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Whitney Houston - Rendezvous mit einem Engel
Whitney Houston - Rendezvous mit einem Engel
© Buena Vista

Kritik: Rendezvous mit einem Engel (1996)


Fehlkonstruktion - Eigentlich eine zwar schon hundertfach gesehene, aber immer wieder funktionierende Idee: Ein Engel in Menschengestalt steigt auf die Erde herab und führt verirrte
und verwirrte Schäfchen auf den rechten Weg zurück. Kurz und gut. Und nicht gut! Rendezvous mit einem Engel ist trauriges Beispiel für ein Erzählgerüst, das leider aus den falschen Rohmaterialen konstruiert wurde und deshalb zum Einsturz verurteilt ist. Das Gerüst ist eine banale und von Klischees triefende Geschichte, die man bei jeder Seifenoper dulden würde, nicht aber bei einem Hollywoodfilm mit Starbesetzung, Millionenbudget und einer Topregiesseurin (Penny Marshall: Jumpin Jack Flash, Zeit des Erwachens).
Die Story: Engel Dudley (Denzel Washington) löst die Finanz- und Existenzprobleme einer kleinen, armen Kirchengemeinde und betätigt sich nebenbei noch als Eheberater für das Kirchenoberhaupt Reverend Henry Biggs und seine wunderschöne, sangeskräftige Ehefrau Julia (Whitney Houston). Doch die Geschichte um den rettenden Himmelsboten Dudley mutiert mit ihrer harmoniesüchtigen Handlung zu einem dissonant-plumpen Verlegenheitskonstrukt. Wenn Konflikte von vornherein lösbar und einfach alle Probleme überwindbar sind, braucht man sich nicht zu wundern, wenn eine Geschichte nur schwer in Gang kommt.
Fehlbesetzung - Es ist immer wieder jammerschade, wenn renommierte und begnadete Schauspieler - aus welchen Gründen auch immer - an Drehbuchauroren geraten, die ihnen in keinem Augenblick das Wasser reichen können. Denzel Washington steht mit seiner Darstellung als Engel Dudley pausenlos irritiert im Regen und weiß eigentlich gar nicht, was er aus einer Figur, aus der nichts herauszuholen ist, vielleicht doch noch herauskitzeln könnte.
Aber wenigstens sieht man ihn immer mit einem Dauergrinsen durch den Film flattern. Das ist zwar schön und nett, mehr aber auch nicht.
Whitney Houston dagegen hätte man wohl lieber ausschließlich auf den Soundtrack verbannt, denn singen kann sie ja bekanntlich und über weite Strecken des Films vernehmbar. Nur mit ihren Schauspielkünsten ist es nicht allzu weit her. Popqueen Whitney ist zu jeder Sekunde wunderschön und supernett, vermag ihrer Rolle aber nur schwerlich glaubhaften Ausdruck zu verleihen.
Ein kleiner Lichtblick erstrahlt jedoch in Rendezvous mit einem Engel, denn sobald Jenifer Lewis als flirtende Großmutter auf der Bildfläche erscheint, fliegt ein Hauch komödiantischer Ironie in den Zuschauerraum und verzaubert somit wenigstens kurzzeitig sein Publikum. Der ehemaligen Sister Act-Nonne gelingt es als einziger Darstellerin, den überdimensional kalkulierten Figuren komische und selbstironische Züge zu entlocken.
Fehlgriff - Ein Lob auf die heilige Familie, die Wiederbelebung des Gospelgesangs und das ausdrückliche Pochen auf christliche Grundwerte: Alles ehrenwerte Motive. Doch Rendezvous mit einem Engel verrät seine oberflächlich-rührenden Ansprüche und zieht sie selber ungewollt in den Dreck. Wenn sich Familien-Trouble in Sekundenschnelle in Wohlgefallen auflöst, schwarze Chormusik als bloße Hintergrunduntermalung potentieller Hitparadenstürmer mißbraucht wird und Begriffe wie Freundschaft und Treue zu leeren Worthülsen verkommen, dann werden griffige Überzeugungen zu fadenscheinigen Heucheleien. Das filmische Blendwerk ergreift Religion und hat Rendite in der Hinterhand, faßt an Urwerte und greift ins rührseelige Leere. Bösartig, dem Film Berechnung vorzuwerfen, aber das Ergebnis ist auffallend bis auf die hunderste Nachkommastelle stimmig - zu stimmig.
Fehlplazierung - Bei einem derart kalkuliert naiven Projekt ist es zu guter Letzt fast schon eine Ironie des Schicksals, daß das augenscheinliche Weihnachtsprodukt in Deutschland am 16. Januar ins Rennen um die Gunst des Zuschauers geschickt wird. Von Kerzenlicht geblendet und durch Adventslieder betäubt hätte man Rendezvous mit einem Engel vielleicht noch über sich ergehen lassen, doch wird dieser Film jetzt sicherlich keine Narrenkappe mehr hinter dem sich schon öffnenden Faschingsvorhang hervorlocken.




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