zur Halbwaise wurde und durch eine Kugel als Erwachsener beinahe ums Leben kam. Jetzt rüstet er mit ganz speziellen Mitteln zum Kampf gegen zwei Rüstungskonzerne. Und liefert dabei eine bezaubernde Show ab, die ebenso urkomisch wie ergreifend ist.

Fazit: Französisches Kino, dass auch Monty Python zur Ehre gereichen wurde. Voll von außergewöhnlich kreativen Augenblicken ist "Micmacs" ein wahres Kleinod der Arthouse-Szene, das darüber hinaus nicht einfach unmotiviert ein Feuerwerk an skurrilen Gags abfackelt, sondern mit der Formulierung einer starken politischen Botschaft überzeugt.





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