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Die Bettlektüre (1996)

Pillow Book

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Das erotische Tagebuch der japanischen Hofdame Sei Shonagon ist 1000 Jahre alt. Es steckt voller sinnlicher Zitate und geheimnisvoller Liebeszeremonien. Fast ein Jahrtausend später wird es der jungen Japanerin Nagiko zur fesselnden Bettlektüre.mDer junge britsche Liebhaber Nagikos (Ewan McGregor aus Trainspotting) fällt der Kompromißlosigkeit der jungen Frau beim Verfolgen ihrer hohen ästhetischen (und erotischen) Ansprüchen auf tragische Weise zum Opfer. Dennoch führt Nagiko ihre Beharrlichkeit schließlich zum Ziel. Kunstvoll übt sie Rache für den Tod ihres gedemütigten Vaters.



Filmkritik

Bodypainting Mit einer Gute-Nacht-Geschichte hat Peter Greenaways "Bettlektuere" allenfalls die Naehe zum Kopfkissen gemein. An Einschlafen ist angesichts der brilliant photografierten Bilder, einer erotisch-exotischen Handlung und einem mitreissenden Soundtrack nicht zu denken. Tradition und Moderne, Kunst und Literatur, Liebe und Neid kontrastieren und verbinden sich in diesem hochgenuesslichen Zweistundenfilm auf kunstvolle Weise. Sogenannte Kopfkissengeschichten kennt die japanische Literatur schon seit dem 10.Jahrhundert, der Hofdame Sei Shonagons poetische Aufzeichnungen gelten dort als Klassiker. Nagiko, die Hauptfigur des Films, bekommt Episoden daraus jeweils an ihrem Geburtstag vorgelesen, gleichzeitig pinselt ihr Vater ihr einen traditionellen Gruss auf's Gesicht. Mit ihrer Volljaehrigkeit stirbt dieses Ritual. Die Lust, sich den Koerper beschreiben zu lassen, bleibt. Bald schon reizt Nagiko (Vivian Wu) ihre eigene Haut als Schreibunterlage nicht mehr. Sie sucht sich Maenner zum bepinseln aus. Einer, der Uebersetzer Jerome (Ewan "Trainspotting" McGregor), wird ihr Liebhaber und Komplize. Liebesgedichte auf nackter Haut stimulierten schon in "Gefaehrliche Liebschaften", Greenaway erhebt sie zu einer eigenen Kunstform. Das geht am Ende weit ueber die formelle
Substitution des Koerpers als Medium kalligraphischer Zeichen hinaus, er wird zum Buch, zum Schluessel sexueller Lust und vermisster Rituale. So verwoben wie die Geschichte selbst sind auch die Bilder: Schwarzweissaufnahmen fuer jene Szenen aus der Kindheit, Bildueberlagerungen und Einklinken kleiner Rahmen fordern Auge und Konzentration. Greenaway, dessen Kunstkino zuletzt mit dem "Wunder von Macon" und "Prosperos Buecher" in eher vulgaere Dimensionen abdriftete, hat hier zu seiner aesthetischen und erotischen Sinnlichkeit seiner fruehen Filme zuruechgefunden.

Bewertung: 5 / 5 Punkte




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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Großbritannien, Frankreich
Jahr: 1996
Genre: Drama, Erotik
Länge: 126 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 24.10.1996
Regie: Peter Greenaway
Darsteller: Yoshi Oida, Ewan McGregor, Vivian Wu
Verleih: Prokino

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