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Brothers
Brothers
© Koch Media © 24 Bilder

Kritik: Brothers (2009)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Sie sind Brüder! Der pflichtbewusste Marine Sam Cahill (Tobey Maguire), der kurz vor seinem vierten Einsatz in Afghanistan steht, und der verantwortungslose Taugenichts Tommy (Jake Gyllenhall), der nach einem Banküberfall gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Und sie sind voller Gegensätze: Der nette Sam ist mit der reizenden Grace (Natalie Portman) verheiratet und hat zwei entzückende Töchter, er ist ein liebevoller Ehemann und Vater und verlässlicher Soldat. Tommy hat sich hingegen mit seiner Rolle als schwarzes Schaf der Familie arrangiert, er ist ziellos, trinkt zu viel und versteht sich mit seinem Vater nicht besonders gut. Aber allen Widersprüchen zum Trotz sind Sam und Tommy Brüder – und halten zusammen. Denn in Jim Sheridans "Brothers" geht es um Brüderlichkeit – und die Last der Rückkehr. Anfangs hat Tommy mit seiner Rückkehr ins normale Leben zu kämpfen, aber Sam unterstützt ihn. Als dann Sam nicht aus Afghanistan zurückkehrt, übernimmt Tommy nach und nach dessen Rolle. Doch die größte Herausforderung wartet noch auf die Brüder: Die Familie erfährt, dass Sam noch am Leben ist. Allerdings merken sie nach seiner Heimkehr schnell, dass er nicht mehr derselbe ist. Und diese Rückkehr stellt die Familie vor eine große Zerreißprobe.

"Brothers" ist ein Remake von Susanne Biers "Brødre – Unter Brüdern", das sich eng an die Vorlage hält, aber die Perspektive verschiebt. Der Ire Jim Sheridan hat einen sehr amerikanischen Film gedreht, der in einer dieser Kleinstädte spielt, aus dem viele amerikanische Soldaten stammen. Dort kennen sich die Menschen schon aus Schulzeiten, viele sind beim Militär, fast alle sind Patrioten. Die Cahills sind eine typische Mittelklassefamilie: Sam ist der ehemalige Footballstar der Highschool, der die Cheerleaderin Grace geheiratet hat, während Tommy schon in der Schule unangenehm aufgefallen ist. Im Gegensatz zu Susanne Biers Drama, in dem es mehr um die Universalität traumatischer Erfahrungen geht, steht in Jim Sheridans Film das Trauma der amerikanischen Nation im Krieg gegen Afghanistan im Vordergrund. Daher ist auch der Feind bei ihm eindeutig zu erkennen, "men with beards", sagt Sams Tochter in einer Szene, seien die Gegner.

Doch selbst wenn die Feinde klar zu benennen sind, bleibt die Traumatisierung individuell. Und diese Verletzungen stellt Sheridans Film über weite Strecken berührend dar. Auch wenn Jim Sheridan der Eindringlichkeit seines Films ausgerechnet in den letzten Einstellungen nicht vertraut und stattdessen einen überflüssigen Off-Kommentar über das schale Ende legt, haben insbesondere die Schauspieler des Films dem Zuschauer seine leise und eindringliche Mahnung deutlich gemacht.

Jim Sheridan ist ein Regisseur, der seine Schauspieler regelmäßig zu Höchstleistungen bringt. In "Brothers" erstaunt vor allem Tobey Maguire. Erscheint er in den ersten Szenen noch als typischer jugendlich-charmanter netter Kerl, beeindruckt er als traumatisierter Kriegsheimkehrer umso mehr. Mit kalten, gehetzten und angstvoll blickenden Augen verkörpert er die tickende Zeitbombe, die Sam nach seiner Rückkehr zweifellos ist. Hin und wieder blitzt eine leise Ahnung von dem alten, fröhlichen Sam auf – aber zweifellos ist er im Innersten tief erschüttert. Dieser Sam ist kein treusorgender Familienvater mehr, sondern ein Mann, der zwischen Angst und Selbsthass zusehends verzweifelt. Das alles spielt Tobey Maguire ungemein überzeugend.

Auch Jake Gyllenhall ist gut als Onkel Tommy. Sein Blick ruht mit so viel Wärme auf seinen Nichten und seinem Bruder, auch sein Verhalten gegenüber Grace erscheint glaubwürdig. Sam Shepard brilliert als Sams und Tommys Vater, der seine Erlebnisse in Vietnam nie verwunden hat, und gleichsam als Folie zu Sams Situation fungiert. Subtil lässt er erkennen, dass der Krieg immer schreckliche Folgen hat – egal zu welcher Zeit er stattfindet. Einzig Natalie Portman überzeugt als zweifache Mutter nicht vollends. Aber angesichts der insgesamt hervorragenden Leistungen in diesem Familiendrama fällt das kaum ins Gewicht.

Fazit: "Brothers" ist ein berührender Film über die Verletzungen der Familie eines Soldaten, in dem insbesondere Tobey Maguire und Jake Gyllenhaal überzeugen.




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