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Kritik: Con Air (1997)


Cameron Poe sitzt in der Klemme: Eigentlich ist er schon entlassen und möchte auf keinen Fall in dieses Himmelfahrtsunternehmen verwickelt werden. Doch mit den Jungs, die jetzt den Bordservice übernommen haben, sollte man sich nicht anlegen. Die Aussicht auf 15 Jahre Haft ist Grundbedingung zum Überleben. Cameron Poe wählt trotzdem die Konfrontation, einer bedrohten Wärterin, einem kranken Mithäftling und der Spannung zuliebe. Am Boden versucht derweil der emsige US-Marshal Vince Larkin (John Cusack), den Flug zu retten. (Und schafft es auch, weil der kriminelle Vogel äußerst zufällig direkt nebenan landet.

So klein ist auch Amerika.) Die Zwangslagen und Tricks, die cleveren oder schlagkräftigen Lösungen von Cameron Poe peitschen das Adrenalin hoch. Doch so außergewöhnlich wie die Werbung verheißt unterhält "Con Air" keineswegs. Es ist eines der Actionspektakel mit markant entworfenen Figuren und prägnanter Grundidee. Diese ist allerdings längst nicht mehr originell - siehe "Einsame Entscheidung", "Passagier 57" und Petersens Präsidentenflug "A.F.O.".

Die Wendepunkte der Story überraschen mäßig, ihre Konstruktion ist eher geradlinig als verzwickt. Dazu ist das Ganze nicht nur wegen des Overkills an Explosionen und Effekten brutal. Auch das Kämpfen und Morden auf dem Flucht-Flug zeigt extreme Härte, der Umgang mit den Leichen ist ein recht makabrer Spaß. Auf das Vor-Finale wartet derweil ein verlassener Flughafen mit schön viel Action-Spielzeug: Kräne, Tanklastwagen, Silos und Wellblechbaracken. Richtig kracht es dann in Las Vegas. Die besten Ideen, wie man Menschen zerstückelt, haben sich die Autoren bis zum Ende aufgehoben. Flotte Sprüche machen bis dahin ebenso Tempo wie ein ruheloser Erzählstil. Humor von der feineren Art blitzt ein einziges Mal auf: Der Wetterbericht meldet nichts Bedrohliches, nur eine kleine "Turbulence"- so hieß der noch schwächere Konkurrenzfilm im luftigen Action-Subgenre.

Der Begriff Con Air kürzt übrigens "Convict Airline" ab - eine von Knastis geleitete Fluggesellschaft. In Cannes feierte der Film seine Europa-Premiere; dort in Frankreich klingt "con" anders, eher wie "dumm" und "dusselig". Wie unpassend, denn die Zusammensetzung des Teams auf diesem Action-Vehikel ist äußerst clever - für einen Kinoerfolg. Bemerkenswert an "Con Air" ist noch, daß nach "Vertrauter Feind" wieder ein amerikanischer Major-Film nur kurz nach dem US-Start in Europa anläuft.





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