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Kritik: Splice (2009)


Wenn die Wissenschaft zum Horror gerät, liegt das meist daran, dass man aufgehört hat, sie zum Erkenntnisgewinn, zum Wohle der Menschheit zu gebrauchen oder, dass die Wissenschaftler selber längst die Kontrolle über ihr Handeln verloren haben. Eine Wahrheit, die meist nur hinter vorgehaltener Hand ausgesprochen wird, lautet sinngemäß: alles was irgendwo von irgendwem auch nur angedacht werden kann, wird irgendwo anders von irgendjemandem auch ausprobiert werden.

Es ist eine Art Spieltrieb, welcher den Wissenschaftlern innewohnt, zu erfahren, was noch möglich ist und die Grenzen dabei immer weiter auszudehnen. Eine Grenze des Machbaren setzt beispielsweise allem Leben der Tod. Somit verwundert es nicht, wenn in Literatur und Film dieses Motiv des Lebens aus der Leblosigkeit oder des Erschaffens von Wesen, die dieser finalen Grenze trotzen können, immer wieder auftaucht. Der absolute Klassiker darunter ist sicherlich Mary Shelleys Roman Frankenstein, der bereits unzählige Male adaptiert wurde.

Ging es bei diesem Klassiker aber noch darum, aus den Körperteilen Verstorbener einen neuen lebendigen Menschen zu erschaffen, stehen bei "Splice" ganz andere Bestandteile verschiedener Spezies im Mittelpunkt. Die beiden Biogenetiker Elsa und Clive (Sarah Polley und Adrian Brody), die sowohl beruflich als auch privat miteinender verbandelt sind, erschaffen im Auftrag eines Pharma- und Medizinkonzerns transgene Lebewesen: Kreaturen, die aus dem Erbgut der unterschiedlichsten Arten zusammengesetzt sind. Zweck ist es, aus diesen Organismen eines Tages Heilmittel für eine Vielzahl von Erkrankungen zu gewinnen.

Als das Projekt sich aber nicht so entwickelt, wie es sich die Konzernspitze und die Investoren vorgestellt haben, wird beschlossen, das Vorhaben auf Eis zu legen. Elsa ist mit ihrem Forscherdrang aber noch nicht am Ende. Der ultimative letzte Schritt wurde noch nicht gewagt. Ohne über die möglichen Folgen eingehend nachzudenken, erschafft sie in ihrem Übereifer einen Embryo aus dem Erbgut-Cocktail von Fisch-, Reptilien-, Vogel- und menschlicher DNA. Das Wesen, welches anschließend das Licht der Welt erblickt, mutet bizarr an, und Clive würde am liebsten das Experiment rückgängig machen – gleich wie.

Tier oder schon Mensch und wo beginnt überhaupt die Grenze, ist nur eine der Fragen die bei "Splice" aufgeworfen werden. Wo genau beginnt Menschsein und was macht es aus? Besitzt ein Wesen, wenn es zum Teil menschliche Charakterzüge und Emotionen in sich beherbergt automatisch auch eine Seele? Deutlich steht hier die Wissenschaft am Pranger, die um der Machbarkeit willen agiert, ohne sich über die ethischen Konsequenzen Gedanken zu machen und alles auszuprobieren sucht, was auch nur denkbar erscheint. Doch immer sind es die Menschen, die diese Entscheidungen letzten Endes gefällt haben und wenn jemanden eine eindeutige Schuld trifft, dann eben den Menschen, der in seiner Hybris sich gegen die Schöpfung vergeht.

Mutet ein wenig pseudoreligiös an, ist aber tatsächlich gar nicht soweit hergeholt. Schließlich steckt in dem Wissenschaftlerpaar, das Leben erschafft, allzu deutlich ein Adam-und-Eva-Motiv. Abgesehen aber von der klaren Wissenschaftskritik sowie diesem hintergründig-transzendenten Element der Geschichte, präsentiert sich "Splice" als überaus clever konzipierter Scifi-Horror, der durch sein kreatives Design und seinen makaberen Witz zu bestechen weiß. Mit Vincenzo Natali als Regisseur, der sein Talent für surrealen Horror bereits mit "Cube" unter Beweis stellte und Guillermo del Torro als Produzenten, der für die phantasmagorischen Gestalten bekannt ist, die seine Filme bevölkern, wurde geradezu ein ideales Duo für diese gelungene Inszenierung gefunden.

Fazit: Intelligent und anregend gemachter Scifi-Horrorstreifen, der die Grenzen des Genres durchaus zu durchbrechen weiß und damit auch außerhalb eingeschworener Horror-Kreise seine Fans finden sollte.




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