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Das Kabinett des Dr. Parnassus
Das Kabinett des Dr. Parnassus
© 2009 Concorde Filmverleih GmbH

Kritik: Das Kabinett des Dr. Parnassus (2008)


Gleich vorweg: Auf das Niveau von "12 Monkeys" oder "Time Bandits" ist Terry Gilliam mit dem "Kabinett des Dr. Parnassus" nicht zurückgekehrt. Im Gegensatz zu "Brothers Grimm" oder "Fear and Loathing in Las Vegas" steckt aber immerhin ein solides Plotgerüst hinter dem rauschhaften Kaleidoskop – wenn auch einige Handlungsfäden ziemlich schnell ausfasern.
Am meisten dürfte interessieren, wie Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell es fertig bringen, den Part des während der Dreharbeiten verstorbenen Heath Ledger zu vollenden. Die Antwort: Es passt und funktioniert. Besonders Depp geht nahtlos in Ledgers Tony über, während Ferrells Version sich dann urplötzlich in eine völlig andere Richtung bewegt, was allerdings dem Drehbuch geschuldet ist. Heath selbst verbleibt noch erstaunlich viel Leinwandzeit. Seine Performance ist wie die aller anderen Darsteller bewusst dick aufgetragen, um den märchenhaften Tod zu unterstreichen – ein Prinzip, das vom Model Lily Cole mit ihrem Puppengesicht personifiziert wird.
Die Handlung ist eine schlicht gestrickte Moralfabel und dreht sich um den Kampf von Dr. Parnassus (Christopher Plummer, als Gandalfs verlorener Bruder) gegen den Teufel (Tom Waits, als Mephisto der Tango-Ära), dem er schon in mystischen Vorzeiten begegnete und jüngst ein wertvolles Pfand versprach. Mit seiner Tochter Valentina (Cole), dem in sie verliebten jugendlichen Artisten Anton (Andrew Garfield) und einem Zwergwüchsigen (Verne Troyer), der scheinbar als klassisches Schausteller-Accessoire fungiert, reist Parnassus in einem altmodischen Theaterwagen, dessen Dimensionen Mechanik und Schwerkraft spotten, durchs moderne London. Spannend wird’s, als er einen rätselhaften Mann aufnimmt, den sie unter einer Brücke hängend auffinden: Mit ihm eröffnet sich das Geheimnis von Dr. Parnassus' Spiegelkabinett.
Schleppt sich der Anfang noch träge dahin, dreht Gilliam hinter den Spiegeln so richtig auf: Ledgers Tony taucht in verschiedenen Transformationen und Wunderwelten ein und auf, die zum Teil deutlich an Gilliams Monty Python-Animationen anknüpfen. Wie so oft zeigt Gilliam sich an einigen Stellen allerdings zu Detail-verliebt: Die Handlung wabert oder mäandert hinter unzähligen visuellen Kugelblitzen her - und läuft dabei leider manchmal in den falschen Ecken auf. Das Gesamtvergnügen verdirbt Gilliams Verspieltheit im Gegensatz zu anderen Filmen hier aber nicht.
"Das Kabinett des Dr. Parnassus" ist weder der beste Film von Gilliam, noch von Ledger. Da beide jedoch ohnehin gewöhnlich über dem routinierten Mittelmaß liegen oder lagen, dürfte das eigentlich egal sein. Gilliam braucht mal wieder zu viel Anschwung, um ins Rollen zu kommen – viele Szenen der Theatertruppe sind beispielsweise überflüssig – findet dann mit dem Spiegeltrick wieder zur alten Hochform, die er allerdings nicht durchhält. Gelungen ist ihm zweifellos ein visuell berauschendes Märchen für Erwachsene, das man mehr als einmal sehen kann.





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