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Kritik: Mütter & Söhne (1996)


Es lebe der Widerstand. Durch seine Verquickung von politischen Zielen mit menschlichen Schicksalen birgt er hochbrisanten Zündstoff, der auch am Konsumenten/Rezipienten solcher Geschichten nicht spurlos vorübergeht. Jim Sheridan, Regisseur des Erfolgsfilms "Im Namen des Vaters" kehrt nun als Produzent und Autor wieder ins IRA-Milieu zurück. "Mütter und Söhne" erzählt in nüchternen, aber ergreifenden Bildern vom Kampf irischer Söhne um Gerechtigkeit. Die Sicht ihrer Mütter ist freilich eine ganz andere - kämpfen heißt es auch für sie.
Ähnlich wie Sheridans 1993 entstandener "Im Namen des Vaters" liegen dem Plot wahre Begebenheiten zugrunde. Das ist für die emotionale Wirkkraft nicht unbedeutend, tritt Schmerz dadurch noch direkter zutage. Eingewoben in das 1979 in einem nordirischen Fischerdorf spielende Drama ist die Geschichte des legendären und charismatischen Führers der Untergrundbewegung IRA, Bobby Sands (John Lynch, der einen der Guildford-Four in "Im Namen des Vaters" spielte). Zu ihm in den Knast gesellen sich der flüchtige IRA-Führer David O'Hara (Frank Higgins) und Gerard Quigley (Aidan Gillen), dessen "Terroristendebut" unter keinem guten Stern stand. Die britische Justiz behandelt sie als Kriminelle, sie selbst bezeichnen sich als "Kriegsgefangene", lehnen Gefängniskleidung ab, verweigern irgendwann auch Nahrung, kurz: sie leben unter menschenunwürdigen Haftbedingungen.
Den rebellischen Helden sind also die Hände gebunden, das sympathisierende Volk ist empört, die Welt vor den Gefängnistoren ein Pulverfaß. Erst recht, nachdem der vom Hungerstreik gezeichnete Bobby Sands - äußerlich gleicht er Jesus - als Nordirland-Abgeordneter ins britische Unterhaus gewählt wird. Am 66. Tag seines Protests stirbt Sands, seine Beerdigung gerät zum denkwürdigen Trauerzug. Denkwürdig auch insofern, als die Mütter von Gerald und Frank (Helen Mirren und Fionulla Flanagan), die eine politisch zurückhaltend, die andere ein Kämpfer wie der Sohn, nun auch um das Leben ihrer Ältesten bangen. Wie sich zwischen den sehr unterschiedlichen Frauen im Laufe der Zeit eine Freundschaft entwickelt, wie die Saat des Widerstands und der Wut vor allem bei Geralds Mutter keimt, das hat Regisseur Terry George mit den einfachen Mitteln des Erzählkinos festgehalten. Das Ergebnis ist so aufregend wie bewegend, ein emotional meisterhaftes Regiedebut.




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