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Ich liebe dich Phillip Morris
Ich liebe dich Phillip Morris
© Alamode Film

Kritik: Ich liebe dich Phillip Morris (2008)


Dass Carrey nicht nur komisch kann, bewies er bisher vor allem in "Vergiß mein nicht!". Wer hofft, dass er auch hier etwas davon zeigt, wird enttäuscht: Jim Carrey läuft zum Teil auf Autopilot, auch wenn er sich in Sachen Grimassen merklich zurückhält. Dementsprechend ist der Film teilweise witzig, im ernstgemeinten Bereich aber auch oft lachhaft. Dafür sorgt auch schon der stark ironische Unterton, den man gleich zu Anfang einschlägt: Der Film nimmt gegenüber seinen – real existierenden – Subjekten eine eindeutig distanzierte Perspektive ein. Die im Titel behauptete Liebe fällt dementsprechend flach aus.
Aber wenigstens wird es selten langweilig: Eben noch Ex-Cop, brav betender Familienvater und regelmäßiger Kirchengänger, mutiert Steve Russell (Carrey) durch einen Unfall zum schwulen Lebemann, der dem ausschweifenden Szeneleben in Miami frönt. Doch das hat seinen Preis. Mit zunächst kleineren Betrügereien hält er sich einigermaßen im Sattel, bis er schließlich doch im Knast landet. Dort verliebt er sich in Philipp Morris (Ewan McGregor), ein blondes Unschuldslamm mit fast unnatürlicher Naivität. Doch Russell wird vor ihm verlegt und entlassen... Fortan setzt er alles daran, ihn a) rauszubekommen, b) für ihn (finanziell) zu sorgen und als Konsequenz c) selbst wieder aus dem Gefängnis zu kommen. Denn mit ehrlicher Arbeit kann Russell nichts anfangen – oder seine maßlose Gier hält ihn davon ab.
Was wiederum ein Problem von Russells Charakter darstellt: Er ist kaum sympatisch. Witzig zwar, mit dreisten Hochstapeleien, furchtbaren Frisuren und manischer Getriebenheit - aber eben nicht liebenswert. Morris wird als sensibler Kontrast aufgebaut, zeigt aber ansonsten ebenso wenig irgendwelche Plotübergreifenden Eigenschaften. So betrachtet man eine erzählte Beziehung, die lediglich in ihrer gemeinsamen Zelle eine Weile überzeugt.
Schwulsein an sich ist bis auf ein, zwei Szenen kein Thema. Womit sich Klischées und Peinlichkeiten dann auch in Grenzen halten. Für einen amerikanischen Film hat man dennoch ein paar gewagte Szenen untergebracht, was auch die Schwierigkeiten beim Finden eines US-Verleihers erklären mag.
Für "Phillip Morris" muss man Begeisterung oder zumindest jede Menge Toleranz für Jim Carreys komische Tour mitbringen, um gut unterhalten zu werden. Ab der Mitte geht dem Film ein wenig die Luft aus, fängt sich aber immer gerade noch kurz vorm Absturz ins Sentimentale. Die Liebesgeschichte wird eindeutig ironisch erzählt und dementsprechend auch von Carrey nicht ganz ernst genommen, während McGregor sich immerhin rührend bemüht.




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