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Kritik: Portrait einer Lady (1999)


"Ich werde niemals kriechen!" So selbstbewußt tritt die Amerikanerin Isabel Archer bei den englischen Verwandten auf. Wir schauen in die Seelenzustände des Jahres 1872, stark Frauen hatten damals nicht viel Freiraum. Die Schwäche Isabels deutet früh eine sehr erotisch gefilmte Szene an, in der ihre Sehnsüchte gleich von drei Männern erfüllt werden. Im der Realität weist die aufrechte, sichere Frau die Bewerber zugunsten eines unabhängigen Lebens zurück.
Doch nachdem sie durch ihren Cousin Ralph Touchett ein großes Erbe erhielt, kommt es in Italien zur Begegnung mit dem stillen geheimnisvollen Gilbert Osmond (John Malkovich). Seiner Verführung erliegt die intelligente und sensible Frau. Isabel tritt in ein dunkles Reich hinter dicken Türen und Teppichen ein. Drei Jahre später ist die einst selbständige und -bewußte Frau plötzlich unglücklich und still, wird von ihre Mann geleitet. Die vielen Spiegel des Palastes werfen immer nur ein verzerrtes Bild uneigentlichen Lebens zurück. Fast zu spät entdeckt die kranke Frau das Komplott und die verschiedensten Interessen hinter ihrer Beziehung.

Ein edler Film, reich im Bild und intensiv im Gefühl, dabei sparsam in der Handlung. Die Kamera umschmeichelt Figuren, weiches Licht legt sich auf die mit sanften Farben gezeichneten Körper. Solch sorgfältig ausgestattete, beleuchtete und fotografiert Szenen zeigt das Kino sehr selten. Um die zentralen Personen spielt ein Geflecht von Gefühlen und Interessen mit Verwandten, Verliebten und Verführern.

Die Regisseurin Jane Campion arbeitet als ausgebildete Maleri - nebenbei ist sie auch studierte Anthropologin - mit dem gleichen talentierten Auge wie zum Beispiel Kollege Greenaway. Die Jahreszeiten kommen durch eine lange Drehzeit authentisch ins Bild, kein Kunstschnee fabriziert billigen Winter. Bereits Campions erster Kurzfilm "Peel" (1982) erhielt eine Goldene Palme in Cannes. Ihre Spielfilmpremiere "Sweetie" (1989), eine harte Alltagsgeschichte über den Wahnsinn in der Familie, lief auch in deutschen Kinos. Dann kam schon "Ein Engel an meiner Tafel" (1990) und zum internationalen Preisregen gesellte sich der Publikumserfolg. "Das Piano" (1992) wurde gleich mit drei Oscars ausgezeichnet.

"Portrait of a Lady" kann sich in der Reihe ihrer Erfolge beim einfühlsamen Publikum sehen lassen. Im Gegensatz zu den Vorgängern erscheint die eigentliche Geschichte nicht ganz so außergewöhnlich. Zudem kommt das "Portrait of a Lady" als Spitze einer Welle ähnlich gelagerter Filme ins Kino. Ihnen ist die Verfilmung des Romans von Henry James allerdings in jeder Hinsicht überlegen.

Das "Portrait of a Lady" ist auch für Nicole Kidman ein großer Film. In Gus van Sants "2 Die 4" (1995) brillierte sie zuletzt als naiv-dreister Medien-Vamp. Der sensationell spannende Thriller "Todesstille" (1988) brachte die Australierin in die vordersten Reihen Hollywoods. Mit ihrem Mann Tom Cruise spielte sie im lauten Motorsportdrama "Tage des Donners" (1990) und dem Siedler-Epos "In einem fernen Land" (1992). Doch nun verkörpert sie auf faszinierende Weise die bewegendsten Seelenzustände und zeigt ihr Können. Auch Martin Donovan steigert als lungenkranker Ralph Touchett sein exzellentes Spiel aus vielen Hal Hartley-Filmen nochmals.





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